Grenzen und Möglichkeiten

von Manuel Peter

Seit letztem November ist diese Webseite als Plattform für Medienkritik online. Rund 50 Artikel haben Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW bisher im Rahmen ihres Studiums hier veröffentlicht. Ein wertvoller Beitrag für den medienkritischen Diskurs oder nur eine lästige Pflichtübung? Eine erste Bilanz.

Von der ausführlichen Berichterstattung zur Herzberg-Tagung über ein Porträt von Helmut-Maria Glogger bis hin zum Röstigraben in der Medienkritik: Die Themenpalette der Webseite ‚Medienkritik Schweiz‘ ist breit gefächert. Gestandene Medienschaffende wurden ebenso mit kritischen Fragen konfrontiert, wie Wissenschaftler und ehemalige Studenten der ZHAW. Man besuchte unterschiedlichste Veranstaltungen und nahm das „Jahrbuch Qualität der Medien“ von Kurt Imhof genauer unter die Lupe. Dass sich die Studierenden intensiv mit der Materie auseinandergesetzt haben, ist offensichtlich. Doch muss die Frage erlaubt sein: Was bleibt?

Noch Sand im Getriebe
Nach der ersten Jahresversammlung des Vereins ‚Medienkritik Schweiz‘ und dank dem Rummel um ein Engagement von Christoph Blocher bei der Basler Zeitung kamen die Diskussionen schnell in Gang. Was folgte, war ein oft zähes Ringen um eine gute Textidee. Vorschläge von Tagungsbesuchen und andere Inputs aus dem Unterricht wurden mit zunehmender Begeisterung aufgenommen. Auffallend viele Texte handeln vom öffentlichen Fernsehen oder der SRG im Allgemeinen. Es lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass Themen, die oft Eingang in den alltäglichen Medienjournalismus finden, gerne auch auf einer ‚Metaebene‘ der Medienkritik angesprochen werden. So verwundern die vielen Kommentare zum Dilemma des Durchschnittsalters bei SRF nicht. Erwähnenswert ist zudem die Thematik der Blattkritik, welche ebenfalls Anstoss zu diversen Beiträgen gab. Diese Wahl ist wohl auf erste praktische Erfahrungen der Studenten zurückzuführen, die oft selbst bei Zeitungen arbeiten und für ihre Recherche bestehende Kontakte nutzen konnten.
Selten aber entwickelte sich weiterführende Diskussionen. In Erinnerung bleibt sicherlich die Episode um ‚Monsignore Rubi‘. Aber auch der kurze, aber heftige Wortwechsel zwischen NZZ-Medienredaktor, Rainer Stadler, und einer Studentin, sowie das Aneinandergeraten vom stellvertretenden Chefredaktor der SonntagsZeitung, Simon Bärtschi, und Vinzenz Wyss, Medienprofessor an der ZHAW, zeugten von einer aktiven medienkritischen Auseinandersetzung.

Pflichtübung?
Bedenkt man aber, dass die Studenten die Texte nicht nur aus freien Stücken, sondern als Teil ihrer Ausbildung verfasst haben – bzw. verfassen mussten – so erscheint die Plattform in einem etwas anderen Licht. Sollte es nämlich nicht gerade in der Medienkritik so sein, dass jeder und jede seine Gedanken unabhängig äussern kann und nicht alibimässig nach einem geeigneten Gesprächsstoff suchen muss? Von Studierenden, die ihre Zukunft in den Medien sehen, sollte man eine kritische Reflexion über die Medien erwarten können. Zudem wäre es vermessen zu sagen, niemand habe seinen Beitrag nicht doch mit einer gewissen Genugtuung verfasst.

Ein stummer Verein
Was während den ersten Monaten auffiel, war die komplette Abwesenheit des Vereins ‚Medienkritik Schweiz‘, auf dessen Initiative hin diese Webseite erst ins Leben gerufen wurde. Abgesehen von zwei, drei Beiträgen hat sich der Verein, der gerne als Dachorganisation der medienkritischen Organisationen auftreten möchte, noch nicht weiter zu profilieren vermocht. Bleibt zu hoffen, dass ‚Medienkritik Schweiz‘ nicht irgendwo im weltweiten Web untergeht und noch viele weitere Statements und angeregte Diskussionen zu lesen sein werden.

