Radio 24: Schawinski gibt sich nicht geschlagen

von Nina Ladina Kurz

Es war ein kraftvolles Ringen zwischen einem Zürcher Radio-Pionier und einem Aargauer Medienunternehmer. Wer aber dachte, der Kampf sei mit dem Verkauf von Radio 24 in den Aargau vorbei, hat sich getäuscht. Roger Schawinski holt zum Gegenschlag gegen Peter Wanner aus – und sieht sich bereits jetzt als Sieger.

Am 12. Dezember 2012 wurde es öffentlich: Der Aargauer Medienunternehmer Peter Wanner übernimmt von Tamedia den Zürcher Lokalsender Radio 24. Bis zu diesem Zeitpunkt schwirrten viele Gerüchte über mögliche Käufer durch die Medienlandschaft. Genannt wurden immer wieder die Schwergewichte Peter Wanner und Roger Schawinski. Spekuliert wurde in einem Artikel der Handelszeitung auch über die Gewerkschaft Unia, den Casinokonzern Escor von Wirtschaftsanwahlt Martin Wagner oder über Unternehmen aus dem Umfeld der SVP  interessierte Käufer.

Machtballung im Aargau

Das Rennen gemacht hat schliesslich Wanners BT (Badener-Tagblatt) Holding AG, welche bereits Radio Argovia sowie 80 Prozent an der AZ Medien AG besitzt. Wanner hatte bereits im August 2011 von Tamedia die beiden Regionalsender Tele Züri und Tele Bärn gekauft. Ebenfalls ihm gehören Radio Argovia, Radio 32 und Tele M1. Mit Radio Argovia und Radio 24 entsteht neu der führende Schweizer Privatradio-Verbund mit Sendegebieten in den Kantonen Zürich, Aargau, Solothurn und Glarus. Als Gegenleistung überliess der Verbund AZ Medien der «Berner Zeitung» (Tamedia) das «Langenthaler Tagblatt».

Mit dem Kauf von Radio 24 muss Wanner seine Mehrheitsbeteiligung am  Solothurner Radio 32 abstossen, da er im Aargau bereits die Station Argovia kontrolliert. Gemäss des Schweizerischen Radio- und Fernsehgesetzes darf eine Firmengruppe nur je zwei Lokalradio- und Fernsehkonzessionen mehrheitlich besitzen. Wanner hält derzeit 61,3 Prozent an Radio 32, möchte aber eine Minderheitsbeteiligung beibehalten.

Positive Medienresonanz

Die Resonanz in den Medien fällt positiv aus. Die Neue Zürcher Zeitung titelte Wanner in der Ausgabe vom 13. Dezember 2011 gar als „Mister Lokalfunk“. Bei 20 Minuten Online – ebenfalls ein Produkt des Tamedia-Verlages – fragt man pointiert:

Heisst der Radio-24-Slogan bald „Das isch de Aargau“?

Die Reaktionen aus dem Verband Schweizer Privatradios (VSP) und den bsw leading swiss agencies (bsw) zum Verkauf von Radio 24 an Wanners BT (Badener-Tagblatt) Holding AG fallen ebenfalls positiv aus. VSP-Präsident Jürg Bachmann gibt gegenüber dem Klein Report zu Protokoll:

Der Verkauf an die AZ Medien ist ein gutes Zeichen für die Privatradiolandschaft. Radio 24 wird dadurch durch ein Unternehmen weitergeführt, das sich für die privaten elektronischen Medien einsetzt und an einer starken Branche interessiert ist.

Peter Leutenegger, Geschäftsführer des bsw, befürwortet die Konzentration verschiedener Lokalsender unter einem Dach:

Nur starke Medien mit inhaltlich attraktivem Angebot sind fähig, das für die Werbebranche notwendige Umfeld für impact-starke Kampagnen zu bieten. In einem kleinen Markt wie der Schweiz ist deshalb eine gewisse Konzentration auch ein Vorteil.

