Unzählige Begriffe von einem Begriff

von Jessica Cunti

Medienwissenschaftler, Medienschaffende aber auch die Bevölkerung beschäftigen sich mit Medienkritik. Sehr selten wird jedoch vom selben gesprochen. Am Institut für Angewandte Wissenschaft IAM in Winterthur wird deshalb an einer Definition des Begriffs Medienkritik gearbeitet. Doch eine abschliessende Formel gibt es nicht und wird es auch nie geben.

Medienkritik. Ein einfacher Begriff, den jeder zu verstehen glaubt. Zumindest solange, bis nach der genauen Bedeutung gefragt wird. Vor allem im Alltag herrscht grosse Verwirrung darüber, was Medienkritik eigentlich ist. Vielfach wird darunter die persönliche meist wertende Äusserung über journalistische Produkte oder Medienunternehmen verstanden. Aber auch unter Medienschaffenden herrscht kein Konsens darüber, was der Begriff eigentlich bedeutet, sondern lediglich darüber, dass Medienkritik notwendig ist.

Kritik ist nicht nur negativ
Grundsätzlich kann jedoch davon ausgegangen werden, dass als Basis einer Definition die kritische Auseinandersetzung mit den Medien gelten kann. Wobei laut Michael Schanne, Kommunikations- und Mediensoziologe am Institut für Angewandte Medienwissenschaften (IAM) der ZHAW, eine gewisse Distanzierung vom Begriff notwendig sei, „Kritik“ beinhalte schliesslich eine negative Konnotation.

Ein Spezialfall des Medienjournalismus
Medienkritik umfasst jedoch nicht alles, was die Medien als Thema hat. Am IAM wird zwischen folgenden Begriffen unterschieden: Medienkritik und Medienjournalismus. Dieser bezeichnet alle jene journalistischen Formen, die sich unter anderem mit Medienjubiläen, öffentlichen Auftreten von Medienschaffenden beschäftigen oder deren Privatleben. Also eine Berichterstattung über Medien, so wie andere über, Politik, Wirschaft,Reisen oder Autos berichten. Ein Artikel, der sich mit der Schwangerschaft von Patrizia Laeri befasst, gehört also zum Medienjournalismus und nicht zur Medienkritik. Laut der Forschungsgruppe des IAM unter Leitung von Michael Schanne können jedoch durchaus auch Medienschaffende Gegenstand medienkritischer Beiträge sein, sofern deren journalistisches Schaffen im Vordergrund steht.

Blattkritik ist auch Medienkritik
Trotz der Abgrenzung vom Medienjournalismus umfasst Medienkritik immer noch eine grosse Bandbreite an Themen, die sie abdecken kann. Erfolgen muss sie durch Medienschaffende, doch kann dies unter anderem in der Form einer Blattkritik, von Artikeln, Sendungen oder weiterem geschehen. Zudem sollte sie nicht nur die Vorgänge in der Medienbranche und Arbeitsbedingungen der Journalisten thematisieren, sondern auch Verbesserungsvorschläge sowie die Wirkung der Medien auf Individuen und Gesellschaft ansprechen. Alle diese unterschiedlichen Anforderungen erschweren es, eine allgemeingültige Definition von Medienkritik zu formulieren. Notwendig ist sie, damit sowohl Wissenschaftler als auch Medienschaffende auch wirklich vom selben sprechen. Und in einem weiteren Schritt auch die Bevölkerung über die Wichtigkeit und die Bedeutung von Medienkritik informiert werden kann.

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