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Über Matthias Giger

https://infowiss.ch

Öffentlichkeitsarbeit und Statistik Kantonsbibliothek Vadiana, St.Gallen

Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Informations- und Datenmanagement, Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur.

Journalist / Redaktor beim Toggenburger Tagblatt, Wattwil.

Zwei Praktika auf Web-Redaktionen Zukunftsinstitut GmbH und VR LEASING AG, nahe Frankfurt am Main.

Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc.

7 Gedanken zu „Grenzen und Möglichkeiten

  1. Salzmann Claudia

    Wenn wir ehrlich sind, ist doch genau das eingetroffen, was alle befürchtet haben: Die motivierten Medienkritiker, die an der HSW in Zürich referierten und debattierten, sind jedenfalls auf dieser Plattform verstummt. Wir Studierende hatten Semesterferien und somit keinen Auftrag (aber auch keine freiwilligen Beiträge), aber bald geht es weiter…

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  2. Philippe Wenger

    Ja, bald geht es weiter. Bis zu den nächsten Prüfungsvorbereitungen oder Semesterferien. Dann wird der nächste Jahrgang als Textproduzenten für diese schlecht gemachte Website rekrutiert.
    Schon okay, dass das eine Spielwiese für Studis ist (die Beiträge geben ja auch etwas her), aber dann sollte es gänzlich ein IAM-Produkt sein und so ausgewiesen werden.

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  3. Andreas Jäggi

    Liebe Studierende. Zuerst einmal vielen herzlichen Dank für die sehr wertvollen Beiträge auf dieser Plattform. Ich kann Sie versichern, dass sie von den „motivierten Medienkritikern“ mit Interesse zur Kentnis genommen werden. Nach der Aufbau der Basisstrukturen, Mitgliederwerbung, Founding und Formulierung der „Medienpolitik“ des Vereins sind wir nun dran, zwei Veranstaltungen für 2011 vorzubereiten. Ich bitte Sie um Verständnis, dass wir uns vermehrt hier einbringen werden, wenn diese Basisarbeiten erledigt sind. Zudem haben wir unsere Mitglieder ermuntert, die Seite zu nutzen. Als neustes ist auch die FB-Seite Medienkritik Schweiz aufgeschaltet. Wir hoffen hier, weitere Bekanntheit für die Plattform zu erreichen. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele von Ihnen diese FB-Seite mit einem „gefällt mir“ kommentieren und sie Ihren FB-Freunden weiterempfehlen. In der Zwischenzeit freuen wir uns auf weiteren spannenden Input von Ihrer Seite. Andreas Jäggi, Mitglied im Vorstand Medienkritik.

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  4. Matthias Giger

    Mich haben die Texte hier mehrheitlich gelangweilt. Entweder ging es um die Meidenkritik selbst (was soll sie, ist sie nötig, wie steht es um sie) oder es wurde ÜBER medienkritische Texte geschrieben.

    Richtig bissige Medienkritik, die sich auf einen bestimmten Sachverhalt bezieht, habe ich hier noch nicht gelesen.

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  5. admin

    @Matthias Giger Das ist genau Sinn & Zweck dieser Plattform; journalistische Beiträge zur Medienkritik. Für die Medienkritik selbst, gibt es genügend andere Gefässe. Aber niemand beobachtet und begleitet die Kritiker. Das kann und soll an dieser Stelle mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglickeiten geleistet werden.

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  6. Alexandra

    Der Verein hat im März versichert, sich vermehrt selber auf der Homepage einzubringen. Inzwischen ist Mai und es hat sich nicht getan. Die Seite bleibt in den Händen der IAM-Studenten. Ich bezweifle, ob der Zweck der Plattform, über Medienkritik zu schreiben, Sinn macht. Wenn sich Studenten mit der Thematik befassen sollen, dann sollen sie aber auch direkt Medienkritik betreiben können.

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  7. Taas Ilo

    Sehr gut verfasster Text.
    Regt zum Denken an – Wie lange wird das mit dieser Seite wohl noch so weitergehen?

    Ist nur zu hoffen, dass diese Seite etwas mehr in Schwung kommt.

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