„Breaking News“ unter falscher Flagge

von Corina Borer

Seit es Medienkritik gibt, kommt sie auch als Satire daher; heute unter anderem via Twitter. Unter der Adresse @20minNews verbreiten unbekannte Spassvögel Kurznachrichten, die auf den ersten Blick den Schlagzeilen von 20 Minuten verblüffend ähnlich sehen – gar nicht zur Freude der Gratiszeitung.

Sie sind witzig, spitzzüngig und ironisch: die Tweets von @20minNews. Die  Twitterer verbreiten Satire mit Bezug zu aktuellen Nachrichten und nehmen dabei die Medien auf die Schippe.

Die Zeilen der Satire-Twitterer sind nicht nur unterhaltend, sondern werfen auch ein kritisches Licht auf die Tendenz,  unwichtige Nachrichten als „Breaking News“ zu verbreiten. Auf die Frage, weshalb sie das tun, schreiben die anonymen Autoren von @20minNews:

Primär geht es uns nicht darum, Medienkritik zu betreiben, sondern zu unterhalten. Aber natürlich nehmen wir den Umgang der News-Portale mit neuen Medien damit aufs Korn, ob bewusst oder unbewusst. Seien wir ehrlich: Medien verkaufen uns heute jede Menge Bullshit als Nachricht. Was heute als Breaking News oder Push-würdige Nachricht betrachtet wird, ist teilweise tatsächlich schwer nachzuvollziehen. Insofern kann man uns als Satiriker mit medienkritischem Gewissen betrachten.

In erster Linie gehe es ihnen jedoch darum, die Leser der Tweets zum Schmunzeln zu bringen. Immerhin haben die Satire-Twitterer nach nur wenigen Wochen bereits über 150 Follower. Inspiriert wurde @20minNews von anderen Satire-News-Accounts wie @BreakiingNews und @TheFakeCNN. Dass sie sich 20 Minuten als Namenspate ausgewählt haben, sei eher ein Zufall gewesen, so die Satire-Twitterer.

Allerdings scheinen nicht alle Internetnutzer zu erkennen, dass es sich bei 20minNews um Satire und nicht etwa echte News handelt. Vorletzte Woche twitterte @20minNews die untenstehenden Zeilen und sorgte damit für Aufruhr und reichlich Verwirrung bei einigen Usern.

Da anfänglich noch das Logo von 20 Minuten Online den Satire-Account als Anzeigebild schmückte, schienen einige davon auszugehen, dass es sich dabei auch um ein Twitter-Konto des Nachrichtenportals handle. Allerdings stand zu diesem Zeitpunkt bereits in der Beschreibung, dass die Tweets „garantiert nicht echt“ seien. Auf Bitte eines Redaktionsmitglieds von 20 Minuten Online änderte der Satire-Account prompt seine Beschreibung zu: „@20minNews, das sind die unwichtigsten News und besten Satire-Geschichten direkt in Ihrem Newsfeed“. Zudem versprachen sie auch, sobald als möglich ihr nicht ganz eindeutiges Anzeigebild zu ändern. Nur einige Stunden später empörte sich jedoch 20 Minuten Online in einem  Artikel über die Satire-Twitterer und bezichtigte sie des „Identitätsklaus“. Sogar 20 Minuten Online-Chefredaktor Hansi Voigt meldete sich darin zu Wort:

Das ist extrem ärgerlich, weil wir mit einer Journalistin vor Ort waren und direkt vom Event berichtet haben.

Der Artikel kam für @20minNews zwar sehr überraschend, allerdings nahmen die Leser von 20 Minuten Online die ganze Geschichte äusserst gelassen. Viele bezeichneten den Satire-Account im Kommentar des Artikels gar als „lustig und originell“ und fragten sich gleichzeitig, wie man eindeutige Satire nicht von echten News unterscheiden könne. Dies macht auch die Twitterer selbst etwas nachdenklich:

Vor allem finden wir bedenklich, wie einige Leser alle News einfach akzeptieren und oft gar nichts hinterfragen oder selbst nachprüfen. Die Medienkonsumenten haben heute so viele Möglichkeiten etwas zu überprüfen, und trotzdem machen sie das immer weniger. Das ist irgendwie schade.

Einen kleinen Twitter-Seitenhieb auf den Artikel von 20 Minuten Online  konnte sich @20minNews folglich nicht verkneifen.

Dass die Tweets nicht nur unterhaltend sind, sondern nebenbei auch noch einen medienkritischen Unterton enthalten, macht diese Form von Satire noch spannender und regt zum Nachdenken an.  Da aber einige User die Satire-News offenbar nicht von echten Nachrichten unterscheiden können, ist es zu bezweifeln, dass sie den medienkritischen Aspekt der Tweets erkennen. Bei @20minNews seien allerdings bis jetzt durchgehend positive Rückmeldungen eingegangen. Na also, bitte weitermachen.

Ein Gedanke zu „„Breaking News“ unter falscher Flagge

  1. Oliver

    „Identitätsklau“? Da versteht der Herr Voigt wohl nicht so ganz, was Satire ist und soll.
    Und wie sich der Artikel liest, man könnte meinen, es handle sich hier um einen gigantischen Image-Schaden, welcher der @20minNews-Account angerichtet habe. Komplett übertrieben und sehr Kontraproduktiv für die Schweizer Medienlandschaft, liebe 20 Minuten.

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