Aus zwei mach eins

von Claudia Salzmann

Die Medienvielfalt nimmt auch im gedruckten Medienjournalismus ab. Wie seit längerem angekündigt, spannen „Edito“ und „Klartext“ zusammen. Ein Blick in die erste gemeinsame Ausgabe.

Schaut man sich das neue Heft an, das Ende April erschienen ist, fällt auf: Vorher war nach 19 Seiten „Edito“ Schluss, nun braucht man einige Stunden, um sich 38 Seiten medienjournalistischer Artikel zu Gemüte zu führen. In der Ankündigung des Herausgebervereins heisst es denn auch, dass „optische und inhaltliche Elemente“ der beiden Vorgängerhefte im gemeinsamen Heft zu finden seien.

Übernommen wurden die „Edito“-Ressorts Medienszene, Medientrend und Medienlabor. In der Rubrik Medienszene wird das Versprechen, dass das gesamte Redaktionsteam weiter schreiben werde, eingelöst. Auch die Gerüchteküche „Paparazzi“ hat weiterhin ihren Stammplatz behalten. Das grosse „Klartext“-Interview wurde in dieses Ressort integriert, was gut passt.

„Medienlabor“ deutlich kürzer

Das Ressort Medientrend lässt den Leser ratlos zurück, da das Titelbild des „Time Magazine“ mit dem Siegerbild des „World Press Photo“ nicht komplett gedruckt wurde und das Titelbild nur halb gedruckt wurde. Ein ärgerlicher Fehler im Layout. Was im ersten Ressort an Bildern fehlt, wird auf den ersten drei Seiten im Medientrend kompensiert.

Den „Korrespondentenbrief“ gibt es auch weiterhin und so darf die Leserschaft von der Schwierigkeit im Journalismus aus allen Herren Länder weiterhin lesen.

Das Ressort Medienlabor, wo die journalistische Praxis thematisiert wird, hat an Umfang eingebüsst. Das vermag auch die „Werkstatt“-Beilage nicht aufzufangen. Die nächste Ausgabe wird zeigen, ob dies Zufall oder bewusst so ist.

In der Rubrik Surfschule, wo bis anhin der Chefredaktor der Blogwerk AG über Online und Internet schreibt, wurde der Text verlängert, dafür ist die Box verschwunden. Nicht schlimm, denn unter dem Strich bleibt eine Seite.

Das Heft kommt mit der bekannten Qualität seiner Vorgängerpublikationen daher. Wer sich für Medienthemen interessiert, ist auch mit dem neuen Heft gut bedient.

8 Gedanken zu „Aus zwei mach eins

  1. Lukas Langhart

    Spannende Randnotiz: Ein Opfer der Fusion bilden die „Medienmenschen“-Interviews, die im vergangenen Semester von der Klartext-Redaktion bei einer Gruppe IAM-Studierender in Auftrag gegeben wurden. Diese sollen nun offenbar nie abgedruckt werden sondern ausschliesslich online publiziert werden. Während für den Abdruck im Klartext ein Honorar vorgesehen war, gibt’s für die Online-Publikation keinen Rappen.

    Ausserdem: Der Name des neuen Hefts ist doch hoffentlich ein schlechter Witz.

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  2. Kathrin Reimann

    Für Journalistinnen und Journalisten die sich über Vorgänge in der Medienbranche informieren wollen, ist das Magazin ganz bestimmt nicht langweilig. Möglicherweise ist es für Blogger weniger attraktiv, aber wenigstens die Seite 37 dürfte dich interessieren…

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  3. Philipp Cueni

    Nicht als Rechtfertigung und schon gar nicht als Kritik an der Kritik. Aber vielleicht interessiert ein Feedback aus der Küche eines EDITO +KLARTEXT-Machers.

    Zuerst eine Verteidigung unserer Layouterin: Das halbe Bild des „Time Magazine“-Covers war nicht ihr Fehler, sondern muss die Redaktion auf die eigene Kappe nehmen: Es war dies ein (falscher!) Kompromiss-Entscheid, wie wir damit umgehen wollen, dass nicht zwei fast identische Bilder nebeneinander gezeigt werden. Die von uns gewählte Lösung (mit der „Halbierung“ auf den umstrittenen Titel zu focussieren) ist tatsächlich schlecht.
    Enttäuschrt hat uns, dass unsere zwei Primeurs von anderen Zeitungen und Medienportalen so wenig aufgenommen worden sind: Hinter der Klage der Aegis und des Schweizer Anwaltskanzlei gegen BaZ und Tamedia (das wusste noch niemand) stecken viel Zündstoff und auch grundsätzliche Fragen an die Aufgabe des Journalismus. Und auch die Zahlen zur Praxis von Verwaltungsstellen, übermässige Gebühren bei Gesuchen nach Dokumenten gemäss Öffentlichkeitsgesetz zu verlangen, war meines Wissens neu.
    Offenbar interessiert in der Deutschschweiz wenig, dass wir in der Romandie ein zweites eigenständiges Heft produzieren – auch das hat von den Medienkritikern kaum jemand erwähnt.
    Tatsächlich hat der Teil „Medienlabor“ nicht in jeder Nummer gleich viele Seiten – das war schon früher bei EDITO so. Dieser Teil ist aber nicht grundsätzlich kleiner geworden. Wir bieten hier weiterhin Beiträge aus der Macher-Werkstatt (Wie hat er/sie gearbeitet?), zu medienethischen Grenzfällen, zur Recherche-Praxis, zum online-Journalismus usw.
    Einen kleinen (Druck?)Fehler möchte ich dennoch korrigieren: EDITO hatte nie nur 19 Seiten. In den letzten Nummern waren es jeweils 32, jetzt sind es 40 Seiten. Das Problem ist: Wir drucken auf 16er-Bogen, da ist ein Sprung um lediglich 4 Seiten unverhältnismässig teuer. Bald lassen wir auf einer anderen Maschine drucken (8-er-Bogen), mit welcher wir dann auch mehr Flexibilität haben, auch mal nur 4 Seiten mehr zu produzieren.
    Und dann doch noch eine Kritik an der Kritik: Ob das Heft „langweilig“ (Kommentar) sei oder nicht, muss jeder Leser und jede Leserin selbst beurteilen. Als Pauschalurteil eines Medienkritikers ist mir das zu dünn.

    Die Debatte über Medienkritik ist wichtig. Jedes weitere Feedback auf unser Magazin freut uns.
    Philipp Cueni, Chefredaktor EDITO +KLARTEXT

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  4. Pingback: In guten wie in schlechten Zeiten | Medienkritik Schweiz

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