Kampf der Kulturen und konvergente Redaktionen – wie geht das zusammen?

von Matthias Giger

Angesichts des Kampfes der Kulturen Online und Print muss die Frage erlaubt sein, wie die konvergente Tamedia-Redaktion (Start im August), jene von Blick und jene der Neuen Zürcher Zeitung funktionieren sollen.
Online geht es darum, möglichst breitentaugliche Kost ohne grossen kulinarischen (intellektuellen) Anspruch zu servieren – Schni-Po, zumindest solange online gratis ist. Das können Listen sein oder kurze Texte. Printjournalistinnen und Printjournalisten wollen in der Regel ein umfangreiches Gericht bieten, bei dem das Hauptgewicht auf dem Schrifttext liegt: Wild mit gesundem Gemüse (für die Bildung) und glasierten Marroni (fürs Auge). Nur Schni-Po läuft viel besser über die digitale Theke als das für Online aufgewärmte Wildgericht. Schni-Po finden die vom Print aber doof und qualitativ zu seicht. Die Digital-Leute verweisen auf die erfolgreichen Zahlen und sagen, die Printleute verstehen nicht, wie Online funktioniert. Hinter einer Paywall sieht es anders aus. Hier wird es nicht funktionieren, Printtexte einfach online zu stellen oder Seichtes zu bieten. Online-Nutzer verlangen einen Mehrwert, wenn sie bezahlen müssen. Betriebswirtschaftlich verträgt sich Mehrwert mit dem Effizienzgedanken hinter Konvergenz aber nicht. Zudem ist online das Beste oder eine gratis Alternative wie die SRF-Webseite immer nur einen Klick entfernt.

Konvergenz ist auch beim Anzeigenverkauf problematisch. Experten wie Clark Gilbert sagen: „Digital Buyer, needs digital seller“ (ab Minute 47). Man solle zwei Restaurants machen, die auf eigene Rechnung wirtschaften, anstatt die Schni-Po Bude ins auf Wild spezialisierte Restaurant zu integrieren (ab Minute 20) und den wertvollen Printjournalismus so querfinanzieren. So zumindest die Theorie, die Clark Gilbert im Video „ein physikalisches Gesetz“ nennt. Spannend wird sein, ob es den konvergenten Redaktionen gelingt, neue Gerichte zu kreieren, hinter denen beide Küchenteams stehen können und die auch noch bei Schni-Po-Fans und Wildliebhabern gleichermassen gut ankommen.

Zum einem Bericht über die Gegensätze Online und Print

Zur Ankündigung der konvergenten Tamedia-Redaktion

In diesem Zusammenhang ist auch Christian Menschs Artikel über den Umbau bei der Tageswoche interessant,

ausserdem das persoenlich.com-Interview von Edith Hollenstein mit Res Strehle, Chefredaktor der konvergenten Tages-Anzeiger-Redaktion.

Zum Thema passt auch dieser Lagebericht von David Levy, erschienen auf der Webseite des European Journalism Observatory.

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Über Matthias Giger

Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc. Online-Redaktion bei der VR Leasing AG, Eschborn und bei der Zukunftsinstitut GmbH, Kelkheim. Von 2007 bis 2013 Lokalredaktor beim Toggenburger Tagblatt. Jetzt an einem Master of Science in Business Administration, Major Information Science.

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