„Ausbildung ist kein attraktives Thema“

von Sabrina Meier

Die journalistische Ausbildung wird selten bis nie öffentlich thematisiert, weder in Publikums- noch in Fachmedien. Das hat eine Untersuchung von Studierenden an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ergeben. Sylvia Egli von Matt, Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ, überrascht das nicht. Im Gespräch nennt sie die Gründe dafür und weshalb Ausbildung – trotz fehlender Publizität – wichtig ist.

Weshalb ist die journalistische Ausbildung so selten ein Thema in den Medien?
Sylvia Egli von Matt: Ich sehe verschiedene Gründe: Die Schweiz begann erst spät – 1974 – damit, Journalisten auszubilden. Es ist noch nicht in allen Köpfen der älteren Generationen angekommen, dass man sich journalistische Ausbildung holen kann – und sich diese auch holen sollte. Jene, die momentan noch an den Schalthebeln sitzen, haben oft keine eigentlich journalistische Ausbildung, sondern haben studiert und sind dann in den Journalismus eingestiegen. Diese Leute gehen fälschlicherweise noch immer davon aus, dass Journalist ein reiner Begabungsberuf ist. Was man nicht selbst gemacht hat, das steht auch weniger im Fokus. Wir merken das auch am MAZ: Chefredaktoren, die selbst eine journalistische Ausbildung gemacht haben, lassen ihr Journalisten selbstverständlicher ausbilden.

Warum legen selbst Medienmagazine den Finger meist nur auf journalistische Endprodukte und thematisieren die Journalisten-Ausbildung als präventive, qualitätssichernde Massnahme selten bis nie?
Ich kenne keine Antwort auf diese Frage, habe aber den Eindruck, dass für die Leute, die diese Medienmagazine machen, die Ausbildung der Journalisten schlicht und einfach kein attraktives, knackiges Thema ist.

Welche Kompetenzen sollten in der Ausbildung eines Journalisten vermittelt werden?
Da gibt es den europäischen Kompetenzraster die sogenannte Tartu Declaration.
Ich denke, dass es die Handwerks- und Sprachkompetenz – inklusive Multimedia – sind, die bei der Journalisten-Ausbildung im Zentrum stehen. Weiter sind die Reflexion über den eigenen Beruf und somit die Fragen «Was mache ich eigentlich in diesem Beruf?» und «Was will ich in diesem Beruf?» sehr wichtig.

Sie haben das Rollenverständnis der Journalisten angesprochen. Warum ist dieses so wichtig?
Ich als Journalist oder Journalistin muss wissen, welche Aufgabe ich gegenüber der Gesellschaft habe. Die ist eine andere, als wenn ich PR mache. Mein Auftrag ist es, der Leser- und Userschaft Hintergründe, Analyse, Information und Zusammenhänge bereit zu stellen, sodass sich diese ein eigenes politisches Bild machen können. Das Rollenbewusstsein trägt eindeutig zur präventiven Qualitätssicherung im Journalismus bei.

Ein Gedanke zu „„Ausbildung ist kein attraktives Thema“

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