Medien nur noch als Beigemüse

von Ronny Gechter

Ein Verlagshaus produziert und verkauft Medien. Das war einmal. Heute entwickeln sich Medienunternehmen vermehrt zu Gemischtwarenläden. Vorreiter dieser Entwicklung in der Schweiz ist das Medienhaus Ringier.

Ringer-CEO Marc Walder an der Dreikönigstagung 2011, Bild: medieninstitut.ch

Als „Geburtsfehler“ bezeichnete Ringier-CEO Marc Walder an der diesjährigen Dreikönigstagung das kostenlose Anbieten von
publizistischen Inhalten im Internet und fragte sich: „Haben die Schweizer Medien den Beginn der digitalen Revolution verschlafen? Anfangs herrschte Ahnungslosigkeit, man wusste nicht, wie damit umzugehen.“
Klar sei, dass die digitale Revolution sich rasend schnell vorwärts bewege und die Printmedien immer mehr unter Druck geraten. Die Medienhäuser würden mit ihrem Kerngeschäft Print auch gegenwärtig noch „gutes Geld“ verdienen, doch die strukturelle Veränderung sei offensichtlich – weniger Leserinnen und Leser, weniger Marketingausgaben, weniger Anzeigen.

E-Commerce und Unterhaltung
Bis vor fünf Jahren produzierte Ringier vor allem Zeitungen, Zeitschriften und führte Druckereien. Nebst dem Kerngeschäft Print wird nun eine zweite Strategie verfolgt, die vor allem Ertrag erbringen soll: Entertainment und E-Commerce sind die Schlagwörter, welche die aktuelle Geschäftsführung von Ringier prägen. Durch Entertainment und E-Commerce verspreche sich das Medienhaus wirtschaftliche Stabilität, bzw. eine gewisse Unabhängigkeit von Konjunkturzyklen; im Jahre 2010 konnte bereits 13% des Umsatzes mit diesen neuen Geschäftsfeldern erwirtschaftet werden, sagt Walder.
Dass Ringier in letzter Zeit nicht „nur“ auf sein Kerngeschäft Print setzt, ist kaum zu übersehen. Längst hat sich die Unternehmung in andere Geschäftsfelder eingeschleust: Ringier organisiert Events, mischt im Lebensmittelhandel mit, hilft bei der Partnersuche, bei Autokäufen und bei vielem mehr. Umso weniger erstaunlich ist deshalb die derzeitige Vision des Medienhauses: „Ringer will schlicht das führende private Entertainmentunternehmen bei Live-Events und in den elektronischen Medien der Schweiz sein“, so Walder. Diesem Ziel wolle sich das Unternehmen jetzt nähern.

Gewinnbringend ist Pflicht
Der Pfad, den das Medienhaus Ringier gewählt hat, ist nachvollziehbar. Bereits in der Vergangenheit war es im Unterhaltungssektor aktiv. Doch wie sieht es bei anderen Schweizer Medienhäusern aus? Werden auch sie an neue Märkte anknüpfen müssen, um in Zukunft bestehen zu können? Ist die Existenz von klassischen Medienhäusern, die ausschliesslich im Mediensektor tätig sind, gefährdet? Tamedia beispielsweise löst das Problem durch Übernahmen anderer regionaler Zeitungen und durch Stellenabbau.
Eine andere Möglichkeit sei gemäss Walder, sich auf eine Nische zu konzentrieren. Hierzu nennt er die „Weltwoche“, die sich ganz dem Themengebiet Politik verschrieben habe. Realistisch betrachtet, ist jedoch klar: Es existiert weder eine unendliche Anzahl von Nischen, noch ist die Digitalisierung der Medien in unserer Gesellschaft aufzuhalten. Die Printmedien sind unter Druck. Gerade durch Geräte wie das Ipad oder das Iphone wird diese Bewegung noch rasanter vorwärts schreiten. Wohin dieser Trend führt, ist fraglich. Anzunehmen ist, dass es für Medienhäuser in Zukunft unausweichlich wird, in andere Märkte zu investieren.

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