„Unsere Ressourcen sind beschränkt“

Interview mit Martin Künzi, Sekretär des Presserats, von Lukas Langhart

Viele Redaktionen verzichten auf eine Veröffentlichung der Stellungnahmen des Presserats, die das eigene Medium betreffen. Dies widerspricht laut der Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten dem Grundsatz einer fairen Berichterstattung. Der Presserat kann jedoch nicht viel mehr unternehmen, als die Redaktionen höflich darum zu bitten, die Stellungnahmen zu veröffentlichen. Martin Künzi, Sekretär des Presserats, spricht über dessen Rolle innerhalb der medialen Selbstkontrolle.

Herr Künzi, erst seit kurzem werten Sie aus, welche Medien der Abdruckpflicht nachkommen und welche sich davor drücken. Hat sich der Presserat vorher nicht dafür interessiert?
Selbstverständlich interessiert den Presserat seit jeher, ob und wo seine Stellungnahmen veröffentlicht werden. Leider fehlen uns die Mittel, dies systematisch zu verfolgen. Der Presserat ist eine Milizbehörde mit einem Teilzeitsekretariat, die ihre beschränkten Ressourcen in erster Linie für die Bearbeitung der eingehenden Beschwerden einsetzen muss. Damit waren wir lange stets im Verzug. Seit zwei Jahren hat sich die Situation aber stark gebessert.

Wie überprüfen Sie, welche Medien der Abdruckpflicht nachkommen?
Wir stützen uns hauptsächlich auf die Schweizer Mediendatenbank SMD. Weil diese aber nicht alle von den Stellungnahmen betroffenen Medien erfasst, weist die Auswertung ein paar Lücken auf.

Sie haben die Jahre 2009 und 2010 ausgewertet. Wie sehen die Resultate aus?
Im Jahr 2010 druckten rund 60 Prozent der direkt von einer Stellungnahme betroffenen Redaktionen die Stellungnahme auch tatsächlich ab, und im Jahr 2009 waren es rund 30 Prozent – die Nichteintretensentscheide, worüber Medien verständlicherweise nur vereinzelt berichten, nicht eingerechnet.

Wie wollen Sie die Abdrucksquote steigern?
Wir können niemanden zur Publikation unserer Stellungnahmen zwingen. Wir können aber versuchen, die Redaktionen von der Grundidee zu überzeugen. Dazu arbeiten wir mit der Schweizer Chefredaktorenkonferenz und dem Verband Schweizer Medien zusammen und besuchen seit zwei Jahren regelmässig Redaktionen, um den Presserat vorzustellen. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.

2 Gedanken zu „„Unsere Ressourcen sind beschränkt“

  1. J. Skorup

    schön wenn sich die Veröffentlichungszahlen erhöht haben. von 30% auf 60% ist doch mal ein erfolgserlebnis. natürlich muss es das ziel sein 100 Prozent zu erreichen, doch ich denke in der momentanen Situation in der sich auch Zeitungsredaktionen befinden (wirtschaftlicher Druck) sind diese Zahlen nicht schlecht. Ich bin gespannt auf das kommende Jahr, ob dieser Trend gehalten werden kann. Wenn nicht, müsste man sich schon überlegen, ob es keine Instanz geben könnte, welche die Redaktionen zwingen kann die Mitteilungen des Presserats zu veröffentlichen.

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    1. Fabienne Huber

      Ich denke nicht, dass es etwas bringt, die Redaktionen zur Veröffentlichung zu zwingen. Viel eher fände ich es wichtig, dass die Stellungnahmen von den Redaktionen in einen Artikel eingebunden oder mit Kommentaren ergänzt werden, um die Aussagen einzuordnen und tiefgründiger zu erklären. Damit würde für den durchschnittlichen Zeitungsleser ein Mehrwert entstehen und die Stellungnahme attraktiver werden. Denn so, wie sie heute platziert werden, wirken sie eher wie ein trockener Gerichtsentscheid und nicht gerade leserfreundliche. Und wenn die Stellungnahmen nicht gelesen werden, bringt es auch nichts, sie abzudrucken.

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