Weshalb Medienkritik kein Randthema bleiben darf

von Fabian Vogt

Die Medienkritik vegetiert vor sich hin, irgendwo am Rande des Journalismus, verliert zunehmend an Bedeutung und niemand scheint Willens zu sein, sie aus ihrem Stiefmütterchendasein zu befreien.

Bloss einige Experten, primär Medienwissenschaftler, warnen, dass Medienkritik nicht als Randthema abgetan werden soll, sondern für das Überleben des Journalismus eine zentrale Bedeutung einnimmt. Aber ist dem wirklich so? Und falls ja, wie ist eine Kehrtwende möglich, die der Medienkritik zu mehr Ansehen und Gewicht verhilft?
Fakt ist: Die Medien, und damit auch der Journalismus, haben ein Problem. Fast überall auf der Welt gehen die Anzeigenerlöse der traditionellen Massenmedien Presse und Rundfunk zurück und ein System zur nachhaltigen Finanzierung der Neuen Medien ist bisher noch niemandem eingefallen. Es gibt sogar extra Blogs, die auflisten, wann welche Zeitungen Konkurs gegangen sind. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielschichtig, aber eines ist unverkennbar: Der Journalismus hat ein Strukturproblem.

Die Selbstbeobachtungsfalle
Seine Aufgabe wäre es nämlich, als wichtiges Gesellschaftssystem neben Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kunst, dafür zu sorgen, dass sich diese Gesellschaft selber beobachten kann. Journalismus soll die Synchronisation der verschiedenen Bereiche herstellen. Eine Aufgabe, mit der die anderen Systeme überfordert sind. Aber wer beobachtet und kontrolliert eigentlich den Journalismus? Warum sollte er in der Lage sein, sich selbst zu beobachten, wenn die anderen Bereiche dies nicht schaffen? Die Wissenschaftler warnen vor diesem Problem. So spricht Vinzenz Wyss, Medienprofessor an der ZHAW von einer Selbstbeobachtungsfalle. Das System kann in dieser Art nicht funktionieren und führt unter anderem dazu, dass der Journalismus es nicht schafft, in eigener Sache als Frühwarnsystem zu fungieren.

Beobachtung der Medienkritik
Auch wenn jede gut gemeinte Initiative der journalistischen Medienkritik zu begrüssen ist, sie hat meistens Mängel. Ein Problem ist für Wyss dabei auch, dass etwa die Medienkritik, wie sie heute noch in Tageszeitungen und Online-Medien zu lesen ist, ausser personalisierten Geschichten kaum strukturelle Zusammenhänge thematisiert.
Dem Medienforscher schwebt vor, dass „verschiedene Akteure sich organisieren und als Zivilgesellschaften für die Medienkritik verantwortlich sind“. Was in etwa bedeutet, dass es nun an anderen Teilsystemen liegt, dem Journalismus zu helfen und in einem Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft, Religion oder Politik eine externe Beobachtung der Medienkritik zu schaffen. Doch dafür muss zuerst das Bewusstsein, was Medienkritik für den Journalismus bedeutet, geschaffen werden.

Die Journalisten von morgen bereits heute sensibilisieren
Aus diesem Grund werden bereits Studierende im Umgang mit dem Thema Medienkritik sensibilisiert. An der ZHAW in Winterthur wurde eigens ein Seminar dafür geschaffen. Vinzenz Wyss ist als Verantwortlicher des Projektseminars, in dessen Rahme auch dieser Text entstand, überzeugt, dass dieser Kurs auf fruchtbaren Boden stösst, „denn viele unserer Studierenden sind selbst um die Qualität des Journalismus besorgt“.
Wenn der Dozent aber darauf angesprochen wird, warum solche Kurse nicht auch gestandenen Journalisten angeboten werden, kommt bei Wyss leichte Resignation auf: „Journalisten sind in der Regel resistent gegen Anregungen von aussen und hinterfragen sich nicht gerne“. Ganz im Gegensatz zu PR-Beratern, die anscheinend, „eher willens sind, sich weiterzubilden“. Eine Folge davon ist laut Wyss, „dass sich PR immer mehr professionalisiert, während im Journalismus eine Deprofessionalisierung stattfindet“.

Der Journalismus und sein Einfluss auf die Demokratie
Ohne einen professionellen Journalismus können aber auch andere gesellschaftlichen Teilsysteme ihre Aufgaben nicht mehr erwartungsgemäss erfüllen. Wirtschaft, Kunst, Sport oder insbesondere die Politik in einer Demokratie würden vor grosse Probleme gestellt werden.
Medienkritik ist auf keinen Fall die Patentlösung, sie ist aber eine nötige Stütze. Darum sollte sie gefördert werden, von externen Instanzen– aber auch von den Medienhäusern und Journalisten selber.

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