Kein Bla Bla im BlaABlog

von Corina Borer

In der Schweiz sind Medien-Watchblogs zwar sehr selten, doch gibt es immer wieder Versuche, solche in der Medienwelt zu integrieren. Ein Neuling unter den Watchblogs ist der BlaABlog. Dieser ging erst vor zwei Monaten online. Wie wichtig sind solche medienkritische Blogs für die Zukunft der Schweizer Medien?

Die Rolle eines Medien-Watchblogs wird in einem Forschungsbericht auf medien-perspektiven.de klar definiert: Sie seien der Fremdbeobachtung und kritischen Begleitung journalistisch produzierter Inhalte gewidmet und als Instrument zur Beobachtung des Journalismus im Sinne einer Kontrolle der Kontrolleure anzusehen. In einem Artikel auf zeit.de werden sie gar als «gesellschaftliches Desinfektionsmittel» deklariert.

Seit November 2011 werfen zwei Blogger mit dem BlaABlog ein medienkritisches Auge auf die Gratiszeitung Blick am Abend und bewerten deren Inhalt mit Witz und Ironie. In den ersten zwei Monaten konnte der Blog schon über 15‘000 Hits verzeichnen. Die beiden Autoren schreiben unter den Pseudonymen Franky Armee und Mad Crawler, welche Anagramme für Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer und Ringier-CEO Marc Walder sind.

Wir lieben Schweizer Journalismus. Ganz besonders lieben wir den Blick am Abend. Gut gelungene Artikel und spannende Themen besprechen wir hier im BlaABlog,

so die Beschreibung des Blogs auf der Webseite. Obwohl die Autoren sich selbst und vor allem den Blick am Abend nicht ganz so ernst zu nehmen scheinen, kommt bei den Blogeinträgen viel Kritik am Gratisblatt hervor. So haben die beiden Blogger etwa einige Fälle aufgezeigt, bei denen Blick am Abend von anderen Medien abgeschrieben hat. Zwei Blogeinträge beschäftigen sich zudem mit der Rubrik «Glogger mailt». Nach Recherchen von Franky Armee versendet Glogger seine Mails gar nicht an die Adressaten, obwohl Blick am Abend dies glauben machen will beziehungsweise keine Schritte unternimmt, um diese Tatsache klarzustellen.

Ernster als zugegeben

Medienkritik oder doch eher Unterhaltung? Auf die Frage, was sie mit dem Blog bezwecken wollen, schreibt Franky Armee auf Anfrage:

Wir wollen die Leute zum Lächeln bringen. Im Idealfall. Indem wir über unsere Lieblingslektüre, den Blick am Abend, schreiben. Das Lächeln kann alles sein – ein zynisches, ein wölfisches, ein schadenfrohes, ein glückliches, ein nachdenkliches.

Dennoch entsteht beim Lesen der Eindruck, dass die Beiträge ernster gemeint sind, als die beiden Autoren zugeben wollen. Auf die Frage, wie es seiner Meinung nach um die Qualität des Schweizer Journalismus steht, übt Franky Armee auch Kritik an anderen Medien:

Es ist sehr vieles sehr viel schlechter geworden in den vergangenen 15 Jahren. Die Artikel sind nicht selbst recherchiert, überhaupt nicht recherchiert, nur noch abgeschrieben und vor allem: Allgemein boulevardisiert. 20minuten ist ja nichts anderes als ein Blick in anderem Layout; so etwas Seichtes wie 10vor10 in seiner heutigen Form – von Glanz&Gloria wollen wir mal gar nicht sprechen – wäre früher niemals durchgegangen auf dem angeblich dem Service Public verpflichteten Sender.

Der BlaABlog ist sehr unterhaltsam und kompetent geschrieben. Warum aber das Versteckspiel um die Identität der beiden Autoren?

Wir haben die üblichen Gründe, unter einem Pseudonym zu schreiben. Nicht, dass wir uns mit Clive Hamilton, Acton Bell oder Raoul Duke vergleichen möchten; es ist aber sicher besser für alle Beteiligten, wenn niemand weiss, wer wir wirklich sind,

schreibt Franky Armee. Das wiederum lässt die Frage aufkommen, ob die beiden vielleicht selbst im Journalismus tätig sind und deshalb ihre Identität geheim halten wollen.

Wenig Beachtung

Nebst dem BlaABlog gab und gibt es in der Schweiz noch weitere Watchblogs: Medienspiegel.ch ist der wohl bekannteste und professionellste medienkritische Blog in der Schweiz. Martin Hitz und andere Journalisten schreiben darin über Trends und Entwicklungen in der Schweizer Medienwelt und nehmen diverse Medien und einzelne Artikel kritisch unter die Lupe. Leider haben sich solche Medien-Watchblogs in der Schweiz noch nicht richtig etablieren können. Zudem wird der Medienspiegel wohl vorwiegend von Medienschaffenden selbst gelesen.

In Deutschland sieht die Situation etwas anders aus. Dort ist beispielsweise bildblog.de fest als medienkritische Instanz akzeptiert. Der Bildblog bezeichnet sich selbst als «unabhängiges, journalistisches Internetangebot, dass sich seit Juni 2004 kritisch mit der deutschsprachigen Presselandschaft auseinandersetzt». Seit 2009 übt der Bildblog auch Kritik an anderen Medien und nennt sich nun Bildblog – Für alle. Auch Schweizer Medien bekommen dort ihr Fett weg. In einem Artikel enerviert sich der Bildblog über den Nacktbilder-Jahresrücklick von blick.ch. Laut Wikipedia hat die Seite des Blogs jeden Monat über eine Million Besucher.

Es braucht mehr

Ein Versuch aus der Schweiz, es dem Bildblog gleich zu tun, ist leider nach einiger Zeit gescheitert: Von Anfang 2005 bis Ende 2006 beschäftigte sich der Pendlerblog kritisch mit der Gratiszeitung 20 Minuten und gewann mit seinen pointierten und unterhaltsamen Beiträgen im Mai 2006 den «Swiss Blog Award» in der Kategorie «Rookie» (Neuling). Im Dezember 2006 wurde der Pendlerblog von seinen Betreibern eingestellt. Warum der Blog stillgelegt wurde, ist nicht klar ersichtlich. Vermutlich wurde den Autoren der Aufwand zu gross. Wie beim BlaABlog schrieben auch sie den Pendlerblog unter Pseudonymen.

Watchblogs scheinen in der Schweiz noch in den Kinderschuhen zu stecken, dennoch stellen sie einen wichtigen Schritt für die medienkritische Szene dar. Allerdings glaubt Franky Armee vom BlaABlog nicht, dass medienkritische Blogs in der Schweiz so einflussreich werden wie in den USA, es aber wohl ein medienkritisches Publikum gibt, welches sich gerne mit den unterschiedlichsten Medienthemen auseinandersetzt. Watchblogs – ob nun von Journalisten geschrieben oder von den Rezipienten selbst – könnten also künftig durchaus eine noch wichtigere Form der Medienkritik darstellen. Dafür müsste die Szene hierzulande aber noch mächtig wachsen und vor allem viel mehr Beachtung finden.

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