Bekannte Probleme, kaum Lösungsvorschläge

von Pascal Schwyn

SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr macht sich Sorgen um das Mediensystem in der Schweizer Demokratie. Seine Pläne, der vermuteten Krise entgegen zu wirken, machen allerdings keinen besonders tauglichen Eindruck. Darüber debattierte Fehr unter anderem am vergangenen Donnerstag in der von den Schaffhauser Nachrichten (SN) und dem Zürcher Presseverein organisierten Diskussionsrunde zum Thema „Medienvielfalt und Qualitätsanspruch“.

Politik und Journalismus sind voneinander abhängig. Denn eine direkte Demokratie funktioniert nur dann, wenn ein qualitatives und vielseitiges Medienangebot vorhanden ist. Hans-Jürg Fehr, Nationalrat der SP und Redner an der Veranstaltung, bemängelt genau dieses Zusammenspiel: „Ich mache mir Sorgen, dass das Mediensystem den Ansprüchen der direkten Demokratie nicht mehr genügt“. Überhaupt wurde ein düsteres Bild des aktuellen Journalismus gezeichnet. Man sprach von Thesen- und Rudeljournalismus, von Skandalisierung, Boulevardisierung und Personifizierung. Ausserdem wurde die Problematik der Gratiszeitungen angesprochen, welche die abonnierte Presse unter Druck setzen würde. Wobei dieses Problem nun wirklich nicht neu ist.

Fehr will „Google abkassieren“
Hans-Jürg Fehr hatte mit seinem Postulat und den als Folge davon in Auftrag gegebenen sechs Studien zur Qualität der Schweizer Medien die Diskussion entfacht. „Die Vielfalt der Titel hat abgenommen, vier Verlagshäuser beherrschen den Schweizer Markt“, gibt Fehr zu bedenken. So weit, so bekannt. Vorschläge, wie dieser Konzentration Gegensteuer gegeben werden kann, sind jedoch Mangelware. Der SP-Nationalrat Fehr seinerseits würde eine Internetplattform schaffen, deren Inhalte von Qualitätsmedien zusammengestellt werden. Für die Finanzierung soll Google aufkommen. „Wir wollen die abkassieren“, meinte Fehr, denn Google würde heute sowieso nur von Inhalten profitieren, die andere erstellen und finanzieren.

Entspannte Situation in Schaffhausen
Ganz so prekär wie in der Gesamtschweiz sieht es in Schaffhausen nicht aus. Es gäbe kaum so viele Medien pro Einwohner wie in Schaffhausen, sagte SN-Chefredaktor und Verleger Norbert Neininger. In Schaffhausen gibt es neben Tageszeitungen auch Lokalblätter, Lokalfernsehen und mehrere Radiostationen. Aber leugnen, dass auch seine kleine Regionalzeitungen mit den nationalen Grössen Mühe hat mitzuhalten, kann auch Neininger nicht: „ Heute kann heute als Medienhaus nur bestehen, wenn man alle Medien im Angebot hat.“ Im Journalismus gehe es darum, relevante Informationen aufzuarbeiten und einzuordnen. „Dafür sind finanzielle Mittel und gut ausgebildete Journalisten nötig“, sagte Neininger.

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