«Jeder Rappen zählt»: Wo bleibt die Kritik?

von Isabelle van Beek

Die Weihnachtsaktion der SRG und der Glückskette „Jeder Rappen zählt“ lockt jedes Jahr viele Kritiker auf den Plan. Ist es eine reine PR-Aktion der SRG oder ist es ein schöner Gedanke, mit dem viel Geld für einen guten Zweck zusammenkommt? Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Allerding fällt die Kritik dieses Jahr ziemlich spärlich aus: Die meisten Medien berichten über schöne Geschichten rund um die Aktion.

"Jeder Rappen zählt" in Luzern

„Jeder Rappen zählt“ in Luzern

Kurz vor Weihnachten war es wieder so weit: Die Menschen besinnen sich ihrer guten Seite und wollen andern etwas Gutes tun. Spendensammelorganisationen, Hilfswerke und andere NGOs haben im Dezember die schönste Zeit des Jahres und generieren haufenweise Umsatz. Es springen auch viele Organisationen auf den Spendenzug auf, die es sonst nicht tun würde. Eine dieser Organisationen ist die SRG. Mit der Aktion „Jeder Rappen zählt“ sammelt die SRG in Zusammenarbeit der renomierten  Hilfsorganisation Glückskette

dieses Jahr für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Müttern in Not.

Es ist nicht das erste Mal, dass die SRG diese Aktion kurz vor Weihnachten durchführt. Angefangen hat das Ganze 2009. Während einer Woche leben drei Moderatoren in einem „Glashaus“ und senden ein Radioprogramm. Das Fernsehen sendet Live-Bilder vom Geschehen. Zuhörer und Zuschauer können spenden, indem sie zum Beispiel SMS ins Glashaus senden, ein bestimmtes Lied wünschen oder durch „JRZ“ inspiriert selber eine Sammelaktion starten und das Geld zum „Glashaus“ bringen. Auf diese Weise sind letztes Jahr mehrere Millionen an Spendengeldern zusammengekommen.

Kritische Stimmen

„Eine schöne Idee“, denkt man sich. Klar, es ist immer schön, wenn Gelder für einen guten Zweck zusammengetragen werden. Allerdings hagelt es jedes Jahr auch haufenweise Kritik. Die SRG wolle nur Werbung in eigener Sache machen, lautet der Tenor der Kritikerstimmen.

In der Sonntgszeitung ist nach Abschluss der Aktion ein Artikel erschienen, indem Hilfswerke die Zusammenarbeit mit der SRG und die Kostentransparenz bemängeln.

Wenn das SRF schon so eine geballte Multimedia-Sendung veranstaltet, dann sollten die Hilfswerke künftig mehr Präsenz erhalten.

Dies sagt die Präsidentin des Rotkreuzrats, Annemarie Huber-Hotz zur Aktion.

Peter Aeschlimann kritisiert „Jeder Rappen zählt“ im „Tages-Anzeiger“. In einem sarkastischen Artikel zum Thema regt er sich über das

bizarre Theater, dass rund ums Spenden veranstaltet wird

auf und bezeichnet das Moderatoren-Trio als die

scheinheilige Dreifaltigkeit.

Philippe Wampfler ging vor Jahresfrist in seinem Blog sogar so weit, zu sagen, er finde die Aktion

die kapitalistische Inszenierung des Helfens zum Kotzen

Überwiegend positive Meldungen
Klar ist: Die Weihnachtsaktion der SRG polarisiert jedes Jahr aufs Neue. Allerdings haben sich die meisten Kritiker bis jetzt zurückgehalten. Wo bleibt die Medienkritik? In allen Zeitungen kann man lobende Geschichten lesen, die darüber berichten, wie einzelne Gruppen von Menschen Rappen zusammentragen. Die „Aargauer Zeitung“ berichtet von einem Team, dass Speisen und Getränke verkauft hat und nun in der Nacht nach Luzern laufen möchte, die „Berner Zeitung“ lobt Anna Rossinelli mit ihrer Band für den Auftritt als Strassenmusikerin in Luzern, „Die Südostschweiz“ erzählt von Ruedi Frehner, der von Chur aus fünf Marathons in Folge laufen will, bis er in Luzern ankommt und auch „20 Minuten Online“ kennt eine schöne Geschichte zum Thema.

Auf medienjournalistischen Seiten wie „Kleinreport“ und „Persönlich“, die eigentlich auch für potentielle Kritik an der Aktion zuständig wären, fallen die Berichte darüber eher neutral aus. Sie informieren einfach darüber, dass es wieder stattfindet. Eine interessante Kritik findet sich auf „youtube“ von Flurin Jecker. Er schaut die ganze Aktion sehr differenziert an. Er ist sich der vielen schlechten Kritik an „JRZ“ bewusst, findet es im grossen und Ganzen allerdings eine gute Idee. Er spricht aber auch noch die Mütter in der Schweiz an, die vielleicht nicht an Hunger leiden, aber die man auch nicht vergessen darf.

Es ist interessant, wie eine Aktion eines Medienunternehmens so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Alle berichten darüber, alle müssen noch einen Kommentar darüber abgeben. Welche Hintergedanken die SRG bei der Aktion auch immer hat: Es werden Spendengelder für einen guten Zweck generiert. Um diese Tatsache zu kritisieren braucht es viel Mut. Vielleicht haben sich die meisten deshalb dieses Jahr damit zurückgehalten oder vielleicht ist es bei der dritten Durchführung der Aktion einfach nicht mehr interessant genug.