„Wir betreiben keine Forschung im Elfenbeinturm“

von Emil Keller

Zum dritten Mal hat der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft fög der Universität Zürich im letzten Herbst das Jahrbuch zur Qualität der Medien herausgegeben. Anders als bei den ersten beiden Ausgaben, blieb diesmal das grosse Medienecho aus. Für Co-Autor Mark Eisenegger hat das Jahrbuch seinen Zweck dennoch erfüllt. Für die nächste Ausgabe sind jedoch einige Änderungen geplant.

Mark_Eisenegger

Warum nimmt ein Grossteil der Journalisten die Kritik des Jahrbuchs nicht an?
Es ist nicht so, dass die Journalisten die Kritik nicht annehmen. In persönlichen Gesprächen erhalten wir viel Zustimmung für das Projekt. Zudem ist es gelungen, in der Schweiz eine breite Debatte über die Qualität der Medien anzustossen und in Gang zu halten. Allerdings verschliessen sich die Verlage dem Diskurs. Das gilt insbesondere für Tamedia. Darunter leidet natürlich der Diskurs.

Was muss sich denn ändern?
Mut zum Dialog, auch entgegen der Diskursverweigerung seitens der Verleger. Aber wir befinden uns in einer Medienkrise, die Arbeitsplätze sind rar. Es ist teilweise nachvollziehbar, dass es für die Journalisten um viel geht und sie zurückhaltend sind, sich öffentlich zu exponieren.

Ist das Jahrbuch nutzlos?
Keinesfalls. Erstens gibt es einen Unterschied zwischen dem, was sich in der Öffentlichkeit abspielt und dem, was im Hintergrund passiert. Das Jahrbuch stösst auf viel Anklang. Sei es seitens der Politik, der Bildung oder der Wissenschaft, auch aus dem Ausland. Zweitens hat die Medienkritik über die letzten drei Jahre gesamthaft zugenommen, auch dank Spezialöffentlichkeiten wie ihre Internetseite.

Sie sind also zufrieden mit der derzeitigen Situation der Medienkritik?
Zufrieden darf man nie sein. Wie gesagt blockieren die Verleger immer noch den Diskurs. Und auch der öffentliche Rundfunk steigt zu wenig in die Diskussion mit ein. Es besteht eine gewisse Angst, sich zu exponieren. Man muss jedoch würdigen, was über die letzten Jahre passiert ist.

Dem Jahrbuch wird vorgeworfen, realitätsfremd zu sein.
Diese Kritik greift ins Leere. Wir betreiben keine Forschung im Elfenbeinturm. Wir benutzen die professionellen Qualitätsnormen des Journalismus und stellen uns dem Diskurs. Das ist alles andere als realitätsfremd.

Ein 400-Seiten-Wälzer spricht nicht gerade für Praxisnähe.
Daran müssen wir arbeiten. Das nächste Jahrbuch wird dünner. Wir haben vor, über das Jahr hindurch verschiedene Analysen zu veröffentlichen und diese am Jahresende zusammenzubinden. Auch sind wir daran, unsere Plattform in der Schweiz aber auch international auszuweiten. In Österreich wurde gerade das Partnerinstitut „Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung“ gegründet. Dieses wird ein analoges Jahrbuch für Österreich herausgeben. Dadurch sind wir erstmals in der Lage, die Entwicklung der Medienqualität in zwei Ländern zu vergleichen.

Könnte das fög nicht auch einen Schritt auf die Journalisten zu machen und ihnen seine Arbeitsweise besser vermitteln?
Was ich mir dazu vorstellen könnte, wären Diskussionen in einem geschützten Rahmen. In solchen informellen Gesprächen könnten Journalisten, Wissenschaftler und Medienkritiker streiten, ohne gleich der Öffentlichkeit preisgegeben zu sein.

Wäre es nicht gut, wenn die Wissenschaft einmal eindeutig definiert, was Qualität in den Medien ist?
Das wäre für den Qualitätsdiskurs sicher hilfreich. Es ist schwierig, einen allgemeingültigen Qualitätsbegriff zu definieren. Entscheidend ist, an welchen gesellschaftlichen Funktionen man Medienqualität festmacht. Da gehen die Vorstellungen auseinander. Im Jahrbuch bringen wir die demokratischen Grundfunktionen in Anschlag. Das ist der denkbar härteste Qualitätsanspruch. Das erklärt dann auch, weshalb Unterhaltung in unserem Verständnis keinen Qualitätsanspruch erheben kann.

Ein Gedanke zu „„Wir betreiben keine Forschung im Elfenbeinturm“

  1. Heinrich Frei

    Emil Keller stellt die Frage: Was muss sich denn ändern?
    Er schreibt: „Mut zum Dialog, auch entgegen der Diskursverweigerung seitens der Verleger. Aber wir befinden uns in einer Medienkrise, die Arbeitsplätze sind rar. Es ist teilweise nachvollziehbar, dass es für die Journalisten um viel geht und sie zurückhaltend sind, sich öffentlich zu exponieren.“

    Ein Beispiel für mich ist der „Diskursverweigerung“ und die „Zurückhaltung“ der Journalisten ist für mich, dass die Medien Kritik an der 9/11 Verschwörungstheorie der US-Regierung nicht veröffentlichen. Der gefolterte Terrorist Khalid Sheikh Mohammed bleibt anscheinend für die Medien der wichtigste Kronzeuge dieser 9/11 Verschwörungstheorie der US-Regierung, wie sie im 9/11 Untersuchungsbericht der US-Regierung nachlesbar ist: (http://www.9-11commission.gov/report/911Report.pdf)

    Piloten (http://pilotsfor911truth.org/), Architekten und Ingenieure: (http://www.ae911truth.org/) fordern seit langem eine neue Untersuchung über 9/11, dieses Berichtes der sich auf Aussagen von Gefolterten stützt und auf Telefongespräche mit Handys aus den entführten Flugzeugen, Telefongespräche die damals noch gar nicht möglich waren. Erst in den letzten Jahren haben einige Fluggesellschaften Einrichtungen installiert, die es den Flugpassagieren ermöglichen mit Handys auch in grosser Flughöhe zu telefonieren, via Satelliten. http://www.globalresearch.ca/what-happened-on-the-planes-on-september-11-2001-the-911-commission-script-was-fabricated/5428771

    Weshalb verschweigen eigentlich die Schweizer Medien diese Dokumentationen die Piloten, Architekten und Ingenieure über 9/11 zusammengestellt haben? Haben die Redaktoren dermassen Angst diese Fakten zu veröffentlichen? Daniele Ganser, Verfasser verschiedener Sachbücher, wurde tatsächlich ins abseits gestellt, weil er eine neue Untersuchung der Terroranschläge des 11. September 2001 verlangte.

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