Pioniere der Online-Medienkritik

von Rafaela Roth

Seit elf Jahren betreiben die kirchlichen Mediendienste die Online-Plattform medienheft.ch. Doch wo „online“ drauf steht, ist nicht unbedingt „online“ drin. medienheft.ch positioniert sich bewusst als Zwittermodell zwischen Print und online.

Urs Meier, Geschäftsführer reformierte Medien

Als medienheft.ch im Jahr 2000 online ging, war es eines der ersten medienkritischen Angebote im Netz. Zu einer Zeit, als Zeitungen ihre Medienseiten abschafften, baute das damals konkurrenzlose medienheft.ch die Medienkritik online auf. „Die Absicht war, Medienfragen kritisch zu begleiten und für ein überdurchschnittlich interessiertes Publikum aufzubereiten“, sagt Urs Meier, Geschäftsführer der reformierten Medien. Er und Charles Martig vom katholischen Mediendienst geben medienheft.ch heraus. Man wolle spezielle medienpolitische, medientheoretische und medienethische Themen aufgreifen und Diskussionsanstösse liefern. Religiöse Themen bilden dabei nicht den Schwerpunkt: „medienheft.ch schaut einfach stärker als andere Medien mal darauf, wie die Kirchen mit Kommunikationsfragen umgehen. Dies aber aus einer kritischen und fast schon neutralen Distanz“, erklärt Urs Meier.

Profilierte Autoren
Redaktorin Judith Arnold managt die Webseite in einem 40-Prozent-Pensum und koordiniert ein Pool von rund 24 Autoren. Darunter sind Journalisten, Wissenschaftler und andere Interessierte, Namen wie Karl Lüönd, Michael Haller und Kurt Imhof tauchen auf. Unter der Rubrik „Fokus“ werden Debatten um die Medien angeheizt. „Essayistisch und reflektierend“, sollen die Texte laut Urs Meier sein. Dies mit der Konsequenz, dass die häufig sehr langen Texte wenig webtauglich sind. Dessen ist man sich bewusst bei medienheft.ch. „Wir sind immer noch von der Printkultur inspiriert“, sagt Urs Meier und bezieht sich dabei auf das gedruckte Vorgängermagazin „Zoom – Kommunikation und Medien“. Doch der ausgebildete Pfarrer ist überzeugt: „Hintergründige Reflexionsbeiträge besitzen einfach eine gewisse Länge und dieser essayistischen Form wollen wir treu bleiben.“

Ethik als Schwerpunkt
Diesem Zwittermodell zwischen Print und online will medienheft.ch also treu bleiben, sich inhaltlich dennoch neu ausrichten. Urs Meier zieht es in Betracht, sich in Zukunft vermehrt auf die Schnittstelle zwischen Kirche und Kommunikation zu konzentrieren. „Wir als Kirchen interessieren uns für Wert- und Ethikfragen. Das sind unsere Stärken in der Mediendiskussion“, sagt Urs Meier. Und auf diese Stärke will man in Zukunft setzen. Finanziert wird medienheft.ch durch die beiden kirchlichen Nachrichtendienste. Anzeigen hat es keine auf der Website. Diese finanzielle Unabhängigkeit ist eine weitere Stärke von medienheft.ch und eine gute Voraussetzung, um im hart umkämpften Onlinemarkt eine Nische zu finden und sich darin auch in Zukunft behaupten zu können.

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