Roger Schawinski polarisiert wie eh und je

von Dominic Wuillemin

Man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Roger Schawinski spaltet die Meinungen der Öffentlichkeit. Daran hat auch seine Talksendung nichts geändert. Im Gegenteil. Ein Überblick.

Bald ist es ein halbes Jahr her, seit die mit viel Spannung erwartete erste Folge der Talk-Sendung „Schawinski“ über den Bildschirm flimmerte. Das Medienecho nach der Premiereausstrahlung war gross und ebenso die Vielfalt der Kritik. Die Aargauer Zeitung befand, dass vor allem der Moderator selber im Mittelpunkt stand. Die Neue Zürcher Zeitung hingegen bemängelte beim Interviewer ein horrendes Gesprächtempo, sah aber auch einige Ansätze für ein attraktives Format.

„Kurzum: Verbesserungspotential vorhanden“

resümierte die Journalistin und Buchautorin Esther Girsberger. Sie kritisierte unter anderem die Sprunghaftigkeit der Fragenstellungen und den fehlenden Tiefgang im Gespräch. Patrick Müller, Chefredaktor des „Sonntag“, tadelte zwar die Auswahl des Gastes, zog ansonsten aber ein positives Fazit:

Ich finds gut, dass das SF nun einen richtig schnellen, kontroversen und relevanten Talk im Programm hat.

Als Reaktion auf die ersten Kritiken nahm Schawinski zwar kleinere Anpassungen vor. So gab er seinen Gästen mehr Zeit zum Beantworten der Fragen. Summa summarum blieb er sich aber treu.

Nach drei Folgen zog der Publikumsrat ein erstes Fazit. Das Organ, das die Programmarbeiten von Schweizer Radio und Fernsehen SRF begleitet, schlug durchaus kritische Töne an. Roger Schawinski lasse seine Gäste kaum aussprechen und behalte stets die Überhand, wodurch zwar viele Themen angeschnitten, aber nicht vertieft werden.

„Gewünscht wird, dass sich Schawinski künftig stärker zurückhält und seinen Gästen mehr Raum gewährt.“

Leserbrief in der Berner Zeitung vom 26. Oktober 2011.

Ein erstaunliches Resümee, war doch von vornherein bekannt, wie der 66-jährige Talkmaster seine Gespräche zu führen pflegt. Die institutionsinterne Kritik veranlasste den Tagesanzeiger gar zur Aussage, dass die Zuschauer, anders als früher, heutzutage einen gemässigten Umgang mit den Gästen wünschen. Eine mehr als fragwürdige Einschätzung.

Für viel Aufsehen sorgte die zehnte Folge der Sendung. Gast war am 24. Oktober 2011 SVP-Nationalrat und Scharfmacher Christopf Mörgeli. Schawinski ging mit dem Zürcher Hardliner wenig zimperlich um und konfrontierte ihn mit Angelegenheiten aus dem Privatleben. Der Moderator fragte nach der Einnahme von Medikamenten, nach Problemen beim Wasserlösen und sprach Mörgeli auf die Nichtberücksichtigung bei der Besetzung einer Professur an. Damit stiess er viele Zuschauer vor den Kopf.

Bei der Ombudsstelle des SRF gingen daraufhin drei Beanstandungen ein. In der Folge musste SF-Chefredaktor Diego Yanez Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Er kam zum Schluss:

„Der „Schawinski“-Talk mit dem mediengewandten Christoph Mörgeli war kritisch und hart, wie das im Konzept der Sendung vorgesehen ist. Er war aber nicht unfair.“

Dasselbe Fazit zog Ombudsmann Achille Casanova, der schliesslich die Beanstandungen als unberechtigt beurteilte.

Die Marktanteile der ersten zwölf Folgen von „Schawinski“. Bild: persoenlich.com

Die Sendung mit Mörgeli sorgte nicht nur für viel Zündstoff, sie hatte mit 23,6 Prozent auch den höchsten Marktanteil (Stand. 8. November 2011). Fakt ist, die Marktanteile sind stark abhängig von den jeweiligen Gästen. Die SVP-Exponenten Brunner, Mörgeli und Spuhler sorgten für hohe Anteile. Jean Ziegler und SP-Neunationalrat Cédric Wermuth hingegen kamen nicht über die 14-Prozent-Marke hinweg.

Manche Journalisten nahmen diese Tatsache als Anlass zur Kritik. Nach dem Motto: Ein gutes Format wird immer geschaut, egal wer zu Gast ist. Dies greift jedoch zu kurz. Es erscheint logisch, setzten kontroverse, profilierte und bekannte Persönlichkeiten mehr Reizpunkte beim Publikum. Obwohl keine aktuellen Zahlen vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass das Gespräch mit Christoph Blocher vom 19. Dezember oder der Talk mit Roger Köppel zur Hildebrand-Affäre für hohe Marktanteile sorgten.

Mittlerweile wurden über 20 Folgen von „Schawinski“ ausgestrahlt. Das 66-jährige Medienurgestein polarisiert wie eh und je. Die immer gleiche Kritik am Verhalten des Moderators ist jedoch ermüdend. Denn Schawinski setzt ein Kontrast zu den üblichen SF-Talksendungen. Er fordert seinen Gästen alles ab und läst sie nicht ihr gewohntes Programm abspulen.

Geht es nach Schawinski, wird seine gleichnamige Show früher oder später zu einer „Must-see-Sendung“. Ob ihm das gelingt, bleibt abzuwarten. Sicher ist, es werden in Zukunft noch viele prominente Persönlichkeiten als Gast von Schawinski ins Schwitzen geraten.

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