WoZ: Kritik vor Selbstkritik

von Philippe Wenger

Die Wochenzeitung WoZ ist eines der wenigen Medien, die sich eine feste Rubrik für Medienjournalismus und Medienkritik leistet. Das „Medientagebuch“ entstand vor acht Jahren als Gefäss für Gastkritik an der damals neu gestalteten WoZ. Heute kritisiert die WoZ andere Medien.

„Kritisch gegenüber dem, was einem die Medien vorsetzen“ sollte man sein, sagt der stellvertretende Redaktionsleiter der Wochenzeitung (WOZ), Roman Schürmann. Für die „einzige unabhängige, überregionale linke Zeitung der Deutschschweiz“ bedeutet das, dass Medienjournalismus einen festen Platz im Blatt haben muss. Auf der letzten Seite – der „zweitprominentesten Stelle einer Zeitung“, so Schürmann – findet sich neben den satirischen WOZ-News und einer Illustration seit rund acht Jahren das „Medientagebuch“. Dieses behandelt diverse Medienthemen aus der Schweiz und dem Ausland, kommentiert konkrete Beispiele oder wagt distanziertere Blicke aus der Metaebene.

Steter Wandel
Die Kolumne, die rund einen Viertel der Seite füllt, hat sich mit der WOZ gewandelt. Entstanden ist das Format nach dem vorletzten Relaunch 2003, nachdem man während zweier Monate Aussenstehende eine Blattkritik veröffentlichen liess. „Die haben zum Teil recht hart kritisiert, aber auch gelobt“, fasst Schürmann die Erfahrungen dieser Tage zusammen. Nach dieser Zeit ging das Gefäss in das „Medientagebuch“ über, in das verschiedene Autoren (meist freie Mitarbeiter aus dem In- und Ausland und der Betreuer des Gefässes, Stefan Keller) die unterschiedlichsten Texte schrieben. Nach dem Relaunch im vergangenen Jahr fiel dem geneigten Leser schnell auf, dass nur noch der freischaffende Medienjournalist Nick Lüthi Medientagebuch schrieb. Das geschah, weil Keller sein Engagement bei der WOZ für ein halbes Jahr unterbrach und fiel nur zufälligerweise mit dem Relaunch zusammen.

Alles hat seine Grenzen
Nun übernimmt Keller das Medientagebuch wieder und es wird auch wieder wechselnde Autoren geben. Der organisatorische „Schritt zurück in die Redaktion“ stellt für Schürmann kein Problem in Sachen Unabhängigkeit dar: „Das Gefäss ist nicht für Kritik an der WOZ angelegt, aber ausschliessen würde ich diese auch nicht.“ Und Lüthi hatte auch nie die WOZ kritisiert, für diesen Zweck verwendet die Redaktion Korrigenda, Leserbriefe, Gegendarstellungen und die WOZ-News. Auf die Frage, ob auch eine SVP-Medienpolitikerin wie Natalie Rickli Tagebuch schreiben könnte, antwortet Schürmann: „Sie müsste gut begründen, wieso wir ihr eine Plattform geben sollten.“

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