Rappen zählen auf allen Kanälen

von Fabian Baumann

Alle Jahre wieder kommt das… nein, die Rede ist hier nicht vom Christkind. Alle Jahre wieder heisst es auf DRS3 für die Dauer einer Woche «Jeder Rappen Zählt» (JRZ). Die DRS3 Moderatorinnen Kathrin Hönegger und Anic Lautenschlager sowie Moderator Nick Hartmann sendeten vom 12. bis 17 Dezember aus einer Glasbox vor dem KKL in Luzern. Das Spendenspektakel stösst auch in diesem Jahr auf Kritik – aus berufenem Munde.

Die einen Radiohörer freuten sich und spendeten fleissig auf das Konto der «Glückskette» – dieses Jahr kamen über 6.2 Millionen Franken zusammen. Andere schalteten genervt das Radio aus oder wechselten für eine Woche den Sender. Denn der «Glashaus-Gang», wie sie Peter Aeschlimann im Tages-Anzeiger nannte, konnte man sich nur schwer entziehen. Das liegt an dem medienkonvergenten Feuerwerk, das die SRG SSR für JRZ steigen lässt. Neben der eigenen Website, werden auch Facebook, Twitter und YouTube intensiv genutzt. Und auch im Schweizer Fernsehen war JRZ präsent.

Klar ist, dass Spendenaktionen in den Medien keine neue Erfindung sind. So auch nicht JRZ, das auf dem niederländischen Sendekonzept «Serious Request» basiert. Die Spendenaktion des niederländischen Radiosenders 3FM wird dieses Jahr bereits zum achten Mal durchgeführt.  Im deutschen Sprachraum kennt man mediale Spendenaktionen jedoch eher aus dem deutschen Privatfernsehen, wo etwa Prominente bei «Wer wird Millionär» für einen guten Zweck um die Million spielen. Solche Medienformate dienen aber nicht nur dem guten Zweck. Viele Zuschauer bringen dem Sender eine gute Quote und die Prominenten sich selbst ins Gespräch. Auch DRS3 zieht einen konkreten Nutzen aus «Jeder Rappen Zählt», wie  Bettina Walch, Tagesverantwortliche bei DRS3 und Projektleiterin der JRZ-Ausgabe sagte. (Quelle: PDF Februar Newsletter des BCI)

Der hauptsächliche wichtigste Benefit war die Steigerung unserer Credibility. Dies bestätigt die Marktforschung. Auch der Marktanteil wuchs.

Natürlich ist JRZ nicht nur Werbung in eigener Sache für das Schweizer Radio DRS. Dies zu behaupten wäre zynisch und würde all jenen nicht gerecht, die Geld spenden. Doch muss die SRG das Format JRZ derart breit an allen medialen Fronten fahren? Genau dies wird auch von Schweizer Hilfswerken kritisiert, welche sich in der für sie wichtigen Vorweihnachtszeit mit einem gewichtigen Konkurrenten am Spendenmarkt konfrontiert sehen. So sagte der Leiter Kommunikation und Mittelbeschaffung bei «Pro Infirmis», Mark Zumbühl in einem Interview mit dem katholischen Wochenmagazin «Sonntag»:

Der Spendenmarkt ist ein Markt wie jeder andere auch. Wird die Konkurrenz grösser, müssen die Hilfswerke mehr Gelder in das Fundraising und die Administration investieren.

Kritisch äusserte sich auch die frühere Bundeskanzlerin und heutige Präsidentin des Rotkreuzrates, Annemarie Huber-Hotz. Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagte  Huber-Hotz:

Wenn SRF schon so eine geballte Multimedia-Sendung veranstaltet, dann sollten die Hilfswerke künftig mehr Präsenz erhalten.

Annemarie Huber-Hotz sagte zudem, dass die Hilfswerke zuwenig in die Aktion miteinbezogen würden. Ein Argument, dass die «Glückskette» nicht gelten lässt. «Das Schweizerische Rote Kreuz» (SRK) und alle weiteren Partnerhilfswerke der «Glückskette» seien mit einem Vertreter in die Medienkommission einbezogen. Dort werde das Thema diskutiert und dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vorgeschlagen. So sei auch die diesjährige Aktion laut «Glückskette» gemeinsam und in Absprache mit SRF koordiniert, wie «persoenlich.com» schreibt. Dennoch können die Hilfswerke mit der Publicity, die das SRF auf ihren Kanälen der eigenen Spendenaktion zukommen lässt, kaum mithalten. Interessanter weise sind vom SRF keine kritischen Töne bezüglich der eigenen Sendung zu hören. Die Tagesschau vom 12. Dezember unterstrich nur Positives.

Tagesschau vom 12.12.2011

Etwas mehr Kritikfähigkeit täte dem Sendeformat JRZ jedoch gut, wenn es seine Glaubwürdigkeit weiter behalten will. An dieser Stelle ist doch darauf hinzuweisen, dass die Stiftung «Glückskette» einst auf Initiative der SRG SSR gegründet wurde. Es ist somit kaum in Zufall, dass gerade dieses Hilfswerk mit der Spendenaktion bedacht wird.

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