Verlage haben Rechnung ohne den Wirt gemacht

von Pascal Wettstein

Nach der Euphorie kommt die Ernüchterung: Jetzt merken die Verlage, dass Apple mit dem Ipad auch an den Inhalten kräftig mitverdienen will.

Dass das IPad, oder Tablet-PCs bereits in näherer Zukunft das Papier ablösen wird, ist keine neue Vermutung. Dies könnte gemäss der Business-Plattform Focus bereits ab 2014 geschehen, denn bis dann soll der Verkauf von Tablet-PC’s stark anziehen. Damit die Zeitungen die schnellen Entwicklungen im Konsumverhalten der Leser, wie der Umstieg aufs Internet, nicht mehr verschlafen oder unterschätzen, steigen schon jetzt die meisten ins Geschäft ein und entwickeln digitale Versionen ihrer Zeitungen für IPad und Co.

Einfach bedienbare digitale Versionen ihrer Zeitungen, sogenannte E-Paper. Und nach dem Schock, der das Eindringen des Internets in unseren Alltag den Medien zugeführt hatte, scheinen die Zeitungen nun endlich wieder etwas zu lachen zu haben. „Eine Plattform, die vernetzt, interaktiv und potentiell kostenpflichtig ist“, meint Christoph Bauer, CEO der AZ Medien an der diesjährigen Dreikönigstagung Anfang Januar, stimme zum Frohsinn für die Zukunft des Verlagsgeschäfts.

Allgemeines Mut-Zureden
„Don’t Panic!“ antwortet Bauer seinen Kollegen auf die Frage, ob sich Journalismus auch in der Zukunft mit dem Verkauf von Werbung finanzieren lasse. Er zitiert dabei aus Hitchhiker’s Guide to the Galaxy. Im Science-Fiction-Klassiker von Douglas Adams gibt ein digitales Buch, das einem Ipad gleicht, auf alle Fragen die immergleiche Antwort: „Don’t Panic!“.
Momentan herrscht unter den Schweizer Verleger allgemeines Mut-Zureden. Es wird in Online-Redaktionen investiert, Multimedialität und Interaktivität fallen als Stichworte in fast allen Vorträgen, wo es um die Zukunft der Medien geht. Als Allheilmittel gelten die sogenannten Apps, Anwendungsprogramme, mit denen sich Medieninhalte auf smarten Telefonen und Tablet-PCs anzeigen lassen. Die Zeitungen entwickeln erwartungsvoll Apps für IPhone und IPad. Folgen dem grossen Medienmagnaten wie Schäfchen. Dabei vergessen die Verlage, dass sich auch Apple ein grosses Stück vom Kuchen der kostenpflichtigen Mediennutzung abschneiden will.

Apple will mehr
Mit den Apps macht Apple nicht ? das grosse Geschäft. An den kostenpflichtigen Apps verdient Apple einen Anteil von 30%. Die meisten Apps der Schweizer Zeitungen stehen jedoch gratis zum Download zur Verfügung. Bisher gingen die Abonnementskosten für den digitalen Zugriff auf den Zeitungsinhalt über ein App gänzlich in die Taschen der Verlage. Ein Bericht des Niederländischen Verlags NRC Media lässt jedoch erahnen , dass Apple sich am Geschäft mit dem E-Paper beteiligen will. Apple hat in Belgien und den Niederlanden für April dieses Jahres eine neue Regelung für die provisionsbasierte Abrechnung angekündigt. So will Apple in Zukunft an jeder verkauften Zeitungsausgabe mitverdienen. Ebenfalls haben die Verlage bisher den Abonnementen der Printausgabe freien Zugang auf die tägliche IPad-Ausgabe gestattet. Dies wird Apple in Zukunft nicht mehr ohne Provision erlauben. Zeitungen würden also ihren Content an Apple als Mittler verkaufen und zum Content-Lieferanten werden.

Unterschätzen die Printmedien den Anspruch von Apple auf Umsatzbeteiligung oder sind sich alle bewusst, dass es anders nicht gehen kann? Möglicherweise müssen sich die Zeitungen an ein neues Finanzierungsmodell gewöhnen und die Ansprüche Apples als Multiplikator miteinberechnen. Es ist auch durchaus möglich, dass sich der Wettbewerb unter den Tablet-PCs Anbietern über die Jahre etwas normalisiert und nicht nur Apple den Ton angibt. So gesehen ist der Ratschlag „Don’t Panic!“ vielleicht gar nicht so fehl am Platz.

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