„Mehr Einsatz für die Höflichkeit“

von Raphael Mahler

In den Kommentarspalten von Medienspiegel.ch wird rege diskutiert und debattiert. Nicht selten enden die Diskussionen in kleinen Schlammschlachten. Das mag zwar im Einzelfall ärgerlich erscheinen. Dass mal die Fetzen fliegen gehört aber auch zur Online-Kultur.

Eine Plattform bieten, auf der über Medien diskutiert werden kann und den einen oder anderen Leser zum Nachdenken zu bewegen, gibt Martin Hitz an, wenn man ihn nach seiner Motivation fragt, weshalb er einen Blog betreibt. Ob die Leser tatsächlich zum Nachdenken bewegt werden, ist schwer zu sagen. Diskutiert wird aber allemal – und das teils heftig. Besonders die Gastbeiträge in der Rubrik «Mediensatz» erfreuen sich vieler Kommentare. Diese sind meist sachlich, interessant und auf den Inhalt bezogen. Doch hin und wieder geraten sich die Kommentierer – fast ausschliesslich Männer – in die Haare. Dies musste auch Gast-Kolumnistin Pia Horlacher gleich bei ihrem ersten Eintrag erfahren. Von der harten Gangart überrascht, widmete Sie ihre zweite Kolumne prompt der Kommentar-Kultur des Medienspiegels.

Wenn die Fetzen fliegen
Es sind rund zehn Kommentierer, die sich regelmässig in die Diskussionen einschalten – die meisten davon Journalisten. Ruppig wird es oft, wenn sich «Bobby California» daran beteiligt. Er ist grundsätzlich anderer Meinung und provoziert gerne – mit Erfolg. Fred David und Christian Röthlisberger (Nickname: bugsierer) sind jene, welche sich nur zu gerne auf die Provokationen einlassen und ihn wohl nur zu gerne aus dem Blog bugsieren würden. Seit längerem führen sie eine private Fehde mit «Bobby». Teils mag dies sogar interessant sein, doch meist endet die Schlammschlacht immer beim selben Thema. Sie werfen «Bobby» vor, dass er seine Identität nicht preisgibt und aus dem «anonymen Hinterhalt kommentiert». Ein etwas schwaches Argument, gehört doch die Möglichkeit zur Anonymität zum World Wide Web wie der Affenschwanz zur E-Mail-Adresse.
Auch wenn diese privaten Streitereien nicht immer förderlich für die Diskussion sind, so gehört es auch zu einem lebendigen Blog, dass einmal die Fetzen fliegen. Dennoch könnte eine etwas gepflogene Kommentar-Kultur nicht schaden. Das findet auch Pia Horlacher und fordert darum «mehr Einsatz für die Höflichkeit».

4 Gedanken zu „„Mehr Einsatz für die Höflichkeit“

  1. Pascal Schwyn

    Anonymität auf der Plattform medienspiegel.ch würde meiner Ansicht nach die Sachlichkeit der Diskussionen markant erhöhen. Nicht selten werden Urteile aufgrund der journalistischen Vergangenheit des jeweiligen Kommentators gefällt. Zudem kann die Anonymität dazu beitragen, dass nicht nur Autoren mit „grossen Namen“ ernst genommen werden.
    Aber die Veröffentlichung des Namens kann auch zu interessanten Anschlussdiskussionen führen. So geschehen beispielsweise am 30. Dezember 09, wo nicht der Beitrag, sondern der erste Kommentar eines Users und dessen Name bzw. journalistische Vergangenheit (Markus Schär) für Zündstoff sorgte und eine Diskussion über die Vermischung von Journalismus und PR anregte.

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  2. Fabienne Huber

    Mehr Einsatz für die Höflichkeit – das entspricht auch meiner Meinung. Doch die teils ruppige Kommentar-Kultur auf Medienspiegel.ch ist auch ein klares Zeichen dafür, wie emotional mit dem Thema „Medienkritik“ umgegangen wird. Wer seinesgleichen kritisiert, wird schnell als „Nestbeschmutzer“ abgestempelt. Dabei ist gerade die Kritik von Journalisten an Journalisten extrem wertvoll, da sie Experten sind, die (meist) wissen, wovon sie sprechen.

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  3. Annina Striebel

    Ich denke, dass die Möglichkeit zur Anonymität beim Kommentieren wichtig ist. Denn oft kann ein Konflikt auch dann entstehen, wenn die Identität der Kommentierenden bekannt ist. Der Autor oder die Autorin kann sich, je nach Kommentarquelle, mehr oder weniger auf den Schlips getreten fühlen. Ausserdem möchte ich hier auch die „Nestbeschmutzer“-Problematik ansprechen, welche schon Fabienne Huber aufgegriffen hat: Wird ein Journalist als kritischer Kommentarschreiber – also ein möglicher „Nestbeschmutzer“ – identifiziert, kann dies negative Folgen auf sein gegenwärtiges Arbeitsverhältnis haben, wenn der Arbeitsgeber thematisiert wird.
    Wünschenswert wäre es dennoch, wenn sich ein Admin bei beleidigenden Äusserungen einschalten würde und die Möglichkeit hätte zu verwarnen sowie – im Wiederholungsfall – den User zu sperren.

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