Gemeinsam wären sie stark

von Silvan Gruber

Die medienkritischen Organisationen in der Schweiz tun sich schwer. Die bestehenden Vereine sind klein und agieren häufig nur punktuell. Ein Zusammenschluss könnte Abhilfe schaffen. Doch die ideologischen und politischen Ansichten sind dafür oftmals zu unterschiedlich.

Medienkritik gibt es, seit es Medien gibt. Und da der gesellschaftliche Stellenwert der Me­dien kontinuierlich zunimmt, kommt auch der kritischen Medienbeobachtung konsequenterweise eine grössere Bedeutung zu. Doch die medienkritischen Organisationen können mit der rasanten Entwicklung nicht mithalten. Dies auch, weil die von Kommunikationswissen­schaftlern, wie beispielsweise von Professor Vinzenz Wyss, geforderte Institutionalisierung der Medienkri­tik, noch immer nicht stattgefunden hat.
Anstatt vereint zu agieren und die vorhandenen Kräfte zu bündeln, setzen medienkritische Vereine wie der Arbus, die Aktion Medienfreiheit oder die Stiftung Wahrheit in den Medien eher sporadisch Akzente. Die wenigen Handlungsaufforderungen und Interventionen, die auf den Websites der Organisationen publiziert sind, bestätigen diesen Trend: Man begnügt sich in der Regel mit ein paar Me­dienmitteilungen und einem Newsletter für Mitglieder. Politische Vorstösse, Symposien oder Tagungen sind dagegen seltener.
Fehlende Mittel
Ein Blick auf das vorhandene Jahresbudget verdeutlicht den schweren Stand dieser Organisa­tionen. Pro Jahr stehen ihnen nur zwischen 5000 – 10‘000 Franken zur Verfügung, wie in einer Seminararbeit des IAM festgehalten ist Dass man damit keine allzu grossen Sprünge macht, versteht sich quasi von selbst. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die entsprechenden medienkritischen Aktivitäten auf einen eher bescheidenen Rahmen beschränken.
Zu unterschiedliche Vorstellungen
Doch warum fällt es den medienkritischen Organisationen so schwer, sich zusammenzutun? Ein wichtiger Grund sind – bei allen Gemeinsamkeiten – ideologische und politische Differenzen. Obwohl beispielsweise die Aktion Medienfreiheit und der Arbus das gemeinsame Ziel haben, die Medienkonsumenten zu vertreten und Einfluss auf die Medienpolitik zu nehmen, können sich diese Vereine nicht auf eine gemeinsame strategische Ausrichtung einigen. Dies hat gewiss auch damit zu tun, dass die Aktion Medienfreiheit von bürgerlichen Politikern geführt wird, während der Arbus aus dem linken Spektrum kommt. Doch wer ernsthaft etwas bewirken will, sollte auch mal bereit sein, die politischen Differenzen aussen vor zu lassen und entsprechende Kompromisse einzugehen. Zumindest bei grundlegenden Anliegen wie etwa dem Einsatz für Qualitätsjournalismus oder die Bedeutung der Medienvielfalt für eine funktionierende Demokratie könnte mit Sicherheit eine Konsensbasis gefunden werden.

3 Gedanken zu „Gemeinsam wären sie stark

  1. Stefan Etter

    Sicherlich ist das individuelle und punktuelle Agieren medienkritischer Organisationen ein Hindernis für eine wirkungsvolle Medienkritik. Auch die bescheidenen finanziellen Ressourcen lassen eine flächendeckende und konstante Medienkritik nicht zu. Doch auch ein Zusammenschluss würde – genauso wie die vermehrte Zusammenarbeit zwischen den medienkritischen Organisationen – keine anzustrebende Verbesserung mit sich bringen. Solange die Medienkonsumenten nicht in die Medienkritik eingebunden werden und deshalb davon auch praktisch keine Notiz nehmen, wird sie immer oberflächlich und deshalb auch relativ wirkungslos bleiben. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, müssten die Medien selbst aktiv werden und mit einem eigenen medienkritischen Angebot die Leser, Hörer oder Zuschauer zum Diskurs animieren, damit Medienkritik nicht nur die Angelegenheit einer geschlossenen Gruppe bleibt.