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) begrüsst in einer Medienmitteilung ebenfalls den Verkauf, spricht für die Zukunft aber auch eine Bitte aus:

Das SSM hofft, dass die publizistische Vielfalt dieser Radio- und Fernsehsender erhalten bleibt

Schawinski holt zum Gegenschlag aus

Radio-24-Gründer Roger Schawinski, der seinen Sender einst Tamedia verkauft hatte und ihn nun zurückkaufen wollte, zeigte sich in einem Interview für Schweiz Aktuell vom 12. Dezember 2011 hingegen enttäuscht, dass es zu einem Deal zwischen zwei Verlagen gekommen ist:

Man hätte etwas gegen die Medienkonzentration tun können, die immer ein grösseres Ärgernis wird.

Peter Wanner kontert noch in der gleichen Sendung:

Vielleicht ist es für Roger Schawinski eine verpasste Chance aber für den Raum Zürich ist es sogar eine Stärkung der Medienvielfalt.

Liegt Schawinski die Medienvielfalt derart am Herzen oder ist der Zürcher einfach ein schlechter Verlierer? Nach Bekanntgabe des Deals legte der Radiopioneer bei der Wettbewerbskommission Einspruch ein. Demnach soll der Verkauf von Radio 24 an Wanner erst nach dem Vorliegen einer rechtsgültigen Radiokonzession im Kanton Aargau bewilligt werden. Der Ausgang dieses Verfahren könnte – sofern die Konzession nicht bewilligt wird – für den Radio-24-Gründer einem Sieg gleich kommen.

2008 trat Schawinksi mit seiner neu gegründetet Radio AG gegen Wanners Radio Argovia im Streit um die Aargauer-Konzession an – und unterlag. Er legte beim Bundesverwaltungsgericht Rekurs ein unter der Begründung, der wichtige Aspekt der Medienkonzentration, der in der Bundesverfassung geregelt ist, sei völlig unbeachtet geblieben. Ein Etappensieg feierte der Zürcher im Dezember 2009: Das Bundesverwaltungsgericht gab der Beschwerde Recht und so muss das das Eidgenössische Departement für Umwelt-, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Lage neu beurteilen.

Die Chancen stehen nicht schlecht, könnte doch die früherige Argumentation von Wanner zum gefährlichen Bumerang werden. Der Aargauer hatte immer wieder argumentiert, dass Zürcher Sender stark in den Aargau einstrahlen – an erster Stelle der Marktführer Radio 24 – und so von keiner Monopolstellung im Aargau gesprochen werden kann. Mit seinem Kauf von Radio 24 hat sich Blatt geändert. Kontrahent Schawinski ist sich in einem Interview mit persönlich.com sicher:

Die Weko wird ihren Bericht wohl in den nächsten Wochen vorlegen, und die jüngste Entwicklung bei Radio 24 und Tele Züri mit Sicherheit berücksichtigen.

Noch ungeklärt ist, was mit Radio 24 passiert, falls der sich nun in Aargauer Händen befindende Sender keine Konzession mehr erhält. Der Gründer von Tele Züri und Radio 24 erhielt vor rund zehn Jahren für seine Sender für den Doppel-Verkauf an Tamedia rund 90 Millionen Franken. Gerüchte besagen, Wanner hätte in diesem Jahr rund 30 Millionen Franken allein für den Sender Radio 24 bezahlt. Das sei absolut überzahlt, wie Schawinski im selbigen findet:

Unter dem Strich und den geänderten Bedingungen hat die Tamedia mit dem doppelten Verkauf an Peter Wanner mehr kassiert als ich damals, weil Peter Wanner unter Ausblendung aller ökonomischen Vernunft massiv überzahlt hat.

Im TalkTäglich vom 21. Dezember 2011 bei Tele Züri bestreitet Wanner, ein Monopolist zu sein, im Internetzeitalter habe sich diese Monopolstellungen verflüchtigt. Und von einer Zuschauer auf den Verkaufspreis angesprochen, schweigt sich Wanner aus. Falls Radio 24 nun bei der Konzessionsvergabe das Nachsehen hat, stellt sich die Frage, in welchen Händen der Sender bleibt oder landet – und zu welchem Preis.

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