BaZ: Überraschende Offenheit

von Annina Striebel

Heiner Hiltermann, ehemaliger Wirtschaftsredaktor bei der Basler Zeitung, gab seine Abschiedsvorstellung mit der Bekanntgabe seiner Kündigung in seinem Jahresvorschau-Kommentar im Wirtschaftsteil der Basler Zeitung. Seit wann zeigt sich die BaZ so liberal?

War es ein Schachzug von BaZ-Chefredaktor Markus Somm, jenen Artikel zuzulassen, in dem Wirtschaftsredaktor Heiner Hiltermann seine Kündigung bekanntgab? Wollte Somm damit Transparenz signalisieren und ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, die er verloren hatte, weil er sich nicht darum bemühte, Klarheit und Transparenz zu schaffen was die Besitzverhältnisse seiner Zeitung anging?

Das Trauerspiel um die ‚Basler Zeitung‘

nannte dies  einer der wohl bekanntesten Medienjournalisten, Rainer Stadler von der NZZ, in seinem Kommentar vom 13. Dezember.

Auch Heiner Hiltermann nahm in seinem Kommentar vom 2. Januar kein Blatt vor den Mund. Er spricht seinem ehemaligen Arbeitgeber nach wie vor die notwendige Transparenz ab.

Ich jedenfalls, des dauernden Versteckspiels und der zunehmend rechtskonservativen Berichterstattung überdrüssig, habe die Konsequenzen gezogen und meine Stelle gekündigt.

Anscheinend will Chefredaktor Markus Somm zeigen, dass er auch anders kann, indem er Hiltermanns Beitrag durchgewinkt hat.

Bis zum letzten Komma

habe er den Text abgesegnet, nachdem er ihn durchgelesen habe, sagte Somm gegenüber dem Blick im Artikel vom 3. Januar. Erst zwei Wochen zuvor, am 21. Dezember 2011 äusserte sich Somm noch so zur abgesagten Arena-Sendung der Schweizer Fernsehens:

Ich kann doch nicht vor einem Millionenpublikum mit ehemaligen Mitarbeitern über Interna der Basler Zeitung diskutieren, das geht nicht!

Damals befürchtete er, dass der ehemalige stellvertretende Chefredaktor der BaZ, Urs Buess – heute Co-Chefredaktor der TagesWoche – in der Sendung mit von der Partie sein würde.

Eine Handvoll Journalistinnen und Journalisten empfanden den BaZ-Beitrag als Kuriosum, welches der Weiterverbreitung würdig ist. Sogar im benachbarten Ausland fand Hiltermanns Kommentar Beachtung: Maike Schiller vom Hamburger Abendblatt bewunderte Heiner Hiltermanns Aktion in einem Kommentar am 7. Januar:

Herr Hiltermann hatte genug. Herr Hiltermann hat gehandelt. „Krisen sind Chancen“ war sein letzter Kommentar in der „Basler Zeitung“ überschrieben – er hat gekündigt. Und das im eigenen Blatt direkt öffentlich kundgetan, samt saftiger Begründung: „der zunehmend rechtskonservativen Berichterstattung“ seines Arbeitsgebers „überdrüssig“, das ist doch mal mutig.

Bleibt zu hoffen, dass nicht alle, die sich so offen kritisch äussern, weggehen, sondern dass ihre Kritik gehört und vielleicht als Anlass zu Veränderungen dient – insbesondere im Bezug auf die Meinungsfreiheit.

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