„Medien sind für uns lebensnotwendig“

Interview mit Rolf Tschäppät von Michael Steiner

Das Logo von Giacobbo/Mülller zeigt eine zerknüllte Zeitungsseite, Zeitungsschlagzeilen kündigen die Themen der Sendung an, Medienfiguren werden auf die Schippe genommen, regelmässig stellen sich Medienschaffende den Fragen der Moderatoren. Ist Giacobbo/Müller ein Medienmagazin? Rolf Tschäppät, Bereichsleiter Comedy & Quiz beim SRF, über Rolle und Bedeutung der Medien in der Late Night Comedy des Schweizer Fernsehens.

Medienkritik Schweiz: Soll Giacobbo/Müller mehr als unterhalten?
Rolf Tschäppät: Die Sendung soll zur Meinungsbildung beitragen. Durch eine satirische Aufbereitung der Aktualität kann der Zuschauer ein aktuelles Thema aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Inwieweit ist Giacobbo/Müller eine medienkritische Sendung?
Medienkritik findet in der Sendung statt, nur schon weil die Aktualität bei Giacobbo/Müller immer der Inhalt ist. Wir sind nichts anderes als eine satirische «Tagesschau», die wöchentlich stattfindet. Da Medien die Aktualität verbreiten, sind sie ein wichtiger Teil der Sendung. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder ist die Aktualität selber Thema und die Medien dienen als Quellenangabe oder sie werden selbst zum Thema. Dies ist z. B. der Fall, wenn Themen sehr boulevardesk oder speziell aufbereitet werden. Dann machen wir Medienkritik, hinterfragen die Schlagzeile und kommentieren sie entsprechend.

Wie sieht es mit Selbstkritik aus?
Wir hinterfragen auch Radio und Fernsehen medienkritisch, üben also auch Selbstkritik. Denn Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit sind wichtig für eine Satiresendung.

Gab das noch nie Probleme?
Soweit ich das feststellen kann, nein. Ich spüre keine Selbstzensur und auch keinen Druck.

Wissenschaftler fordern von der Medienkritik, dass sie die Medienkompetenz der Nutzer fördert. Kann Giacobbo/Müller dazu beitragen?
Ja, ich denke schon. Da wir Zeitungsausschnitte oder andere Medienprodukte als Quellenangaben für Themen verwenden, kann sich der Zuschauer bei uns ein Bild davon machen, wie welche Medien über ein bestimmtes Thema berichten.

Wegen der Katastrophe in Japan wurde die Sendung vom 13.03.2011 abgesagt. Was darf die Satire nicht?
Satiriker würden sagen, die Satire darf alles. Das anerkenne ich – ein Satiriker darf nicht die Schere im Kopf haben. Als Verantwortlicher für Giacobbo/Müller sage ich aber, sie darf nicht alles. Wir müssen uns an Gesetze, an die Konzession und die internen publizistischen Leitlinien halten.
Was die abgesagte Sendung betrifft: In den Medien wurde das so aufgenommen, als hätten wir die Sendung in erster Linie aus Gründen der Pietät abgesagt. Der Hauptgrund war aber, dass wir keine Live-Sendung sind. Unsere Sendung wäre unmittelbar auf eine live gesendete «Tagesschau» gefolgt. Die Aktualität in Japan hat sich an dem Tag stündlich verändert. Wir hätten also keine Chance gehabt, aktuell zu sein, gleichzeitig aber das Ereignis auch nicht einfach ignorieren können. Deshalb wurde die Sendung abgesagt.

Verschieben sich die Grenzen der Satire durch die Boulevardisierung der Medien?
Die Satire geht eigentlich immer bis an die Schmerzgrenze. Ich glaube nicht, dass es Parallelen gibt zwischen der Boulevardisierung und der Frage, wie weit Satire gehen darf.

Giacobbo/Müller profitiert aber vom Boulevard und von medialer Skandalisierung.
Entscheidend für Giacobbo/Müller ist, was passiert. Wie die Medien das transportieren, kommt an zweiter Stelle. Es stimmt aber, dass wir genau wie News-Formate von Skandalen, verrückten Geschichten und Enthüllungen leben.

Könnte Giacobbo/Müller ohne Medienthemen in der Sendung funktionieren?
Ohne Medien hätten wir wohl ein Problem. Giacobbo/Müller richtet sich an ein Publikum, das informiert ist. Wir gehen davon aus, dass unsere Zuschauer die Aktualität über Medien verfolgen. Insofern sind sie für uns lebensnotwendig.

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