Ältestes Sprachrohr der Medienkonsumenten

von Stefan Etter

Seit nunmehr 80 Jahren verfolgt der Verein Arbus die Vorgänge in der Schweizer Medienwelt mit einem kritischen Auge und deckt Missstände auf. Daniel Römer, Präsident von Arbus, über die Entwicklung des Vereins und der Mediengesellschaft.

Arbus ist der älteste medienkritische Verein der Schweiz. Doch worin besteht die Tätigkeit eines solchen Vereins? „Wir wollen Einfluss nehmen auf die Medienpolitik, die Erhaltung und Förderung kultureller und gesellschaftspolitischer Werte in Radio und Fernsehen und unterstützen die Weiterbildung von Menschen, die Interesse daran haben, den Journalismus kritisch anzusehen.“ Diese Ziele hat sich Arbus auf die Fahne geschrieben. Mehrere hundert Einzel- und gut 30 Kollektivmitglieder wie die Mediengewerkschaft Comedia, die SP oder der Zürcher Mieterverband, geben dem Verein ein Gesicht und setzen sich für Qualität in den Medien ein. Zudem erscheint regelmässig ein Newsletter und zweimal im Jahr das vereinseigene Mitteilungsblatt „Wellenbrecher“.

Radios für alle
Arbus hat als Arbeiterorganisation unter dem Namen „Arbeiter Radio- und Fernsehbund“ angefangen. Dieser hat sich dafür eingesetzt, dass all jene einen Zugang zu einem Radiogerät erhielten, die Radiohören wollten, es sich aber nicht leisten konnten. Das war 1930. Doch schon bald kümmerte sich Arbus, der als politisch links verankert gilt, auch um Programminhalte des öffentlichen Rundfunks. „Eines der ersten Anliegen war, die Nachrichtenberichterstattung auszubauen und vermehrt Bildungsangebote in das Programm einzuflechten“, sagt Römer. Im Zuge der Gründung der Schweizerischen Rundspruch-Gesellschaft SRG 1931 forderte Arbus die Miteinbeziehung der Arbeiterschaft in die SRG-Organe.

Beeinflusst durch die Grünen-Bewegung ab Ende der 60er Jahre, prägte Arbus den Begriff der Medienökologie. „Arbus warnte davor, dass Quantität nicht mit Qualität gleichzusetzen sei.“ Ein Credo, das in Zeiten der Informationsschwemme durch Gratiszeitungen und Internet an nichts eingebüsst hat. Als sich das Fernsehen in den 1970er Jahre in der Gesellschaft etablierte, stellte sich Arbus dem neuen Medium. Zusammen mit der SP setzte sich der Verein erfolgreich gegen die von Rechtsbürgerlichen geforderte Gesetzesrevision von Radio und Fernsehen durch, welche die Unabhängigkeit der Institutionen und deren Mitarbeiter gefährdet hätte.

Gegen Werbung und Kommerz
Im Laufe der Jahre hat sich Arbus zur Vereinigung für kritische Mediennutzung entwickelt, welche die Interessen der Medienkonsumenten vertritt und sich gegen den Einfluss von Werbung und Kommerzialisierung wehrt. In der jüngeren Vergangenheit setzte sich der Verein im Zusammenhang von Vernehmlassungen beim Bakom ein und nahm so Einfluss auf die Gesetzgebung. „Arbus wirkt als Verfechter unabhängiger Medien und macht sich stark für eine in der Verfassung verankerte, gebührenfinanzierte SRG und einen „Service Public“ bei den Medien“, sagt Römer.

Arbus agiere heute als Milizorganisation. Trotz guter Kontakte zu ideell nahestehenden Organisationen und Parteien könne man die eigene Unabhängigkeit wahren. Die wirtschaftlich schwierige Lage sei jedoch unbefriedigend und bringe Probleme mit sich: „Wie viele der medienkritischen Organisationen oder Vertreter, leidet auch Arbus unter Ressourcenknappheit.“ Dies sind nicht die besten Voraussetzungen, um erfolgreich gegen Medienmonopole, intransparente Besitzverhältnisse oder Kommerzialisierung anzukämpfen. Nichtsdestotrotz setzt sich Arbus weiterhin für eine demokratische Gesellschaft ein.

Dieser Beitrag wurde am von in Aktuell veröffentlicht. Schlagworte: , , , , , , , .

Über Matthias Giger

https://infowiss.ch Öffentlichkeitsarbeit und Statistik Kantonsbibliothek Vadiana, St.Gallen Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Informations- und Datenmanagement, Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur. Journalist / Redaktor beim Toggenburger Tagblatt, Wattwil. Zwei Praktika auf Web-Redaktionen Zukunftsinstitut GmbH und VR LEASING AG, nahe Frankfurt am Main. Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc.

Ein Gedanke zu „Ältestes Sprachrohr der Medienkonsumenten

  1. Adrian Brunner

    guten tag,
    1. als kritisches publikum von sf.tv weiss man nicht, wo und wie eine kritik angebracht werden kann. dies könnte durch information verbessert werden, sodass auch junges publikum sich äussern würde, und das medium insgesamt für junge attraktiver würde, sofern dies überhaupt von den medien-kompetenten personen wirklich gewollt ist …?
    2. regelmässig werden einseitige „experten“-meinungen und einseitige, teilweise auch falsche sprachregelungen publiziert, welche nicht genügend breit und grundsätzlich verschiedene meinungen und tatsachen erhellen und auch gut erklären. beispiele dazu gibt es sehr viele:
    – 2011: entwicklung der behaupteten „aufwertung des chf“, statt der effektiven „abwertung des eur“! andere konstruktive lösungsvorschläge für dieses problem kommen schon gar nicht zu worte! … und herr hildebrand wird dauernd wegen einer relativen bagatelle diskutiert, statt wegen seines landesverrates, indem er den chf am 6. sept. 2011 an den untergehenden eur koppelt! damit verlieren ALLE leute mit Erspartem und Pensionskassen usw. ca. 20% ihres vermögens! … und allgemein sind die medien offenbar nicht fähig, SACH-probleme parteiUNabhängig zu diskutieren!
    3. wie kann sich jemand als parteiUNabhängige person mit klaren meinungen zu SACH- und POLITIK-themen (eben nicht partei-politik) bei den medien bemerkbar machen?
    mit freundlichem gruss:
    adrian brunner

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.