Monsignore hat gesprochen

von Adrian Plachesi

Wer sich als Medienkritiker exponiert, kann schnell einmal selbst zur Zielscheibe werden. Diese Erfahrung musste Journalismus-Student Mario Rubenzer machen. Wie geht ein Kritiker selbst mit Kritik um?

„Präpotenter Jüngling“ oder die Zukunft der Medienkritik? Student Mario Rubenzer.

Im Internet beschimpft man ihn als „präpotenten Jüngling“, der „seinen Gedankenmüll über andere kippt“. Seit Mario Rubenzer auf klartext.ch Texte veröffentlicht, musste er einiges an heftiger Kritik einstecken. „Das ist der dümmste Artikel, den ich im November gelesen habe“, steht in der Kommentarspalte unter einem seiner Texte.

Ähnlich angriffig gibt sich aber auch der Nachwuchsjournalist selbst: „Einfach über jemanden zu schimpfen und sich dabei selber noch an seinem semi-intellektuellen Geschreibsel zu ergötzen, finde ich unangebracht“, meint Rubenzer im Gespräch. Der Ton ist auf beiden Seiten gehässig.

Oliver findets gar nicht lustig
Im Rahmen der Praxiswerkstatt „Medienjournalismus“ am Institut für angewandte Medienwissenschaften der ZHAW lässt Dozent Nick Lüthi seine Studenten Beiträge für die Plattform klartext.ch schreiben. Er stehe voll und ganz hinter den Texten von Mario, sagt Lüthi. „Manches würde ich anders formulieren. Aber die Themen, finde ich für die Webseite eines kritischen Medienmagazins passend.“

Medienkritiker Mario ist eigentlich Journalismus-Student an der FH Graz und macht ein Austauschsemester in der Schweiz am IAM. Sein Klartext-Beitrag über die „schlechtesten 5 Artikel im Oktober“ löst eine Welle von zum Teil beleidigenden Kommentaren aus. „Und wie seicht und nutzlos ist dein eigenes Rating?“, schreibt jemand unter dem Pseudonym Oliver.

Wie geht er mit derartiger Kritik um? Berechtigte sachliche Kritik akzeptiere er, böswillig-persönliche nicht, meint Mario Rubenzer dazu. Doch: Er selber scheint auch nicht immer vor beleidigender Kritik gefeit. In seinem neusten Artikel über die „Blas-Affäre“ der SF-Moderatorin Annina Frey heisst es: „(…) wer sich nüchtern dazu erdreistet, die offizielle Seite seines Arbeitgebers dazu zu missbrauchen, (…) kann nicht ganz dicht sein.“

Ein „verbaler Nichtangriffspakt“?
Der aufmüpfige Österreicher hält auch in seiner Heimat nicht mit der eigenen Meinung zurück. Unter dem etwas komischen Pseudonym „Monsignore Rubi“ betreibt er einen gesellschafts- und medienkritischen Blog. Die Schärfe seiner Kritiken im Blog steht seinen Schweizer Publikationen in nichts nach. „Vielleicht sind es Mentalitätsunterschiede. Hier in der Schweiz scheint es auf jeden Fall, als herrsche unter Journalisten ein verbaler Nichtangriffspakt“, sagt „Monsignore“ Rubenzer.

Die Episode um Austausch-Student Mario zeigt vor allem eines: Die Kritiktoleranz unter Schweizer Journalisten scheint sehr begrenzt zu sein. Denn die gehässigen (und anonymen) Kommentare auf die Artikel des österreichischen Studenten stammen kaum von Leuten, die mit Journalismus nichts am Hut haben. Es bleibt aber auch ein wenig der Eindruck, dass Jungjournalist Mario Rubenzer sich selbst ein wenig zu wichtig nimmt. Seine Blog-Einträge pflegt er mit den Worten abzuschliessen: „Monsignore hat gesprochen.“

Nicht zuletzt zeugt aber die Tatsache, dass der klartext.ch-Verantwortliche Nick Lüthi Kritik wie die von Mario Rubenzer veröffentlicht, von einem gewissen Mut. Denn so spöttische Worte wie der 21-Jährige finden hierzulande die wenigsten Medienjournalisten. Vielleicht kommt so wenigstens ein bisschen frischer Wind in die verstaubte Medienkritik.

3 Gedanken zu „Monsignore hat gesprochen

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  2. Lea K.

    Es lässt sich darüber streiten ob der „Monsignore“ ein bisschen frischer Wind in die Medienkritiklandschaft der Schweiz bringt, oder seine Kommentare einfach nur heisse Luft sind. Aber wer kritisiert, muss auch Kritik einstecken können. Und das kann Monsignore definitiv nicht. Denn sonst würde er nicht annährend jeden Kommentar zu seinen Artikeln kommentieren, beantworten und zurückweisen. So kommt es bei seinem Artikel über die Blas-Affäre (siehe oben) regelrecht zu einer Schlammschlacht auf bedenklichem Niveau zwischen ihm und einer Kritikerin. Einem Niveau, auf dem sachliche, konstruktive Medienkritik nicht möglich ist. Und genau hier sehe ich das Problem bei Monsignore. Er mag inhaltlich vielleicht recht haben, mit dem was er schreibt. Seine Kritik ist oft durchaus berechtigt. Doch wenn man sich bei Kritik derart im Ton vergreift, kommt sie beim Empfänger nicht an. So rückt der Schreiberling in den Vordergrund und der Ursprung der Kritik geht dabei unter.

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