Medien als Brückenbauer zwischen Politik und Gesellschaft

von Fabienne Bünzli

Artikel über Willy den Wachhund, Wahlkampfsongs oder Fotos von unvorteilhaft gekleideten Politikerinnen und Politikern – nach einer anspruchsvollen Aufgabe, die meine volle Konzentration verlangte, oder in einem Moment der Langweile sind solche Artikel eine willkommene Ablenkung. Zugegeben, diese Inhalte mögen zwar äusserst unterhaltsam sein. Ob sie aber zu einem fundierten politischen Diskurs beitragen, sei dahingestellt. Gerade vor dem Hintergrund, dass unsere direkte Demokratie ein hohes Interesse sowie eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Politik voraussetzt, stellt sich die Frage nach den Qualitätskriterien der Medien.

Der Diskurs über die Qualitätsmerkmale der Medien ist mindestens so alt wie die Debatte über die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es wird argumentiert, gestritten und mit grossen Worten um sich geworfen. So lässt sich bisher kein Konsens ausmachen – weder in politischer noch in wissenschaftlicher Hinsicht.

Als (Jung-) Politikerin bin ich häufig an Standaktionen auf der Strasse anzutreffen – sei dies für Unterschriftensammlungen, Abstimmungskampagnen oder Wahlkämpfe. Zumal ich bereits seit jeher gerne „meinen Senf dazu gebe“, bereiten mir die zahlreichen angeregten Diskussionen mit den Passantinnen und Passanten grosse Freude. Gleichzeitig staune ich jedoch immer wieder über das politische Desinteresse vieler Bürgerinnen und Bürger. So stellt es keine Seltenheit dar, dass diese keine Ahnung haben, worüber wir jeweils abstimmen oder welche Wahlen demnächst anstehen. Die tiefen Abstimmungs- und Wahlbeteiligungen sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Einen frappierend grossen Teil der Bevölkerung scheint das politische Geschehen – diplomatisch formuliert – äussert peripher zu tangieren.

Medien nicht alleine fürs Funktionieren der Demokratie zuständig
Den entsprechenden Personen fehlt schlichtweg das Interesse an der Politik. Geht es um die Politikverdrossenheit der Bevölkerung, wird dabei oftmals den Medien die Schuld zugeschoben. Die Berichterstattung  weise in zunehmendem Masse boulevardeske Züge auf und  fokussiere sich primär auf massentaugliche Inhalte. Dies würde zulasten von politischem Content gehen, so der häufig gemachte Vorwurf. Meiner Meinung nach ist es jedoch unfair und schlichtweg falsch, die Medien als alleinige Sündenböcke auszumachen. Gilt es doch zu bedenken, dass diverse Akteure im politischen System mitwirken und ebenfalls einen Einfluss auf das Funktionieren unserer direkten Demokratie haben. Jedoch bin ich der Ansicht, dass die Medien durchaus in der Lage sind, einen bedeutenden Beitrag zur Senkung des politischen Desinteresses zu leisten. Dies mithilfe einer Berichterstattung, die nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern die Relevanz politischer Entscheide für den Alltag des einzelnen Individuums herausstreicht.

Politik als Selbstbeschäftigung einiger Parlamentarier?
Wichtig wäre dabei, dass die Medien nicht nur prominent über politische Grossereignisse berichten. Zwar finde ich es äusserst lobenswert, dass beispielsweise 20minuten vor den letzten Nationalratswahlen eine grosse Selfie-Aktion zur Steigerung der Wahlbeteiligung unter jungen Menschen lancierte. Dennoch ist es meiner Meinung nach wichtig, dass die Medien vermehrt über das politische „daily business“ berichten. Denn leider werden viele, äusserst zentrale Entscheide gefällt, ohne dass eine breite Öffentlichkeit davon Kenntnis nimmt. Es geht folglich darum, dass die Medien durch eine konstantere und ausführlichere politische Berichterstattung ihren Teil dazu beitragen, den Bürgerinnen und Bürgern die Politik näher zu bringen. Es geht um die Verdeutlichung, dass Politik nicht nur eine abstrakte Selbstbeschäftigung einiger Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Bundesbern ist, sondern einen direkten Einfluss auf das eigene Leben hat.

Medien als Brückenbauer
Dementsprechend ist es die Aufgabe der Medien, zwischen der Politik und der Gesellschaft eine Brücke zu bauen. „Medienqualität“ in diesem Sinne würde bedeuten, den Leuten einen vermehrten Zugang zum politischen System zu ermöglichen, die Bedeutung bestimmter Entscheide für das einzelne Individuum herauszuschälen sowie die Komplexität der Materie herunterzubrechen. Dies ist meines Dafürhaltens eine wichtige Voraussetzung, damit die Auseinandersetzung mit politischen Belangen für eine breitere Bevölkerungsschicht zu einem Bestandteil des eigenen Alltags wird.


 

Portraitfoto Fabienne Büzli, Vizepräsidentin Jungfreisinnige Kanton St.Gallen.

Fabienne Bünzli, Vizepräsidentin Jungfreisinnige Kanton St.Gallen.

Fabienne Bünzli ist Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Kanton St.Gallen. Sie verfügt über einen Master der Universität Zürich in Publizistik- und Kommunikationswissenschaften und arbeitet als Projektleiterin für Wirtschafts- und Kommunikationsberatung in einer Ostschweizer Agentur. Die 25-Jährige wohnt in St.Gallen.

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