Grounding des Bankgeheimnisses – sehenswerter Dok-Film von SRF

von Philip Kübler

Heute Abend zeigte SRF 1 einen sehenswerten Dokumentarfilm von Hansjürg Zumstein zum Niedergang des steuerlichen Bankgeheimnisses in der Schweiz: „Der schmerzvolle Abschied – Wie das Bankgeheimnis abhanden kam“. Der Film nutzt die Stärke des gesprochenen Wortes, lässt interessante Schweizer Persönlichkeiten mit träfen Sätzen hören und erklärt die Niederlage der Schweiz gegenüber den USA mit Fassung. Das ist schön anzusehen. Doch weder „Titanic“ noch „Grounding“ kamen ohne zuckende Kameraführung und gespielte Aufregung aus, deshalb verzeiht man dem Dok-Film, dass er auch dem sinkenden Bankgeheimnis etwas Dramatik gönnt.

Der Dokumentarfilm durchschreitet die Finanzplatztragödie der letzten sieben Jahre. In einem Wechsel zwischen den Aussagen Schlüsselbeteiligter und einigen nachgestellten Szenen (vorbildlich kenntlich gemacht, u.a. mit der neuen Technik mitfahrender Textelemente) dokumentiert der Film das Massnahmenpaket zur Stützung und Rettung der UBS. Und, dies fast genüsslich, den kommunikativen Schlüsselmoment, als Bundesrat Merz dem Ausland ausgebissene Zähne androhte, um den Nachbarn ein Jahr später gut verdauliche Datenlieferungen nach OECD-Standard in den offenen Mund zu schieben. Die amerikanische Erpressung und die schlaumeierische Fehleinschätzung der Bedrohungslage durch die Banken wurden nochmals deutlich.

Auf den Punkt bringt der Film die schwierige Abwägung, die gleich allen drei Staatsgewalten des Bundes zugemutet wurde: Schadensbegrenzung versus Rechtsstaat. Wie weit und wann soll man einlenken auf einen amerikanischen Vermittlungsvorschlag mit Datenlieferung und Bussenzahlung unter Umgehung der geltenden Rechts der Amtshilfe? Hätte man die UBS-Lösung früher auf weitere Schweizer Banken ausweiten sollen? Hätte die Schweiz mehr Kundendaten liefern und so die Bestrafung der anderen Banken eindämmen können?

Der Film bietet zwar keine persönlichen Schicksale wie damals der Kinofilm „Grounding“ zum Niedergang der Swissair. Doch man trifft auf ähnliche dramatisierende Stilmittel: Suchende Tastenklänge in Moll, dann wieder Streicherstaccato, belichtete Talking Heads vor dunklem Hintergrund, zugespitzte Aufregung auf Schweizerdeutsch, Männer an Telefongeräten, Männer am Verzweifeln. Und immer wieder naiv dargestellte Banker, die schon bei ihrem Auftritt Verlierer sind, z.B. weil sie am entscheidenden Tag das Privathaus des Nationalbankpräsidenten grusslos betreten (Banker sind unfreundlich) und sich dann in sitzender Position die Rettungsnotwendigkeit erklären lassen (Banker sind uneinsichtig und müssen hochblicken).

Zum guten Banker hat sich immerhin Oswald Grübel gemausert, dem im Film auch das Schlusswort zukommt.

Das Schlusswort lautet:

„Wenn es so bleibt wie es jetzt ist, wird die ganze Sache keinen grossen Schaden für die Schweiz bringen. Allerdings wissen wir nicht, wie es sich weiter entwickeln wird, weil doch ein Anreiz für eine gewisse Gruppe von Leuten nicht mehr vorhanden ist, nämlich für diejenigen Leute, welche Steuern sparen oder hinterziehen wollen.“

Dieser Beitrag wurde unter Aktuell abgelegt am von .

Über Philip Kübler

Philip Kübler ist Präsident des Vereins Medienkritik. Er ist Rechtsanwalt, unterrichtet Medienrecht an der Universität Zürich, war langjähriges Mitglied des Schweizer Presserates und ist Mitglied der Eidgenössichen Medienkommission, die den Bundesrat in medienpolitischen Fragen berät. Philip Kübler war für die Unternehmenstransaktionen von Swisscom verantwortlich (Head of Mergers & Acquisitions) und zuvor langjähriger Chefjurist dieses Unternehmens. Seit August 2014 ist er der neue Direktor der Urheberrechtsgesellschaft ProLitteris.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.