Experten im Glashaus

Von: Fabienne Huber
15. Juni 2011

Bei Medienthemen ist jeder Journalist ein Experte Was aber nicht heisst, dass deshalb die Medien voll wären mit medienkritischen Beiträgen und Kommentaren. Im Gegenteil.

Denn gerade weil Journalisten bei medienkritischen Themen über die Arbeit ihrer Berufskollegen urteilen, können diese Themen heikel sein. „Das Spezielle ist, dass sie die eigene Branche betreffen und möglicherweise die eigene Redaktion oder den Verlag tangieren“, sagt Martin Spieler: Diesbezüglich sei eine gewisse Vorsicht geboten. Dass das Phänomen der Nestbeschmutzung ein Problem darstellt, weiss auch Kurt-Emil Merki, zuständiger Redaktor für Medienthemen beim Sonntag: „Heikel sind Vorgänge, die das eigene Medienhaus betreffen. Da ist bei allen Blättern eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten.“ Dies mag mit ein Grund sein, wieso sich in den meisten Zeitungen verhältnismässig wenige medienkritische Kommentare finden lassen.

Gastkommentare als Ausweg
Das Problem der Nestbeschmutzung kann mit dem Einsatz von Gastkommentatoren umgangen werden. Diese Möglichkeit nutzt auch die Sonntagszeitung, wie Martin Spieler erklärt: „Bei medienkritischen Kommentaren ist die Sicht eines unabhängigen Betrachters oder Experten von aussen oft angebrachter und ausssagekräftiger, als wenn Journalisten in eigener Sache kommentieren.“

Einen weiteren Grund für mangelnde Medienkritik sieht Kurt-Emil Merki in der Entwicklung des Medienjournalismus in der Schweiz: „Da es ausser in der “NZZ” und im “Sonntag” kaum mehr regelmässig erscheinende Medienseiten gibt, gibt es zwangsläufig auch nicht mehr viele Kommentare zu Medienthemen.“ Seine Schlussfolgerung dazu ist ehrlich, aber hart: „Da es kaum mehr Journalisten gibt, die sich schwergewichtig mit dem Thema Medien beschäftigen, ist es vielleicht besser, dass nicht häufiger kommentiert wird …“

Tags: , , ,

Category: Aktuell | RSS 2.0 | Give a Comment | trackback

One Comments

Kommentieren

label for=/a