Ausbildung: Ein Thema am Rande

von Thomas Schlittler

Ohne Ausbildung keine Qualität. Wie bei jedem anderen Beruf gilt das auch für den Journalismus. Doch was die Ausbildung leisten soll, wie sie sich wandeln muss, darüber findet keine öffentliche Debatte statt. Selbst Fachmagazine behandeln das Thema steifmütterlich. Wieso eigentlich?

Dass in der «normalen» Tagespresse journalistische Ausbildung kaum angesprochen wird, ist wenig überraschend, beschäftigen sich die Massenmedien doch auch mit allgemeiner Medienkritik nur sporadisch. Eine Untersuchung des Medienmagazins «Klartext» (mittlerweile zusammengelegt mit «Edito» und unter dem Namen «Edito + Klartext» erhältlich) hat allerdings gezeigt, dass sich selbst Fachmedien nur stiefmütterlich mit dem Thema «Ausbildung von Journalisten» befassen. In den zwölf Klartext-Ausgaben aus den Jahren 2009/2010 wurde der Stoff nur elf Mal aufgegriffen. Und davon nur zwei Mal prominent. Der ehemalige Chefredaktor Nick Lüthi hat eine Erklärung für diese Vernachlässigung: «Bei Ausbildungsthemen bieten sich selten aktuelle Aufhänger an. Deshalb mussten wir uns jeweils etwas zwingen, das Thema aufzugreifen.» Des Weiteren sei das Thema schlicht nicht «sexy», da es oft um Konzepte, Lehrpläne und «akademisches Geplänkel» gehe.

Alternative Umsetzung
Ein Blick in die Inhaltsverzeichnisse von anderen Medienmagazinen wie dem «Schweizer Journalist» oder dem früheren «Edito» genügt, um festzustellen, dass die journalistische Ausbildung in der Vergangenheit auch in diesen Heften nur selten thematisiert wurde. Um diesen Missstand zu beheben, will Philipp Cueni, Chefredaktor des neuen «Edito + Klartext»-Magazins, das Thema neu umsetzen: «Über die Ausbildung zu schreiben ist das eine. Wir versuchen aber, Aspekte der Aus- und Weiterbildung konkret anzubieten.» Gemeint sind damit regelmässige «Wie hat er/sie es gemacht?»-Werkstattberichte. Zudem werde durch die regelmässige Thematisierung von Grenzfällen aus der medienethischen Praxis ebenfalls eine Art Weiterbildung angeboten.

Kein Ersatz
Dieser Ansatz ist sicherlich interessant und bietet dem Leser einen Mehrwert. Die klassische Berichterstattung über die journalistische Ausbildung kann dadurch aber wohl nicht ersetzt werden. Bei Ausbildungsthemen geht es um das Fundament des Journalismus und dieses bestimmt die Zukunft der Branche entscheidend mit. Besonders den Fachmedien sollte dieses Thema in Zukunft einige Zeilen mehr Wert sein – auch wenn man sich dazu zwingen muss.

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