In guten wie in schlechten Zeiten

von Jenny Zimmermann

Der Medienjournalismus hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Zürcher Journalistin Bettina Büsser hat sie erlebt. Zum Beispiel beim «Tages-Anzeiger», als die Zeitung noch wöchentlich einen Medienbund beinhaltete. Unabhängig von der Konjunktur findet sie es wichtig, dass sich Medienschaffende einen Spiegel vorhalten lassen und dem Publikum erklärt wird, wie die Medien funktionieren.

«Als freie Journalistin zu arbeiten, ist wie ein Slalom», sagt Bettina Büsser. Freie Journalisten müssten sich der Konjunktur anpassen und das ständige Auf und Ab auszuhalten wissen. Seit 1990 macht die 52-Jährige das mit Leidenschaft. Schon während ihres Studiums in Geschichte, Literatur und Volksliteratur war sie für eine Studentenzeitung tätig und merkte: «Ich will Journalistin werden!». Es folgte ein Volontariat beim «Tages-Anzeiger» begleitet vom Grundkurs am Medienausbildungszentrum (MAZ) in Luzern. Beim «Tages-Anzeiger» kam sie erstmals in Kontakt mit Medienjournalismus und Medienkritik und war auf Anhieb begeistert. Vor allem die Fernsehkritik hatte es ihr angetan: «Ich finde es eine tolle Herausforderung, auf wenig Platz etwas möglichst differenziert zu kritisieren.»

Geglückte Fusion
Als freie Journalistin sei es wichtig, sich in einem Gebiet zu spezialisieren, damit man nicht jedem Auftrag nachrennen müsse. Ihr wichtigstes Standbein ist der Medienjournalismus. Mitte der 90er Jahre begann sie für das Medienmagazin «Klartext» zu schreiben und hat auch heute noch ein 40-Prozent-Pensum beim inzwischen mit «Edito» fusionierten Magazin «Edito+Klartext». Zukunftsprognosen für das neue Heft zu stellen, hält sie für schwierig, da die erste Ausgabe diesen April erschienen ist. «Wir sind immer noch fleissig am Üben und Entwickeln», hält sie fest. Das Zusammenführen der beiden Medienmagazine ist ihrer Meinung nach soweit gut geglückt. Ehemalige «Klartext»-Leser würden das grosse Interview im neuen Medienheft wiederfinden, und die «Edito»-Leserschaft sei bereits vertraut mit den Ressorts Medientrend, Medienszene und Medienlabor. So erkenne jeder Vertrautes aus dem ehemaligen Heft.

Abwärtstrend des Medienjournalismus
Obwohl sich der Stellenwert des Medienjournalismus seit Beginn ihrer Tätigkeit in einer Art entwickelt hat, die sie mit «abwärts, abwärts» zusammenfasst, hält sie an dessen Notwendigkeit fest. «Es ist für Journalisten wichtig, die ökonomischen Aspekte und die Entwicklung ihres Berufes zu verstehen», sagt sie. Ausserdem sei es gut, nicht zu vergessen, was guter Journalismus sei und gute sowie schlechte Tendenzen zu benennen. Auch für die Leserschaft sei es wichtig, zu verstehen, wie die Medien funktionieren, und es erstaune sie deshalb immer wieder, wie wenig diese sich anscheinend dafür interessiert.

«Alles kann sich ändern»
Als freie Journalistin arbeitet Bettina Büsser «80 bis 120 Prozent», je nach Situation. Zurzeit hat sie nebst der Anstellung bei «Edito+Klartext» seit anfangs Jahr ein Mandat von 20 Prozent bei «Reporter ohne Grenzen». Sie ist Koordinatorin für die Deutschschweiz und soll die Menschenrechtsorganisation, die vor allem in der Romandie ein Begriff ist, auch hier bekannter machen. Ausserdem schreibt sie ein Mal im Monat für das Magazin «Marketing & Kommunikation» und unterrichtet an drei Nachmittagen im Jahr an der EB Zürich freien Journalismus. Ihre berufliche Zukunft lässt sie auf sich zukommen. Genau das sei mitunter einer der tollen Aspekte an ihrem Beruf: «Es kann sich immer alles wieder verändern.»

7 Gedanken zu „In guten wie in schlechten Zeiten

  1. Florian Imbach

    Sorry, dass ich mich gleich auf diesen Punkt einschiesse. Nichts gegen Bettina Büsser, aber das neue Edito-Klartext finde ich eine Katastrophe. Kein für mich als Journalisten erkennbarer Mehrwert, sondern nur zahme Texte. Wenn die Macher dieses Magazins ernsthaft Leser wollen und nicht nur auf die „Zwangsverteilung“ durch Journi-Organisationen setzen, müssen sie sich etwas einfallen lassen. Es würde mich sehr freuen, wenn das gelänge.

