Fall und Aufstieg in der Zentralschweiz

von Rahel Schnüriger

Vor einigen Wochen hat die «Obwalden- und Nidwalden Zeitung» ONZ ihren Betrieb eingestellt. Das Bedauern darüber ist zumindest in der Zentralschweiz gross, ebenso die Hoffnung auf ein seit längerem geplantes Medienprojekt, das im Sommer 2012 lanciert werden soll.

So verabschiedete sich die ONZ von ihren Lesern. Quelle: onz.ch

Den Humor haben die Redaktoren der ONZ auch bei der eigenen Beerdigung nicht ganz verloren: Unter Ankündigung des „neusten Stummfilms – Obwalden und Nidwalden verlieren ihre Stimme“ gibt die ONZ ihr Aus bekannt – darunter ist ironischerweise das Inserat der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) plaziert. Zwei Leser drücken in Kommentaren auf der Website ihr Bedauern aus, die Redaktoren dürfen sich selbst noch mit ein paar Sätzen von ihrer Leserschaft verabschieden.

Die ONZ ist vor fast zwei Jahren mit dem Konzept einer Mikrozeitung nach dem Vorbild der erfolgreichen Jungfrau Zeitung lanciert worden und hat den lokalen Zeitungsmarkt zwar aufgemischt, jedoch nicht die erwarteten Inserenten erreicht. Die bis dahin faktisch das Monopol haltende Neue Luzerner Zeitung (NLZ) mit ihren Töchtern Neue Obwaldner und Neue Nidwaldner Zeitung hat denn auch mit aller Kraft gegen die neue Konkurrenz angekämpft. Während diese vor dem ONZ-Start Unterwalden auf einer Doppelseite abhandelte, hat die NLZ die Berichterstattung in der Region fortan auf acht Seiten ausgebaut. «Bei gleichem NLZ-Angebot wie heute hätten wir 2010 den Markteinstieg nicht gewagt», erklärte ONZ-Verwaltungsratspräsident Thomas Gasser gegenüber dem Klein Report.

Für Urs Gossweiler, den Initianten und Verleger des Mikrokonzeptes, hat das Scheitern der ONZ Folgen über die beiden Halbkantone hinaus. Ende März hat er gegenüber persönlich.com bekannt gegeben, dass auch das fortgeschrittene Projekt im Raum Zürich aufgegeben wird.

Doch jedes Ende ist auch ein Anfang: In der Zentralschweiz blickt man derweil gespannt auf ein Medienprojekt, das zwar noch nicht auf dem Markt ist, sich aber seit längerem auf seine Lancierung im Sommer 2012 vorbereitet. Die Rede ist von der Onlineplattform MMV online, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Medienvielfalt in der Zentralschweiz zu beleben. MMV steht für «Gute Medien. Kluge Meinungen. Mehr Vielfalt» – der definitive Name der Web-Publikation soll demnächst auf Facebook von den Usern selbst bestimmt werden.

Laut Geschäftsführer Christian Hug versteht sich MMV als komplementäres Angebot zu den Tageszeitungen. Hug sieht deshalb keine Gefahr, wie die ONZ von der NLZ überrollt zu werden. „Wir wollen mit kritischen Hintergründen und Analysen neue Perspektiven aufzeigen“, so Hug. Wo die Konkurrenz auf die Person zuspitze, will MMV relevante Themen aufnehmen, Platz für ein möglichst ganzheitliches Bild schaffen und dem Dialog verschiedener Meinungen Raum gewähren. Eine Konkurrenz im Printbereich aufbauen zu wollen, mache keinen Sinn mehr. Dafür sei die Schweizer Leserschaft zu loyal zu ihren Zeitungen.

Finanziell steht das Portal auf den drei Pfeilern Stiftung, Verein und Aktiengesellschaft. Verwaltungsratspräsident ist der Zuger Unternehmer und Landis&Gyr-Erbe Nick Mijnssen. In den letzten Wochen hat MMV zahlreiche Schweizer Medien-Profis um eine Einschätzung zu ihrem Projekt gebeten. „Mit neuen Erkenntnissen, wichtigen Ideen und Inputs, aber auch um einige Illusionen ärmer konnten wir vor einigen Tagen die ersten Konzept-Workshops abschliessen“, heisst es auf dem MMV-Blog. Auf die Frage, welche Hürden denn noch zu nehmen seien, wollte man aber nicht näher eingehen. Es sei noch viel zu tun, schreiben die Verantwortlichen als Antwort auf eine entsprechende Anfrage im Blog.

Die Schwierigkeit bei diesem Projekt dürfte meiner Ansicht nach daran liegen, dass die Themensetzung eher eine ältere Leserschaft anspricht, während das Medium Internet in der Regel ein jüngeres Publikum anspricht. Finanziell scheint das Portal zumindest für die ersten Jahre von verschiedenen Seiten abgesichert zu sein. Bleibt das gespannte Warten auf die Inhalte, die MMV online zu bieten hat.

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