„Feedback gibts nur noch beim Mittagessen“

Interview mit David Gadze von Reto Beeler

Voller Tatendrang in die Welt hinausgehen und endlich das Gelernte umsetzen: Jeder Student freut sich auf die ersten Schritte in der Arbeitswelt. David Gadze hat vor drei Jahren den Studiengang Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW abgeschlossen. Im Interview sagt er, was ihm die Ausbildung für den Beruf als freier Journalist und Medientrainer gebracht hat.

Wie hat das Studium deinen Blick auf die Medien verändert?
Es ist schwierig zu sagen, ob ich mich jetzt mehr darauf achte, oder ob es mir einfach mehr auffällt. An und für sich wird der Blick schon geschärft. Aber ich denke, es hängt mehr mit meinem Job zusammen, als mit dem Studium – und natürlich mit der Arbeitssituation. Arbeite ich als Medientrainer, achte ich vermehrt auf das Auftreten von Personen. Schreibe ich mehr, achte ich auf die Art und Weise wie Texte geschrieben sind.

Kritisierst du dich auch selbst?
Selbstkritik ist ein grosses Thema für mich. Meistens vergleiche ich meinen Originaltext mit der gedruckten Version des Textes. Oft ist es der Fall, dass die Texte gekürzt werden. Inhaltliche Veränderungen können vorkommen, werden aber wenig gemacht.

[callout title=Studium als Starthilfe]David Gadze schloss 2007 das Studium an der ZHAW in Winterthur ab. Danach absolvierte er für ein halbes Jahr ein Praktikum beim renommierten „musikexpress“ in Deutschland. Zurück in der Schweiz arbeitet er seither als freier Journalist beim „St. Galler Tagblatt“, dem „Kulturmagazin Luzern“, beim deutschen „Südkurier“ sowie den Musikmagazinen „Rockstar Magazine“ und dem „7th Sky“. Seit 2010 arbeitet David Gadze auch als Medientrainer bei der Schweizer Armee.[/callout]

Wie gestaltet sich das Feedback aus den Redaktionen für die du arbeitest?
Redaktionelles Feedback kommt nur ab und zu und eher spontan vor. Am meisten natürlich in den negativen Fällen. Im Kulturbereich muss man als Autor schon schauen, dass man nicht zu viel Wissen beim Leser voraussetzt. Solche Rückmeldungen erhalte ich schon. Positives Feedback kommt aber sehr selten vor.

Hat Kritik für dich Grenzen?
Klar. Es nervt mich zum Beispiel, wenn meine Texte so stark redigiert werden, dass nicht mehr das steht, was ich geschrieben habe. Vor allem wenn mein Name darunter steht. Da könnte mich der Redaktor kurz anrufen und die Änderungen mit mir besprechen. Aber einfach alles zu ändern, ohne mir Bescheid zu geben, das geht nicht. Ansonsten lasse ich meine Texte gerne redigieren, da es den Text meist qualitativ aufwertet.

Wie sieht es mit der Kritik am gesamten Medium aus?
An Blattkritiken kann ich als frei arbeitender Journalist kaum teilnehmen. Früher war das noch der Fall, dass auch die freien Journalisten eingeladen wurden. Inzwischen hat man diese Blattkritiken aber eingestellt oder sie finden nur noch intern statt.

Geht da etwas verloren?
Ja, ich finde diese Entwicklung sehr schade. Vor allem wenn viele Freie angestellt sind, die sich nur einmal im Monat treffen oder auch ohne journalistische Ausbildung arbeiten. Da wäre es sehr wertvoll, wenn man sich mit dem Endprodukt auseinandersetzt und auch Feedback gibt.

Wie holst du dir heute deine Rückmeldungen?
Es ist traurig, aber das meiste erfahre ich, wenn ich mit den Festangestellten Mittagessen gehe. Ansonsten kriege ich aus den Redaktionen eigentlich nichts mit.

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