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  2. Antonio Haefeli

    Ich finde den Aspekt interessant, dass mit einer Medienseite der Leserschaft die Medien erklärt werden sollen. Meiner Meiung nach wäre das enorm wichtig, findet aber so nicht statt. Medienjournalismus scheint mir oft nur für Branchenkenner interessant, da meistens viel Fachwissen vorausgesetzt wird, das der Durchschnittsleser nicht hat. Mehr erklären und aufklären statt lamentieren – das wär Medienjournalismus, der etwas bewirken könnte.

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  3. Salzmann Claudia

    Das Zielpublikum dieses Hefts ist ja auch ein Fachpublikum. Ich finde nicht, dass die Texte zahm sind. Ja, fast müsste ich sagen, glücklicherweise sind sie nicht reisserisch, diese Schlagzeilen sehen wir schon genug.

    Es geht darum, dass ein Journalist oder eine Journalistin ein «Gspüri» für ihre Branche bekommt. Tönt jetzt nach Werbung, aber seit ich bei der Comedia bin, lese ich es meistens. Niemand kann mir sagen, dass er das Swissmem-Heft liest, nur weil er einmal einen Schneepflug aus der Nähe betrachtet hat. Dieser Vergleich ist etwas an den Haaren herbeigezogen, weil Medien uns alle mehr betreffen als Schneepflüge. Dennoch…

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    1. Florian Imbach

      Dann haben wir offensichtlich als Journalisten unterschiedliche Ansprüche an die Texte und den Mix dieses Magazins 🙂 Dein Vergleich mit dem Swissmem-Heft könnte nicht besser sein, weil ich das Gefühl habe, dass „Edito+Klartext“ zu ebendiesem wird: ein langweiliges Branchenheft.

      Wenn sich ein Magazin als „Schweizer Medienmagazin“ präsentiert, dann erwarte ich starke Inhalte über die Medienbranche und über Akteure. Ich will wissen, was läuft und ich möchte interessante Geschichten lesen. Dies bietet mir heute nur der „Schweizer Journalist“ (allen herzlich zu empfehlen). Ich würde mich freuen, wenn auch „Edito+Klartext“ auf dieses Niveau käme.

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  4. Stephanie Rebonati

    Eine interessante Aussage: «Auch für die Leserschaft ist es wichtig, zu verstehen, wie die Medien funktionieren». Nur: Das impliziert zwei Paar Schuhe. Einerseits wird ein Medienjournalismus verlangt, der dem Rezipienten vermittelt, wie das Mediensystem funktioniert – sprich, ihm aufzeigt, wie Themenkonzepte entstehen, wie recherchiert, wie eine Agenturmeldung eine Geschichte, wie mit Informanten umgegangen wird etc. – ich erlaube mir, die genannten Aspekte als Basics zu bezeichnen. Andererseits verlangt das Fachpublikum analytische Texte, Medienkritik eben. «Wie die Medien funktionieren» wissen Medienschaffende. Diese zwei Paar Schuhe sollte man nicht in denselben Schrank stellen, da geht es thematisch um dasselbe; namentlich die Medien. Inhaltlich unterscheidet sich dieser Medienjournalismus aber enorm – oder zumindest die Erwartungen an ebendiesen. Eine klare Trennung ist von Nöten.

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    1. Bettina Büsser

      Es sind zwei Paar Schuhe, klar. Wenn man aber allgemein über „Medienjournalismus“ und seinen Stellenwert spricht, sind die Schuhe für einen Moment im gleichen Schuhkästli, weil es um das ganze Genre geht. Selbstverständlich sortiert man sie nachher wieder, weil es klar ist: Medienjournalismus, der sich an ein breites Publikum richtet, das ihn zum Beispiel in einer der (rar gewordenen) Medienrubriken in einem Publikumsmedium liest, muss ganz anders sein als jener, der sich in einem Fachmagazin an ein Fachpublikum richtet. Man spricht ja je nach Medium unterschiedliche Publika an. Das ist bei allen anderen Journalismusbereichen nicht anders, im Wirtschaftsjournalismus etwa, im Wissenschaftsjournalismus – und auch im Sportjournalismus (das Fussballmagazin „zwölf“ beispielsweise setzt anderswo an als die Sportseite einer Regionalzeitung). Was das Ganze beim Medienjournalismus allerdings zusätzlich kompliziert, ist die Verquickung des Themas (Medien) mit den Transporteuren des Themas (Medien).

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  5. Florian Imbach

    Inzwischen haben sich meine Befürchtungen nicht bestätigt 🙂 Dies habe ich auch den Kolleginnen und Kollegen von „Edito+Klartext“ geschrieben:
    „Als ich die erste Ausgabe des fusionierten
    Magazins in Händen hielt, war ich gar
    nicht begeistert. Ich war vor allem von der
    dürftigen Themenauswahl enttäuscht.
    Und siehe da! die letzte Ausgabe 03/11, die
    zweite als „Edito+Klartext“, ist euch aus
    meiner Sicht sehr gelungen. die Themen
    sind allesamt ansprechend, spannend und
    vor allem: in einem sehr guten Mix.“

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