Miriam Meckel, die moderne Medienexpertin

von Reto Stauffacher

Miriam Meckel ist bereits im Alter von 44 Jahren eine der renommiertesten und bekanntesten Medienexpertinnen im deutschsprachigen Raum. Die Professorin und Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen schreibt Bücher, Tweets und Essays und macht immer wieder mit medienkritischen Aussagen auf sich aufmerksam.

Die Medienexperin Miriam Meckel.

Die Medienexpertin Miriam Meckel.

Miriam Meckel? Ich krame in meinen Erinnerungen… Ich habe schon einige Male gelesen, dass sie die Lebenspartnerin ist von Anne Will, der bekannten deutschen Fernseh-Journalistin. Zudem leitet sie einen Lehrstuhl an der Universität St. Gallen. Aber sonst? Ich beginne meine Internet-Recherche und stosse alsbald auf einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 16. März 2010. Darin wird gerade ihr zweiter Literatur-Bestseller besprochen – es ist ein Erfahrungsbericht, der ihre Burnout-Erkrankung thematisiert unter dem Titel „Brief an mein Leben – Erfahrungen mit einem Burnout“. Zu Beginn des Artikels wird der imposante Lebenslauf der Autorin ansehnlich ausgebreitet:

„Miriam Meckel, 44 Jahre alt, hat vieles erreicht – und zwar rasend schnell. Nach dem Publizistikstudium arbeitet sie als Moderatorin und Reporterin bei RTL und WDR. 1999 bekommt Meckel einen Lehrstuhl für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster. Sie gilt in dieser Zeit als jüngste Lehrstuhlinhaberin Deutschlands. Im Frühjahr 2001 wird sie Regierungssprecherin von Nordrhein-Westfalen. Einige jahre später wird sie vom damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück zur Staatssekretärin für Europa, Internationales und Medien befördert. 2005 folgt die Tochter eines Theologen dem Ruf als Professorin und Direktorin an das Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen. Von ihrem Zweitbüro in Berlin aus arbeitet sie zudem bis heute für die PR-Beratung Brunswick, die international Investoren hilft.“

Dann war Meckel im Jahr 2007 – wie schon eingangs erwähnt – an Burnout erkrankt. Sie, die „Karriere-Frau“, nahm eine Auszeit, liess sich therapieren und kehrte erholt wieder in die Arbeitswelt zurück. Sie veröffentlicht seither weiterhin Fachartikel und schreibt Essays für die Presse, hält auf der ganzen Welt Vorträge, ist willkommener Gast an Universitäten und auf Podien und sie tritt als Expertin im Fernsehen auf. Sie schreibt Bücher, pflegt einen Blog und ein Facebook-Profil und sie twittert intensiv. Nur ihre politische Talkshow „Miriam Meckel Standpunkte“ auf dem Nachrichtensender n-tv hat sie Mitte 2007 nach etwas mehr als einem Jahr aufgegeben.

Die preussische Erziehung, die ich mitbekommen habe, lässt uns glauben, es müsse immer alles möglich sein, wir müssten immer funktionieren. Aber Menschen funktionieren nicht. Sie leben. – Miriam Meckel

Doch Meckel hat nicht nur eine verblüffende Karriere hingelegt, sie hat sich auch als Medienkritikerin einen Namen gemacht. Sie ist zum Beispiel sehr skeptisch gegenüber sozialen Medien wie Facebook eingestellt, gab sie in einem Interview mit ZEIT Campus zu. Sie wolle nicht das ganze Privatleben mit allen Freunden teilen: „Ich finde Mark Zuckerbergs Vorstellung von Identität problematisch. Er sagt: Having more than one identity is a lack of integrity‘. Da kann ich nur sagen, hallo, was soll das denn? Integrität heißt für mich nicht, lediglich eine Identität zu haben, sondern mit den verschiedenen Identitäten, die man als Mensch hat, umgehen zu können.“

Ein anderes Anliegen, das ihr am Herzen liegt, hat sie in ihrem neusten Buch „Next. Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns“ aus dem Jahr 2011 beschrieben. Darin geht es in fiktionalisierter Form um die Frage, wie das personalisierte Internet der Algorithmen unser Denken und Handeln verändert. „Wenn Algorithmen ein Buch empfehlen, ist das nicht weiter schlimm“, sagt Meckel. „Problematisch wird es, wenn sie Informationen filtern und uns dadurch ein Weltbild vorsetzen, das nur auf unseren bisher geäusserten Interessen beruht. Das wird dann sehr schnell sehr einseitig.“

Ich sauge alles in mich ein. Ich lese immer und überall, sogar in der Warteschlange an der Kasse. – Miriam Meckel

Auf der Kurznachrichten-Plattform Twitter schliesslich betreibt sie auf ihrem Account immer mal wieder aktuelle Medienkritik. Im vergangenen September schaffte sie es so sogar auf die Titelseite der BILD-Zeitung, weil sie zum Start der neuen Talksendung von Günther Jauch bei der ARD ein paar zynische Kommentare verfasst hatte (siehe die Screenshots unten). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) fragte dazu: „Ist es unparteiische Medienkritik, wenn sich Meckel ironisch über die Talk-Premiere von Jauch äussert? Oder wurmt es sie noch, dass ihre Lebensgefährtin (Anne Will) dafür unsanft von ihrem Sendeplatz verdrängt wurde?“

Fazit: Miriam Meckel ist eine Person, die etwas zu sagen hat. Im Leitfaden-Gespräch, das ich mit ihr im Rahmen meiner Semesterarbeit führen möchte, will ich mit ihr über Medienkritik sprechen, aber auch über ihre eigenen Publikationen und Vorstellungen. Wie sieht sie den Zustand der Medienkritik in der Schweiz? Wie erlebt sie die Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland? Was unterscheidet gute Medienkritik von schlechter? Und wie entscheidet sie, wann sie selbst medienkritisch wird?

Ich freue mich auf das Gespräch.

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