Abt. Klamauk und Kritik

von Antonio Haefeli

Da soll noch jemand sagen, Medienkritik sei eine trockene und langweilige Sache. Das Basler Blog „Infamy“ zeigt, dass es auch anders geht: Seit 10 Jahren gibt es hier erfrischende Kritik an der (lokalen) Medienbranche und ihren Auswüchsen, gemischt mit allerlei geistreichem Klamauk. Was die Macher antreibt und was sie dabei hält.


Genau so sollte es doch eigentlich sein: Medienkritik als selbstverständlicher Teil unseres täglichen Medienprogramms, nicht akademisch abgehoben, sondern gute Unterhaltung, aber dennoch mit Tiefgang. Genau das bietet das Basler Blog infamy. Ein bunter Themenmix, viel Lokales, aber auch Globales – und immer wieder Medien.

Angefangen hat die Medienkritik beim Weblog infamy mit der Rubrik „Bazille des Tages“, in der Artikel aus der damals noch nicht rechtsbürgerlich situierten Basler Zeitung satirisch-kritisch seziert und kommentiert wurden.

infamy verstand sich nie als reiner Medienblog: „Platz hatten auch –und haben noch immer –Beiträge über Kultur, Politik, Wissenschaft, Trouvaillen aus dem www, aber auch hoffentlich mehr oder weniger geistreiche Blödeleien.“ erklärt Dominique Spirgi, Mitbetreiber von infamy und ehemaliger Mitbetreiber des Medienbüros In.f.a.m, das der heutige Tageswoche-Redaktor Daniel Winter, Patrick Tschudin und Udo Theiss gegründet haben und dem Blog seit fast zehn Jahren den Namen gibt.

Satire und Pseudo-Anonymität

War die Medienkritik von infamy in den Anfängen noch klarer von einem satirischen Grundton geprägt, wurden die Beiträge nach Beginn der Umwälzungen in der BaZ zunehmend ernsthafter. „Anfangs ging es unter anderem noch um harmlose Denk- und Tippfehler, später vermehrt um die fatale politische Entwicklung und den rechtsbürgerlichen Kampagnenjournalismus u.a. bei Integrationsthemen, in der Diskussion um Freiräume und der unsäglichen Missinterpretation von Kriminalstatistiken,“ erzählt Spirgi.

Interessant ist auch, dass auf infamy alle Autoren ein Pseudonym benutzen. So entsteht eine Art Pseudo-Anonymität (denn die Nicknames der regelmässig schreibenden Autoren sind natürlich längst bekannt), die in der Branche kontrovers diskutiert wurde und dem Blog dadurch einiges an Aufmerksamkeit eingebracht hat. „Wir haben aber keinen medienwissenschaftlichen Anspruch.“, sagt Spirgi. So seien eben auch subjektive Einschätzungen zugelassen, die in vielen andern medienkritischen Kanälen keinen Platz finden.

Diese sehr ungezwungene, ja fast schon anarchistische Herangehensweise an das Thema, hat aber nicht etwa unprofessionelle oder unreflektierte Beiträge zur Folge. Spirgi scheint sich der Bedeutung funktionierender Medienkritik sehr wohl bewusst: „Nur ein mündiger Medienkonsument (und –produzent) ist ein guter Medienkonsument. Dies gerade in Zeiten eines manchmal grassierenden Schlagzeilen- und Kampagnenjournalismus.“

Mehr Infos gibt es direkt auf dem infamy Blog.

Ein Gedanke zu „Abt. Klamauk und Kritik

  1. Udo Theiss

    Tschuldigung. Aber irgendwo hört die Legendenbildung auf: Die Gründung von in.f.a.m. ist auf meinem Mist gewachsen. Dani war damals noch Redaktor der Coopzeitung.

    Antworten

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