SF: Vorerst kein Medien-«Club»

von Philippe Neidhart

Das Schweizer Fernsehen berichtet nur dann über Medien, wenn die Aktualität es gebietet. Eine kontinuierliche Medienberichterstattung und -beobachtung, etwa in Form einer medienkritischen Sendung, fehlt aber. Das war aber nicht immer so.

Am Swiss Media Forum 2011 im Mai des letzten Jahres sprach sich Generaldirektor der SRG, Roger De Weck, dafür aus, dass im Schweizer Fernsehen vermehrt Medienkritik geübt werden sollte. Auf eine Frage von Verleger Urs Gossweiler, weshalb die Diskussion über die Beziehung zwischen öffentlichen und privaten Medien nicht im Fernsehen geführt wird, antwortete De Weck:

Wir wollen in der Tat da und dort in den bestehenden Gefässen medienkritische Sendungen verstärken.

Roger De Weck am Swiss Media Forum (Frage und Antwort ab der 32. Minute)

Wie persoenlich.com berichtete, gab das Schweizer Fernsehen kurz darauf bekannt, dass im «Club» in Zukunft vier Mal im Jahr die Medien thematisiert würden. Wenig später erschien bei der Weltwoche ein Artikel, in welchem «Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller als Co-Moderator gehandelt wurde. Das Vorhaben wurde jedoch auf Eis gelegt, als es zu einem Personalwechsel im „Club“ kam. Momentan besteht das Team noch aus der Redaktionsleiterin Karin Frei und Moderatorin Mona Vetsch. Diese scheinen bis anhin kein Interesse daran zu zeigen, medienkritische Inhalte zu diskutieren.

Im SF-Medienportal steht bei der Beschreibung des Sendegefässes, dass der Club auch das Thema «Medien» behandle. Bei einer Analyse aller Themen von Sendungen aus dem Jahr 2011 fiel jedoch auf, dass sich nur gerade ein Club mit einer medialen Problematik beschäftigte. Eine solche Aversion gegen Selbstkritik war allerdings nicht immer so. Noch in den 80er-Jahren gehörte die Sendung «Medienkritik» zum festen Bestandteil des «Zischtigsclubs». Moderiert wurde diese von Ueli Heiniger und André Picard. Betrachtet man die Liste der «Best Of’s» des Clubs, fällt die hohe Anzahl an medienkritischen Sendungen der 80er und 90er sofort ins Auge. Themen wie «Sonntagszeitungen im Kampf um Leser und Inserenten» finden heute keinen Eingang mehr in das Format. Hier stellt sich die Frage, ob dies am nicht vorhandenen Interesse des Publikums an Medienthemen liegt.

Schon beim Zischtigsclub engagierte sich Viktor Giaccobo als satirischer Medienkritiker – mittlerweile ist seine Satiresendung Giacobbo/Müller zum letzten Hafen für allfällige medienkrtitische Inhalte beim Schweizer Fernsehen geworden. Eine Ausnahme, welche die Regel bestätigt, ist der Club über die Affäre Hildebrand. Anders verhält es sich ganz im Gegensatz dazu beim Radio DRS. Dort scheint es keinen Skandal oder satirische Aufbereitung zu brauchen, um medienkritische Themen anzusprechen. Ein gutes Beispiel hierfür bietet die Sendung Kontext zum Thema «Medienkritik in der Schweiz – ein Mauerblümchen» auf DRS 2.

Ist es legitim, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wie das SF nahezu auf ernsthafte Selbstkritik verzichtet? Immerhin steht im Auftrag der SRG SSR explizit, dass sie sich von kommerziellen Angeboten unterscheiden, da die SRG:

[…] nicht das Streben nach Quote, sondern die Qualität, Glaubwürdigkeit und Relevanz in den Vordergrund stellt.

Um glaubwürdig zu sein und dem Qualitätsanspruch zu genügen, ist es jedoch dringend nötig, Transparenz zu zeigen und öffentlich Selbstkritik zu üben. In jüngster Vergangenheit war dies beim Schweizer Fernsehen leider nicht mehr der Fall — mit einer Ausnahme: inen ernsthaften Versuch, eine medienkritische Sendung zu lancieren, stellte die geplante Arena zum Thema «Medienvielfalt» Ende Dezember des vergangenen Jahres dar. Als Gast war unter anderem BaZ-Chefredaktor Markus Somm vorgesehen. Da dieser seine Teilnahme an diverse Bedingungen knüpfte, welche die Redaktion (zurecht) nicht erfüllen wollte, wurde die Sendung fallen gelassen. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass gerade das Thema der Beziehung zwischen privaten und öffentlichen Medien sicher zur Sprache gekommen wäre.

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