Die Macht der Medien muss durch Konkurrenz beschränkt werden

von Dietrich Pestalozzi

Meine Erfahrungen als Unternehmer mit Medien sind mehrheitlich positiv. Als wir im Jahr 2013 das 250-jährige Firmenjubiläum feierten, durften wir uns über eine ausgedehnte Berichterstattung freuen. Offenbar interessierte das Thema, dass ein KMU achtmal den Generationenwechsel vollziehen, damit über so lange Zeit in Familienbesitz bleiben und erfolgreich weitergeführt werden konnte. Auch unsere jährliche Medienmitteilung wird von den lokalen Medien und von den Fachmedien bearbeitet und publiziert.

Wenn ich Medien konsumiere, will ich mich auf die vermittelten Informationen verlassen können. Sie sollen korrekt sein und den Sachverhalt so umfasssend beschreiben, dass ich mir ein einigermassen zutreffendes Bild machen kann. Ich weiss, dass es keine absolute Objektivität gibt. Was wir wahrnehmmen und wiedergeben, ist gefärbt. Wenn ich jedoch die weltanschauliche Ausrichtung eines Medienunternehmens kenne, kann ich das, was ich lese oder höre, besser einordnen.

Journalismus soll Inputs ergänzen und relativieren
Der Objektivität droht woanders her Gefahr. Wo beschaffen Journalisten und Journalistinnen ihre Informationen? Haben sie noch genügend Zeit für eigene Recherchen? Welchen Einfluss haben die PR-Abteilungen von Firmen und Organisationen? Die Vorarbeit der PR-Abteilungen ist notwendig. Sie liefern Informationen und Argumente. Sie stossen auch ein Thema an. Natürlich tun sie das im Interesse ihres Unternehmens. Die Aufgabe der Redaktion ist, diesen Input zu ergänzen, zu relativieren und in einen Zusammenhang zu stellen.
Auch die Nacharbeit der PR-Abteilung ist wichtig. Ich habe schon mehrmals festgestellt, dass Medienschaffende aus fachlicher Unkenntnis etwas falsch darstellen. Wenn ich einen Text zum Gegenlesen erhalte, kann ich sachliche Fehler korrigieren und so Missverständnisse vermeiden helfen. “Get it first, but first get it right.“ Was bei United Press gilt, ist auch hierzulande beherzigenswert.
Dafür braucht es ein Vertrauensverhältnis zwischen Redaktion und Unternehmen. Dieses muss über die Zeit wachsen. Es braucht Pflege. In kritischen Situationen wird es getestet. Wenn über einen Vorfall berichtet werden muss, dessen Bekanntwerden dem Unternehmen schadet, gerät die PR-Abteilung nur allzuleicht in eine defensive Haltung und hält mit Informationen zurück. Dies spürt der Journalist oder die Journalistin. Sie vermuten noch Schlimmeres und beginnen zu „bohren“ und Gerüchte weiterzugeben. Wenn das Unternehmen Vertrauen zu den Medienschaffenden hat, kann es Hintergrundinformationen liefern ohne zu befürchten, dass diese missbraucht werden. Die Berichterstattung wird ausgewogener, und für das Unternehmen wird der Schaden nicht noch grösser.
Das Vertrauen wird missbraucht, wenn ein Journalist oder eine Journalistin aus einer Information über einen an sich harmlosen Sachverhalt einen Skandal macht. Leider ist der Druck auch ausserhalb des Boulevard-Journalismus gross, mit Skandalgeschichten zu Lesern und Leserinnen zu kommen.

Hartnäckig ja, aber fair

Nun soll nicht der Eindruck entstehen, ich wolle die Medien zu reinen Verarbeitern von Informationen aus der Unternehmenswelt degradieren. Investigativer Journalismus ist eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Missstände sollen aufgedeckt werden. Ich erwarte von Journalisten und Journalistinnen aber, dass sie sich fair verhalten. Das setzt voraus, dass sie entsprechende Werte verinnerlicht haben. Fairness sollte deshalb zum impliziten oder expliziten Wertekanon jedes Medienunternehmens gehören.

Medienunternehmen beeinflussen Meinungen und Haltungen. Sie lösen Entwicklungen aus. Sie bewirken etwas. Sie üben Macht aus. Macht muss aber immer kontrolliert sein. Im Gegensatz zum Staat, wo es die Gewaltentrennung gibt, kann die Macht der Medien durch Konkurrenz kontrolliert werden. Ich befürworte deshalb die Medienvielfalt und begrüsse jeden Versuch, einen neuen Sender oder eine neue Zeitung zu lancieren.


 

Dietrich Pestalozzi

Dietrich Pestalozzi

Dietrich Pestalozzi (66) studierte Wirtschaft in St. Gallen und trat anschliessend ins Familienunternehmen Pestalozzi in Dietikon ein, das er, zuerst zusammen mit einem Partner, bis im Herbst 2014 leitete. Das Handelsunternehmen ist spezialisiert auf die tägliche Belieferung des Ausbau-Gewerbes und der metallverarbeitenden Industrie in der Schweiz mit Rohmaterial und vorgefertigten Profilen und Blechen. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeitende.

 

Ein Gedanke zu „Die Macht der Medien muss durch Konkurrenz beschränkt werden

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