Ohne Medienkompetenz keine Medienkritik

von Lisa Känzig

Fernseh-Talkmaster, promovierter Medienwissenschaftler und Journalismus-Dozent – Hugo Bigi ist in der Schweizer Medienlandschaft bestens verankert. Der Profi findet Medienkritik zwar wichtig, unterhaltsam sei sie aber nicht. Schuld daran hätten nicht die Medien selber: Der Hund liegt woanders begraben. Es wird Zeit, ihn aufzuspüren.

„Der Umgang mit Medien will gelernt sein“, sagt Hugo Bigi. Erfahrung hat der Mann genug, seit fast 30 Jahren bewegt er sich in den Gefilden des Journalismus. Seine Doppelfunktion als Journalist und Wissenschaftler sei in seiner täglichen Arbeit ein grosser Vorteil: „Ich bin in der privilegierten Lage in meiner Arbeit als Dozent mein theoretisches Wissen zu ergänzen mit Erfahrungen und Erkenntnissen aus der Praxis. Dieser Graben zwischen Wissenschaft und Praxis gilt es zu reduzieren. Gleichzeitig will ich aufzeigen, dass wissenschaftliche Medientheorien in der Praxis manchmal schlicht und einfach nicht umsetzbar sind.“

Seinen Studenten versucht Bigi das Rüstzeug für das Bestehen in der Medienlandschaft mitzugeben. Dieses Rüstzeug sollte laut Bigi jedoch nicht nur seinen Studenten vorbehalten sein. Wer Medien nutze, sollte auch eine entsprechende Ausbildung geniessen: „Wir alle nutzen Medien rund um die Uhr, surfen im Internet. Immer mehr bewegen sich auf Social-Media-Plattformen. Aber nur wenige können mit Medieninhalten wirklich kritisch umgehen. Medienkompetenz wird aber leider immer noch sträflich vernachlässigt in unserer Schulbildung. Dort muss man zuerst ansetzen.“

Medienkompetenz als Schulfach – mit diesem Anliegen ist Bigi nicht allein: Simon Bärtschi, stellvertretender Chefredaktor der Sonntagszeitung forderte jüngst: „Medienschulung gehört in den Stundenplan“. In einer Zeit, wo bereits Zehnjährige mit Smartphones in der Tasche zur Schule gehen eine durchaus berechtigte Forderung. Mit einer gezielten Schulung der Medienkompetenz könnte sich auch die Medienkritik einen fixen Platz in den Medien zurück ergattern, ist sich Bigi sicher: „Medienkritik ist wahrlich kein Renner beim Massenpublikum. Der Grund dafür liegt letztlich in der mangelnden Medienkompetenz der Mediennutzer. Mit einer gesellschaftskritischen Sensibilisierung bezüglich Medieninhalte bekäme Medienkritisches eine ganz neue Bedeutung.“

Solange sich die Gesellschaft jedoch zu wenig für Medienkritik interessiere, bleibe sie in der Medienlandschaft unthematisiert im Hintergrund, so Bigi. Medienkritik sei heutzutage eine Frage der Ressourcen: „Es wäre naiv zu glauben, dass jedes Medium ein medienkritisches Format unterhalten könnte. Solange das Interesse an Medienkritischem in der Gesellschaft derart klein gehalten wird, kann und will sich ein Privatsender wie zum Beispiel TeleZüri Medienkritik nicht leisten.“

Kein privater TV-Sender würde eine medienkritische Sendung als fixen Programmpunkt realisieren, solange die Refinanzierung, der ‚return-on-investment’ nicht garantiert sei, so Bigi. Der Privatsender TeleZüri bilde hier keine Ausnahme. „Medienkritik als Thema ist für die meisten Privatsender schlicht kein Thema.“

Medienkritik als regelmässiger Sendebeitrag sei hingegen auf jeden Fall Bestandteil des Service public, also eine Aufgabe für die öffentlich-rechtlichen Sender, findet Bigi. Hierbei lohne sich der Blick ins deutsche Fernsehen: „Medienkritische Sendungen wie ‚ZAPP‘ im NDR oder auch der ‚Elektrische Reporter‘ im ZDF sind hervorragend gemacht. Sie zeigen, dass Medienkritik relevant wie auch unterhaltsam aufbereitet werden kann, wenn das nötige Commitment und nicht zuletzt auch genügend finanzielle Ressourcen vorhanden sind.“

Einen kleinen Hoffnungsschimmer in Bezug auf ein medienkritisches Format im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zeichnete sich in der Schweizer Medienlandschaft im Mai letzen Jahres ab. SRG-Generaldirektor Roger de Weck kündigte in seiner Rede am Swiss Media Forum an, dass Medienkritisches in Zukunft Einzug finden sollte in den „Club“ des Schweizer Fernsehens. Bis dato zeigte sich der Club jedoch im gewohnten Gewand. Die Medienkritik blieb bisher dort, wo sie sich momentan auch in der Schweizer Medienlandschaft aufhält: im Hintergrund.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.