Abstossend, was die anderen an Terror-Bildern zeigen …!

von Philip Kübler

Die Publikation von Schockbildern, die Opfer von Terroristen zeigen, ist immer wieder erregend. Dieses medienkritische Thema ist übersichtlich und der fundamentalen ästhetischen und moralischen Kritik zugänglich. Kein Vergleich mit den gewichtigeren Themen der Medienpraxis und Medienethik, den systembedingten kulturell-politisch-ökonomischen Medienfragen.

Der SRF-Medienclub zum Beispiel hat sich in seinem jungen Alter – es gibt dieses in den „Club“ eingebettete Format erst seit Mai 2013 – bereits zweimal mit dem Thema Terror- und Katastrophenbilder befasst: Das sind zwei von erst drei oder vier Medienclub-Sendungen (eine Kommentierung der ersten Sendung vom 31. Mai 2013 findet sich in der Medienwoche).

So ist es nicht verwunderlich, wenn sogar der Blick am Abend medienkritisch wird. Er tut es mit dem Wort „Abstossend“ und meint die auf Facebook erscheinenden Gräuelbilder der Terror-Organisation IS. Sinngemäss erwartet der „Blick“, dass Facebook solche Publikationen aussperrt, denn sie seien fast schlimmer als die Gräuel (sic!).  Natürlich druckt die Abendzeitung die Gräuelbilder ebenfalls ab, als bloss versteckt deklariertes Bildzitat der „BILD“.

Hier nun das Bildzitat des Blick-am-Abend-Beitrags von gestern mit dem BILD-Bild, samt Scheinempörung über die Facebook-Bilder:

Blick am Abend 12.08.2014

An den Hinweis auf diese offensichtliche Scheinempörung muss die Frage anschliessen, was das Unkenntlichmachen der Gesichter der IS-Opfer Gutes bewirken soll, wenn das Schockierende doch eigentlich a) in der abgebildeten Gewalttat und b) im stolzen Präsentieren der (anonymen) Opfer über die Medien liegt? Die Pixelung in der Absicht, einem Bild den Schrecken zu nehmen oder die Angehörigen der Opfer zu schonen, ist eine jüngere und fragwürdige Bildbearbeitungspraxis der Boulevardmedien. Schon zur Wahrung der Privatsphäre ist die Pixelung fragwürdig, aber immerhin einigermassen wirksam.

Seriös ist in all diesen Fällen einzig, diese Bilder überhaupt nicht zu zeigen, und sich der dahinterliegenden Sache zu widmen. Die Sprache ist ein wunderbares Mittel, um dem Grauenhaften ein Gesicht zu geben.

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Über Philip Kübler

Philip Kübler ist Präsident des Vereins Medienkritik. Er ist Rechtsanwalt, unterrichtet Medienrecht an der Universität Zürich, war langjähriges Mitglied des Schweizer Presserates und ist Mitglied der Eidgenössichen Medienkommission, die den Bundesrat in medienpolitischen Fragen berät. Philip Kübler war für die Unternehmenstransaktionen von Swisscom verantwortlich (Head of Mergers & Acquisitions) und zuvor langjähriger Chefjurist dieses Unternehmens. Seit August 2014 ist er der neue Direktor der Urheberrechtsgesellschaft ProLitteris.

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