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  2. Daniel Römer, Präsident Arbus Schweiz

    Sehr geehrter Herr Gruber

    Es freut mich, dass auch Sie sich an der Diskussion über Medienkritik beteiligen und versuchen Anstösse zu geben betreffend einer Stärkung.

    Ihre Analyse, dass gerade zwischen dem ARBUS und der Aktion Medienfreiheit Gemeinsamkeiten zu finden sind mag bei einem ersten Hinschauen vielleicht stimmen. Tatsächlich wäre es – zumindest aus Sicht des ARBUS – wünschenswert, wenn KonsumentInnen auch bei den Medien versuchen würden vermehrt (gemeinsam) Einfluss zu nehmen. Stärke zu finden bei einem möglichen Zusammengehen zwischen ARBUS und der Aktion Medienfreiheit scheint mir aber für ziemlich lange Sicht weder möglich noch wünschenswert zu sein. Zu unterschiedlich sind die Ansichten unserer beiden Vereine insbesondere was Sinn und Zweck der SRG bzw. des öffentlichen Rundfunks anbelangt.

    Dem Arbus ist ein funktionierender Service public denn nicht nur mit Blick auf die Schweiz und deren Zusammenhalt wichtig sondern er sieht auch eine Gefahr, wenn die Kommerzialisierung der Medien weiter voranschreitet. Wenn dem Arbus – im Übrigen zuunrecht – immer wieder die Aussage in den Mund gelegt wird, er würde sich grundsätzlich gegen private Medien aussprechen, ist schlicht und einfach zu kurz gegriffen und falsch.

    Bei den privaten Radio- und Fernsehanbietern ist jedoch seit deren Bestehen – trotz quantitativer Vermehrung – ein ziemlicher Einheitsbrei entstanden und als KonsumentInnen warten wir noch immer einigermassen gespannt auf die Wirkung des aktuellen RTVG, welches uns zumindest auf lokaler Ebene doch durch die vielen privaten Anbieter einen qualitativen Schub und neue Möglichkeiten und Angebote versprochen hat. Aufgetaucht sind diese nämlich trotz der neuen Möglichkeiten nicht wirklich.

    Gerade die Aktion Medienfreiheit schiesst sich in den vergangenen Monaten gegen die SRG ein und redet der Freiheit (= Kommerzialisierung) das Wort, dass dies den Zielen des Arbus – der einen unabhängigen, föderalistischen und gebührenfinanzierten Service public will – diametral entgegensteht.

    Eine Schrumpf-SRG und noch mehr private – insbesondere -Printmedien bei denen zum Teil nicht klar ist, wer die Besitzenden und was deren Ziele sind, kann und will sich der Arbus nicht vorstellen.

    Einer sachlichen Medienkritik – auch gegenüber der SRG -stellt sich der Arbus selbstverständlich jederzeit; denn gebührenfinanziert heisst für den Arbus noch lange nicht über jeden Zweifel erhaben. Überlegungen in Sachen Medienangebote der Zukunft zu machen bedingt aber sich nicht einfach auf einzelne, isolierte Aspekte einzuschiessen sondern Informations-, Unterhaltungs-, Kultur-, Bildungs- und Sportangebote und -bedürfnisse im Umfeld auch der heutigen technischen Möglichkeiten und der umliegenden Länder und deren kommerzieller Medienkonzerne zu betrachten.

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  3. Michael Schifferle

    Dem stimme ich zu. Obschon die medienkritischen Organisationen meines Erachtens noch mehr tun müssten, um sich einer breiteren Öffentlichkeit einzuprägen, läge es vor allem an den Verlagshäuser mehr tun, um die Bedeutung der Medienkritik zu vergrössern.. Sie verfügen noch immer über die Mittel, Öffentlichkeit herzustellen, sie haben noch immer genügend Leser, dene sie medienkritische Inhalte nahebringen könnten. Organisationen wie Arbus oder die Aktion Medienfreiheit hätten gerade den Auftag, dies von den Medienhäusern zu fordern.

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