Medienkritiker aller Schulen, vereinigt euch!

von Janko Skorup

Hochschulen und Universitäten unterrichten Medienkritik. Doch Journalisten interessiert das kaum. Das könnte sich ändern, wenn die akademische Welt stärker an einem Strang ziehen würde in Sachen Medienkritik.

Immer weniger Journalisten befassen sich kontinuierlich und vertiefend mit der Schweizer Medienlandschaft. Und auch ein Rainer Stadler wird einmal pensioniert. Wo bleibt der Nachwuchs? Junge Medienschaffende scheinen sich nicht mehr um Medienkritik zu kümmern. Sie sind froh, wenn sie überhaupt eine Stelle in der Medienbranche finden. Doch die meisten Hochschulen und Universitäten bieten trotzdem – oder gerade deswegen – Medienkritik als Unterrichtssfach an. Dennoch scheint sich die Qualität in der Medienlandschaft nicht zu verbessern, eher das Gegenteil ist der Fall.

„Medienkritik an die Hochschulen holen“
Was bringt der Medienkritikunterricht überhaupt, wenn das Gelernte in der Arbeitswelt offenbar keinen Platz hat? „Die Medienkritik gehört zur Moderne seit es sie gibt. Wir müssen diese Tradition aufrechterhalten, die Demokratie lebt von der Öffentlichkeit“, sagt Kurt Imhof von der Universität Zürich. Imhof bietet eine Vorlesung am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) an und sieht die kritische Auseinandersetzung mit den Medien im Bildungssystem vernachlässigt: „Es vermittelt ja niemand mehr die Geschichte der Medienkritik.“ Bei genauerer Betrachtung ist es dann aber doch nicht so schlimm, denn an vier von sechs Hochschulen kommen die Publizistikstudierenden in den Genuss des Medienkritikunterrichts. Es sind dies die Universitäten Bern, Fribourg und Zürich sowie die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur. Keinen Medienkritikunterricht bieten die Universitäten Basel und St. Gallen.
Der Zukunft blickt Imhof mit Besorgnis entgegen, denn durch die Streichung der Medienseiten in den Zeitungen, wird die Medienkritik in der Basis bedroht. „Wir müssen die Medienkritik zwingend Institutionalisieren. Und dies sollte an den Hochschulen geschehen“, sagt Imhof. Denn dass die Medienkritiker ins Internet ausweichen, wo sie ihre Meinung in Blogs kundtun, ist für Imhof eine unbefriedigende Lösung. „Online-Medienkritik ist wichtig, sie arbeitet aber nicht systematisch und meist nur sporadisch.“

Zusammenarbeit ist gefragt
Das IPMZ übt Medienkritik mit der Veröffentlichung des „Jahrbuchs Qualität der Medien“, die ZHAW bietet ein gemischtes Theorie/Praxis-Seminar zum Thema an, und auch die Universitäten Freiburg und Bern bieten Medienkritikvorlesungen an. Doch sollten die Hochschulen ihre Kraft nicht bündeln und gemeinsam an der Gründung einer medienwirksamen Institution arbeiten? Und vor allem: Sollten sie nicht die Universitäten Basel und St. Gallen sensibilisieren Medienkritik ebenfalls anzubieten? Denn wenn die Hochschulen aneinander vorbeikritisieren, oder die Medien gar nicht kritisieren, wird die akademische Kritik von den Medien noch weniger ernst genommen. Wegen dem Spar- und Zeitdruck nehmen die Redaktionen vereinzelt agierende Kritiker womöglich kaum noch wahr. Doch wenn eine Institution mit sechs Universitäten beinahe die gesamte Schweiz medienkritisch abdecken könnte, hätte das sicher eine grosse Signalwirkung.

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