„Wir informieren sachlich und zweckdienlich“

von Reto Beeler

Wie vor kurzem an dieser Stelle erklärt, kümmert sich der Publikumsrat der SRG.D um die Anliegen des Publikums. Trotzdem wissen längst nicht alle Radiohörerinnen und Fernsehzuschauer, dass es ein Gremium gibt, das ihre Anliegen gegenüber den Sendern vertritt. Medienkritik Schweiz befragte Manfred Pfiffner, Präsident des Publikumsrates SRG.D zu Medienpräsenz, Medienbeobachtung und mediale Aufmerksamkeit.

Medienkritik Schweiz: Ist es ein Anliegen des Publikumsrats in den Medien präsent zu sein?
Manfred Pfiffner: Selbstverständlich! In den Statuten der SRG.D steht unter den verschiedenen Aufgaben, die dem Publikumsrat anvertraut sind: »Der Publikumsrat informiert die Öffentlichkeit über seine Tätigkeit.« Somit ist der Rat verpflichtet, über seine Arbeit Bericht zu erstatten. Dies geschieht nach jeder Ratssitzung, also mindestens zehn Mal pro Jahr mittels einer Medienmitteilung. Wichtig ist, dass die Öffentlichkeit die Meinung des Publikumsrats erfahren kann. Deshalb werden die Medienmitteilungen auch auf der Homepage des Rats im Original veröffentlicht und in der Mitgliederzeitschrift des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften zusammengefasst publiziert.

Wie beobachten Sie die Berichterstattung über den Publikumsrat?
Ich habe mir bei Google einen Alert eingerichtet, bei dem ich automatisch benachrichtigt werde, wenn der Publikumsrat in den elektronischen Medien erwähnt wird. Zudem erhalten alle Ratsmitglieder wöchentlich einen von unserer Geschäftsstelle zusammengestellten Pressespiegel.

Ist es an den Sitzungen des Publikumsrats ein Thema, wie die Medien über ihr Gremium berichten?
Im Leitenden Ausschuss und im Plenum des Rats diskutieren wir ab und an die Berichterstattungen. Dies vor allem dann, wenn ein Bericht beispielsweise eine besondere Tragweite hatte oder die Medienmitteilung nicht sachgerecht wiedergegeben wurde. Als Ratspräsident informiere ich den Leitenden Ausschuss zudem regelmässig über Interviews, die ich bei verschiedensten Radiostationen gegeben habe.

Wieso denken sie, generiert der Publikumsrat nur so wenig öffentliche Aufmerksamkeit?
Bad news are good news! Journalistinnen und Journalisten handeln zu oft nach diesem Motto. Wenn wir seitens des Publikumsrats die Macherinnen und Macher von SF und SR DRS loben, wird diese Tatsache in den allerseltensten Fällen von den Medien aufgenommen. Oft wird aber die winzigste Kritik aus den Medienmitteilungen aufgebauscht und abgedruckt. Wenn der Publikumsrat eine Sendung beobachtet und sie zu 90% lobt, darf die Medienmitteilung selbstverständlich nicht in einem Missverhältnis von Lob und Tadel stehen. Es wäre ein Leichtes, nach jeder Ratssitzung in die Medien zu kommen! Wir könnten beispielsweise bei der Titelsetzung Details herausheben, die in der Plenumssitzung kritisiert wurden. Somit hätten wir wohl Aufmerksamkeit generiert, aber die Glaubwürdigkeit bei den Verantwortlichen von SRF in kürzester Zeit eingebüsst. Somit handeln wir beim Verfassen der Medienmitteilung verantwortungs- und vertrauensvoll.

Was bräuchte es um die Aufmerksamkeit der Medien zu steigern? Beispielsweise eine Weisungsbefugnis für den Publikumsrat?
Der Publikumsrat heischt nicht um Aufmerksamkeit in den Medien. Wir informieren sachlich und zweckdienlich. Vielmehr fordere ich die Journalisten und Journalistinnen auf, sich über die Arbeit des Publikumsrats zu informieren und die Medienmitteilungen auch bei Lob entsprechend zu würdigen. Eine Weisungsbefugnis steht überhaupt nicht zur Diskussion. Wir führen einen sehr intensiven Austausch mit den Macherinnen und Machern von SRF. Dieser Dialog ist konstruktiv und wird von beiden Seiten geschätzt. Unsere Anregungen werden von den Verantwortlichen oft aufgenommen und manchmal innert kurzer Zeit bereits umgesetzt.

Das Interview wurde per Mail geführt.

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