Aufgefallen: Töfflibuebe

von Matthias Giger

Simon Enzler und Daniel Ziegler, zwei Botschafter der Ostschweiz, zwei gestandene Männer fahren mit dem Töffli ins Tessin und begeben sich damit auf ein Abenteuer.
Das ist endlich mal wieder gute Unterhaltung, eine SF-Eigenleistung, die gefällt und ankommt. Doch die Frage nach dem Hintergrund bleibt offen.

Nun sollte Fernsehen niemals langweilig sein.  So ein Abenteuer bietet an der Oberfläche wenig Spektakuläres. Fernsehen ist aber oberflächlich geprägt, da es nur optisch und akustisch wahrgenommen wird. Wir spüren den Fahrtwind nicht, auch nicht den Regen, nicht, wie das Stroh in den Rücken piekst oder wie der Regenschutz an der Haut klebt. Diese Komponenten des Abenteuers bleiben den Zuschauern verborgen.

Ein bisschen Mitgefühl können wir dennoch empfinden, da wir schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben und an der Mimik und Gestik der beiden Protagonisten ablesen, wie in etwa ihr Befinden ist. Mental sitzen wir selbst auf dem mit der Zeit unbequemen Sattel, zumindest nachdem die beiden dies ansprechen oder unbeholfen die ersten Schritte mit krummen Beinen gemacht haben, sobald sie vom Töffli gestiegen sind.

Deshalb ist diese Serie auch so grossartig: Sie zeigt ein Abenteuer, mit dem grundsätzlich die meisten etwas anfangen können, die im Alter von 14 bis 18 Jahren ein Töffli hatten, selbst wenn sie wie viele nie ein derartiges Abenteuer gewagt haben.

Die beiden Helden der Landstrasse werden bei ihrem Tun laufend kommentiert. Fernsehjournalistinnen und Fernsehjournalisten wissen, dass selbst das gestrige EM-Finale ohne Kommentar langweilig wäre.

Auch das Zusammentreffen der beiden mit den unterschiedlichsten Leuten ist eher dicken SF-Produktionsordnern entsprungen als dem Zufall. Da ist der Dinosaurierbauer im Rheintal, da ist das befahrbare Hotelzimmer am Walensee, da ist der Fischton-Forscher und so weiter. Eingestreute Episoden, zu schön, zu lebendig, zu schillernd, um einfach so passiert zu sein. Die geübten Zuschauerinnen und Zuschauern merken insgeheim, dass diese Ereignisse inszeniert wurden.

Die spannendste aller Fragen aber wird nicht beantwortet. Wie hat SF diese Freaks und Originale aufgespürt?  Hat SF zwei etwa gleichaltrige Redaktoren oder gar die kommentierende Redaktorin vorweg auf dieselbe Töffli-Reise geschickt? Wohl kaum, denn sonst wären die Kommentare nicht so oft derart oberflächlich geblieben. Aber das gehört sich so: die Ostschweiz und ihre Leute werden in Leutschenbach bestenfalls aus dem Lehnstuhl kommentiert.

Und deshalb: Daumen hoch für diesen Steilpass an die Ostschweiz.

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Über Matthias Giger

Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc. Online-Redaktion bei der VR Leasing AG, Eschborn und bei der Zukunftsinstitut GmbH, Kelkheim. Von 2007 bis 2013 Lokalredaktor beim Toggenburger Tagblatt. Jetzt an einem Master of Science in Business Administration, Major Information Science.

3 Gedanken zu „Aufgefallen: Töfflibuebe

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  2. bugsierer

    ich fand die serie eher langweilig. die idee war zwar pfiffig, aber die ausführung eher peinlich. roeadmovie geht anders. die zuschauer wurden mit vorgetäuschten spontanbegegnungen – wie meistens in solchen sendungen – verarscht. die angestrengt spontanen dialoge der beiden protagonisten waren auch schon nach der zweiten sendung ziemlich abgelutscht.

    dass sich ein typ wie enzler hier zum affen gemacht hat, ist ein jammer. man hätte ihm eine etwas gehaltvollere sendung gewünscht.

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  3. Lila

    Die Sendung war für diejenigen, die eine solche Reise mal gemacht haben, oder einfach die Töffli-Zeiten erlebt haben, einfach nur peinlich und zusammengeschnitten, wie von einer Schülerklasse. Es war total verkrampft, es wurde immer der selbe „small talk“ vorgeführt.“Hesch au chalti Händ?“ .. „ich scho“, „ässemer öpis?.. „ja“. Gelacht wurde praktisch nie!!
    Auch die Begegnungen; da wurden Sachen repariert, wie z.B. der Junge der den Platten geflickt hat. Und plötzlich, wie durch ein Wunder, war der Pneu wieder aufgepumpt??
    Richtig schade, echt schlecht, da haben sich beide keinen Gefallen damit getan.
    Ich hoffe, die heutigen Eltern erlauben ihren Kindern, trotz dieser Serie, noch solche Fahrten ins Abenteuer. Die werden sicherlich mehr Spass dabei haben!!! ;0)

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