Vorsicht bei anonymen Quellen

von Matthias Giger

Man kann von Christoph Mörgeli und den Hintergründen seiner Entlassung halten was man will. In seiner aktuellen Weltwoche-Kolumne «Hintervorgehaltene Hände» greift er eine aus medienkritischer Warte interessante Frage auf. In der Fachsprache der Journalistik: mangelnde Quellentransparenz. Quellentransparenz ist nicht umsonst ein Merkmal von Medienqualität (nebst Allseitigkeit – bei Konfliktberichterstattung–, Trennung zwischen Nachricht und Kommentar sowie sinngemässer Wiedergabe).

Christoph Mörgeli wirft in seiner Kolumne der Presse vor, «pandemisch», also zunehmend auf anonyme Quellen zurückzugreifen. Meinungsmacher könnten sich so feige hinter der Anonymität verstecken. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Journalisten und natürlich auch Journalistinnen Quellen auch einfach erfinden oder Zitate so frisieren können.

Bild rostige Badewanne - Symbol für anonyme QuellenJournalisten nennen dieses Phänomen «das Prinzip der rostigen Badewanne» (irgendwo sickert immer etwas durch). Dass sie auf solche «Lecks» angewiesen sind und dass der Quellenschutz greifen muss, wenn der Informant oder die Informantin mit für ihn/sie einschneidenden Konsequenzen rechnen muss, steht ausser Frage. Allerdings ist es wichtig, dass im Zusammenhang mit anonymen Quellen besonders sauber gearbeitet wird. Sonst verspielt das betreffende Medium sein höchstes Gut: die Glaubwürdigkeit.

Wenn es «nur» um Meinungen geht, also nicht um konkrete Anschuldigungen, ist sorgfältig abzuwägen, ob man anonyme Quellen überhaupt zitieren soll. Hier geht es um die «Ist das wirklich relevant?» und nicht um die Frage «Lässt sich daraus ein Skoop stricken?». Falls man es trotzdem tut, so ist es nur fair, dem oder der Angeschuldigten die Gelegenheit zu geben, Stellung zu nehmen.

Zur Kolumne (Nur auszugsweise)

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