Ein seltenes Exemplar

von Irina Fehlmann

Medienkritische TV-Sendungen sind eine Seltenheit. „Zapp“ vom Norddeutschen Rundfunk berichtet Woche für Woche über das Geschehen hinter den Kulissen der Redaktionen. Nicht nur für Medienschaffende ein wertvoller Beitrag zur Transparenz im Mediengeschäft.

In Deutschland gibt es etwas, was in der Schweiz fehlt. Nämlich ein medienkritisches Fernsehmagazin mit spannenden, kritischen aber auch unterhaltsamen Beiträgen. Wenn es darum geht, aufzudecken, was hinter verschlossenen Türen in Redaktionen oder Medienhäusern passiert, zu zeigen wo Journalisten an Grenzen stossen oder wo sie unsauber, aber auch wo sie besonders gut gearbeitet haben, da ist „Zapp“ zur Stelle, das Medienmagazin vom Norddeutschen Rundfunk NDR. „Zapp“ beobachtet, hinterfragt, erklärt und bewertet die aktuelle Medienberichterstattung. In verständlichen, gut dosierten Beitragshäppchen werden die Fernsehzuschauer über die komplexen Zusammenhänge innerhalb der Medienlandschaft informiert. Seit über neun Jahren gibt es diese preisgekrönte Sendung, die jeweils mittwochs von 23.20 Uhr bis 23.50 Uhr im NDR, ausgestrahlt wird.

Mutige Journalisten
Thematisiert werden etwa Dinge, wie die Überschreitung ethischer Grenzen in der Berichterstattung um Quoten oder Auflagen zu steigern oder mangelnde Recherche. Denn oft werden Informationen nicht mehr hinterfragt, es wird einfach abgeschrieben. Wie auf der Webseite von „Zapp“ zu lesen ist, ist es der Redaktion aber ebenso ein wichtiges Anliegen, von und über mutige Journalisten zu berichten, die trotz Risiken und Gefahren kritisch berichten. So zum Beispiel über Journalisten im Kriegsgebiet Misrata in Libyen. Sie setzten sich grossen Gefahren aus, um an Informationen zu gelangen und der Welt etwas über diesen Krieg mitzuteilen. Oder der russische Journalist Oleg Kaschin, der immer wieder kritisch über Russland berichtet und nach einem Attentat wochenlang im Koma lag.

Auch der Schweiz würde ein medienkritisches Magazin gut tun
„Zapp“ beschränkt sich nicht nur auf das Inland, auch über das Ausland wird berichtet, über Länder in denen zum Beispiel keine Pressefreiheit herrscht. Auch aus Schweizer Sicht ist „Zapp“ höchst sehens- und empfehlenswert. Es liegt in der Natur der Sache, dass es sich bei den meisten Beiträgen der Sendung um deutsche Themen handelt. Manchmal wird zwar ein gewisses Vorwissen bezüglich dieser Themen vorausgesetzt, aber da Herr und Frau Schweizer über Aktuelles in Deutschland und die deutsche Medienlandschaft meist gut Bescheid wissen, ist das halb so dramatisch, zumal sich viele der von „Zapp“ recherchierten Geschichten auch in der Schweiz abspielen könnten. Wahrscheinlich tun sie das auch, mit dem Unterschied, dass es hier kein medienkritisches Magazin gibt, welches diese Geschichten an die Öffentlichkeit bringt. Schade.

Auch eine Art Medienpädagogik
Ein Medienmagazin wie „Zapp“ zeigt den Zuschauern wie Stories entstehen und was sich im Hintergrund der Medienwelt abspielt. In diesem Sinne betreibt „Zapp“ eigentlich auch eine Art Medienpädagogik und die ist in der heutigen Zeit, wo wir alle immer und überall von Medien umgeben sind und sie in inflationärer Art und Weise konsumieren, nötiger denn je. Leider gibt es bis dato nichts Vergleichbares in der Schweiz. Immerhin will sich der „Club“ vom Schweizer Fernsehen künftig viermal pro Jahr mit Medienthemen befassen. Ob es dieses Format mit „Zapp“ aufnehmen kann, wird sich zeigen.

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