Die BaZ als Symptom der Medienkrise

(red)

Sind die jüngsten Basler Zeitungswirren blosse Episode oder Symptome einer grösseren Medienkrise? An der ersten Jahresveranstaltung des Vereins „Medienkritik Schweiz“ am 25. November an der HWZ Hochschule für Wirtschaft in Zürich prallten die Meinungen prominenter Medienfachleute aufeinander. Der Verein will mit einer neuen Online-Plattform zu einer Bündelung der Kräfte in der Medienkritik beitragen. Diese ist für ihn eine der wichtigsten Voraussetzungen für die gefährdete Medienqualität in der Schweiz.

„Zeitungen müssen ihre Beteiligung an jedem Quartieranzeiger öffentlich angeben – aber nicht, wem sie selber gehören“, kritisierte Gottlieb F. Höpli, Präsident des Vereins Medienkritik Schweiz, an der Veranstaltung vom Donnerstag in Zürich. Der Zürcher Medienforscher Prof. Kurt Imhof sah in den Basler Vorgängen eine „Repolitisierung der Medien“ nach US-amerikanischem Muster. Ohne die in kurzer Zeit zusammengekommenen 16000 Unterschriften im Internet wäre der Rückzug der Vorbesitzer Tettamanti/Wagner kaum so rasch erfolgt, erklärte der Basler Medienblogger Patrik Tschudin. Mehr Transparenz in den Besitzverhältnissen der Medien forderte Arbus-Präsident Daniel Römer, während die Vertreterin der Aktion Medienfreiheit, Nationalrätin Natalie Rickli, auf fehlende Transparenz auch bei der SRG und vor allem der Inkassobehörde Billag aufmerksam machte. Kritisch zur aktuellen Entwicklung der Medien äusserten sich auch Presserats-Präsident Dominique von Burg und der Paul Ehinger von der Stiftung „Wahrheit in den Medien“.

Auf das Ungleichgewicht im Mediensystem Schweiz, verursacht durch die steigende Zahl von Kommunikationsbeauftragen und PR-Leuten – „fast alles ehemalige Journalisten“ – und die sinkende Zahl qualifizierter Medienleute auf der Gegenseite machte der frühere Bundesratssprecher und Vizekanzler Oswald Sigg in seinem Referat aufmerksam.

Vom Blogger bis zur SVP-Politikerin: Das Podium zur Medienkritik.

Neben der „kleinen Bündelung der Kräfte“ der Medienkritik sei der Zeitpunkt gekommen, ernsthaft über eine gesamtschweizerische, umfassende Diskussion über den Zustand, über Defizite und Fehlentwicklungen des Mediensystems nachzudenken, forderte Gottlieb F. Höpli. Schweizerische Medienpolitik existiere zurzeit kaum, und es fehle ihr „an Engagement und Leidenschaft“.

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Über Matthias Giger

https://infowiss.ch Öffentlichkeitsarbeit und Statistik Kantonsbibliothek Vadiana, St.Gallen Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Informations- und Datenmanagement, Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur. Journalist / Redaktor beim Toggenburger Tagblatt, Wattwil. Zwei Praktika auf Web-Redaktionen Zukunftsinstitut GmbH und VR LEASING AG, nahe Frankfurt am Main. Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc.

8 Gedanken zu „Die BaZ als Symptom der Medienkrise

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  3. Vinzenz Wyss

    An der Jahresversammlung des Vereins „Medienkritik Schweiz“ konnte Paul Ehinger von der Stiftung „Wahrheit in den Medien“ (SWM) noch ernüchtert berichten, dass die Veranstaltungen seiner medienkritischen Organisation kaum mediale Resonanz hätte. Heute lässt die SDA den früheren Radiodirektor Andreas Blum anm Symposium der SWM sagen „politische Entscheide sind käuflich.“

    http://bit.ly/fV6p8g

    Ein Indiz dafür, dass Medienkritik nur dann Aufmerksamkeit generiert, wenn sie die Praktiken der Inszenierung anwendet, die sie den kritisierten Medien zum Vorwurf macht.

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  5. Michael Schifferle

    Ich kann Gottlieb Höppli nur zustimmen. Um vollständige Transparenz zu gewährleisten, müssten Medienhäuser ihre Besitzverhältnisse offenlegen. So könnte nicht nur das Vertrauen in die Medien generell gestärkt werden, auch würde sich das Risiko verkleinern, dass sich ein zweiter „Fall BaZ“ wiederholt. Denn noch immer wird darüber diskutiert, ob der jetzige Besitzer Moritz Suter von „rechtsbürgerlichen Kreisen“ unterstützt wird. Würde man alle Medienhäuser dazu verpflichten, ihre Verbindungen offenzulegen, könnte solchen Gerüchten Einhalt geboten werden.

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  6. Fred David

    Es gibt doch in Bern, wenn ich nicht irre, 200 NationalrätInnen. Es wäre eine Kleinigkeit, einen entsprechenden gesetzlichen Zusatz einzubringen, mit einem einzigen Sätzli:“Die Eigentumsverhältnisse von Medienunternehmen sind offenzulegen“. Dazu braucht es keine zwei Dutzend Kommissionssitzungen zu Vorberatung, sondern einfach einen Antrag und eine Abstimmung.

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