Umstrittene Ausbildung: Journalismus-Studium

von Sibyl Aline Heissenbüttel

Ein Studium in Journalismus brauche es nicht. Schreiben lerne man „on the job“, so lautet der häufige Tenor auf Redaktionen. Es erhöhe die Qualität im Journalismus, meint dagegen die Wissenschaft.

Journalisten üben gerne Kritik. Auch ihre eigene Ausbildung ist davor nicht gefeit. Ein Abgänger vom Institut für Angewandte Medienwissenschaft (IAM) in Winterthur meint etwa, die Schule würde es verpassen, am Puls der Zeit zu bleiben und sagt gegenüber der „Medienwoche“ es würde zu wenig Wert auf neue Medien gelegt.

Diese Kritik trifft allerdings nur beschränkt zu, denn die verschiedenen Ausbildungsinstitutionen halten sehr wohl mit dem rasanten Medienwandel mit. An der Universität Neuenburg etwa lernen „Social Media Journalists“ effektives Arbeiten mit Facebook und anderen neuen Publikationsplattformen. Das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich bietet «Neue Medien» im Master-Programm an und am IAM finden Werkstätten zu Neuen Medien statt, in denen unter anderem Schreiben für Online-Medien und Recherchieren mit Twitter und Facebook geübt wird.

Bachelor ist irrelevant

Social Media hin oder her: Die Studenten wissen, es ist schwierig nach abgeschlossenem Studium eine Stelle zu finden. Und wer ein Praktikum auf einer Redaktion gemacht hat, weiss noch mehr: Viele Chefredaktoren sind (noch) der Meinung, der Lebenslauf eines Journalisten sei nicht relevant. David Sieber, Chefredaktor der „Südostschweiz“, sagt dazu:

„Für mich spielt ein Bachelor überhaupt keine Rolle.“

Er fügt allerdings an, ein Bachelor sei aber natürlich auch kein Nachteil. Dennoch ist für ihn in erster Linie wichtig, dass ein Journalist über Berufserfahrung, einen guten Schreibstil und Kenntnis der Region verfüge. Auch wenn der Bachelor einem keinen Knüppel zwischen die Beine wirft, es bleibt eine bittere Pille für all jene, die sich für eine Ausbildung an einer Hochschule oder einer Universität entschlossen haben. Und einige der bekanntesten Schweizer Journalisten, die einem spontan in den Sinn kommen, sind auch noch Quereinsteiger: So etwa Roger Schawinski oder Nik Hartmann. Sollte man also doch besser den Weg über die Praxis wählen, um eine journalistische Laufbahn einzuschlagen?

Qualität dank Ausbildung

Nicht wenn man die Wissenschaftler fragt:

„Mit den Journalistenschulen MAZ und IAM ist die Fachbildung der Neueinsteiger gestiegen“,

sagt Heinz Bonfadelli, Professor für Publizistik an der Universität Zürich gegenüber der Basler Zeitung. Und der bekannte Medienwissenschaftler Roger Blum meint in einem Interview mit „persönlich.com“.

„Eine gute Ausbildung der Medienschaffenden ist für die Qualitätssicherung der Medien wichtig.“

Dass es um eben diese Qualität des Journalismus nicht gut steht, ist unter anderem die Aussage des Soziologen Kurt Imhof in seiner umstrittenen Studie zur Qualität des Journalismus.

Medienkritik als Nische für Hochschulen?

Eine Form, die Qualität im Journalismus hochzuhalten (oder zu erhöhen) ist Medienkritik. Roger de Weck,Generaldirektor der SRG, sagte dazu an einem Vortrag im Oktober 2011 vor dem Förderverein Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Bern:

„Medienkritik ist nötiger denn je.“

Damit Medienkritik stattfinden kann, muss bei Medienschaffenden aber zuerst das Bewusstsein vorhanden sein für die Verantwortung, die sie tragen. Was Journalisten aus den Informationen machen, die sie erhalten, ist entscheidend. Werden sie etwa von der PR instrumentalisiert? Das Rollenbewusstsein trägt eindeutig zur präventiven Qualitätssicherung bei, sagt auch Sylvia Egli, Direktorin des MAZ, gegenüber „Medienkritik“.

Und in der Schärfung dieses Bewusstseins bei Journalisten könnte die Stärke und Zukunft von Journalistenschulen liegen. Medienkritik könnte ihre Nische werden, da sie auf andere Fachbereiche kaum spezialisiert sind. Viele Hochschulen und Universitäten bieten das Fach „Medienkritik denn auch bereits an.

Negatives Signal an Qualität

Ende November fiel allerdings ein negatives Signal für die Journalistenausbildung. Wie auf „persönlich.com“ zu lesen ist, streicht der Kanton Luzern seine Beiträge an die Journalistenschule MAZ. Reto Wyss, Bildungsdirektor des Kantons Luzern, versichert, mit der Streichung des Beitrags werde die Qualität des MAZ nicht infrage gestellt.

„Für uns ist das eine finanzielle Notmassnahme.»

Dies steht allerdings im Widerspruch zu den Forderungen nach mehr Qualität im Journalismus, wenn ausgerechnet in der Journalistenausbildung gespart wird.

Lösung: Staatliche Förderung der Journalistenschulen?

Lösungsvorschläge sind allerdings schon vorhanden. So hat der Zuger CVP Ständerat Peter Bieri ein Postulat eingereicht mit der Forderung, dass nicht ausgeschöpfte Billag-Gebühren künftig für die Förderung journalistischer Qualität an Journalistenschulen eingesetzt werden.

Da die Gelder in die Journalistenschulen fliessen würden – und nicht in Redaktionen – wäre auch die Gefahr der Abhängigkeit nicht gegeben. Auf jeden Fall ist die Förderung und Unterstützung der Journalistenschulen eine Richtung, in die man weiterdenken könnte, um den Journalisten zu mehr Bewusstsein und damit dem Journalismus zu mehr Qualität zu verhelfen.

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