SRF-Arena zu Trumps Medienkrieg: Nicht ernsthaft genug und zu wenig meta

Philip Kübler, 27. Februar 2017

Das Thema der Arena-Sendung vom 24. Februar 2017 unter dem Titel «Trumps Krieg» waren Angriffe auf die Medien, wie sie der neue US-Präsident rhetorisch auf die Spitze treibt: Medien als Feinde des Volkes, die systematisch Unwahres berichten (Lügenpresse, Fake News) und einseitig kommentieren (Mainstream-Medien).

Donald Trump sieht sich in einem «Krieg» mit den Medien, und SRF greift das Thema auf. Aktueller geht es kaum, und schon seit der Aufzeichnung der Sendung letzte Woche trieben Trumps Kommunikationsleute die Dinge weiter. Die neue US-Administration schüchtert die Medien ein und grenzt sie aus. Ein gewichtiges, ernstes Thema, wenn man an die Repressionen gegen Medienschaffende in aller Welt denkt. Mutig die Wahl der Arena-Macher, das Podium mit den Persönlichkeiten Claudio Zanetti und Daniele Ganser zu besetzen, die sich schon allgemein kritisch zu den traditionellen Medien geäussert haben und ihre eigenen Anliegen systematisch unterrepräsentiert wähnen.

Die Sendung geriet zum Hickhack und verfehlte damit nicht nur den Ernst des Themas, sondern auch das Thema selbst. Das Hickhack ist nach der Ausstrahlung breit kommentiert worden, und eilige Zensuren (für/gegen den Moderator Jonas Projer, die Sendung, die Teilnehmenden Ganser, Zanetti und Schawinski, die SRG) wurden fast so einsilbig verteilt wie es Trump gerne tut. Dem Hickhack war nicht beizukommen. Ein Lapsus des Moderators Jonas Projer, der professionell, konzentriert und ständig auf Zack ist, war es, das Mail des Historikers Daniele Ganser als Beweis seiner Widersprüchlichkeit hervorzuzaubern. Warum jene andere SRF-Sendung und damit die 09/11-Debatte in den Vordergrund rücken und damit der Voreingenommenheitsthese Vorschub leisten? Damit war der Ton gesetzt: Die Gesprächsteilnehmer verkeilten sich, mit Ausnahme der wohltuenden einzigen Frau im Kreis, Karin Müller, Chefredaktorin Telebasel. Immer wieder entglitt das Metathema Medien/Trump/Vertrauen wie eine nasse Seife. Stattdessen unterhielt man sich darüber, ob ein Mail des Podiumsgastes, Daniele Ganser, an die SRF-Redaktion im Widerspruch zu einem Tweet stand, ob die Türme in New York aus anderen Gründen eingestürzt sind, wie plump Trump lügt, ob Folter wirksam ist und ob auch jenes Thema in die Arena gehören könnte. Wer über solche Dinge sprechen will statt über die massiven, aber auch nuancenreichen Probleme der weltweiten Berichterstattung und Meinungsbildung unter Internetbedingungen, hätte nicht in die Sendung gehen sollen.

Die Absicht der Arena-Macher war ohne Tadel, die Wahl einiger zu lautstarker Gäste gescheitert. Denn die System-Ebene, das „Wie“ der öffentlichen Kommunikation, ist schlicht nicht zu erreichen mit Gästen, die zu 90% an anderem interessiert sind und nicht bereit sind, dies zu unterdrücken.

Dem TV-Publikum ist die Medienreflexion noch wenig vertraut, und Trump bildet Anschauungsmaterial ohne Mass. Ein Arena-Auftritt sollte auch ein bisschen «Service public» am Publikum und am Gastgeber sein. Gern hätte man erfahren:
1. wie die Medien und die neuen Kommunikationskanäle mit Tatsachenbehauptungen und Meinungsäusserungen umgehen, früher und heute;
2. wie man medienfeindlichen Staatspräsidenten begegnet und wie die Medienprofis trotz allem unvoreingenommen Kritik an den Machtträgern üben;
3. worin sich die Medienfeindlichkeit in den USA genau zeigt, d.h. welche Regeln verletzt werden und welche Nachteile daraus entstehen;
4. wie sich das Vorgehen von Trump und seinen Leuten historisch und im Ländervergleich einordnen lässt und ob es einen Trend darstellt;
5. welche Musterbeispiele – auch selber erlebte – das Vertrauen in etablierte Medien gefährden oder bestätigen;
6. und welche Beispiele umgekehrt auf Vorteile, aber auch Grenzen der sozialen Medien und der Direktkommunikation von politischen Akteuren hindeuten.

Fetzen davon waren in der Arena durchaus zu hören, oszillierten dann aber zwischen Konkretem und Abstraktem, zwischen Form und Inhalt etc. – man kennt es aus dem Alltag und möchte es nicht in der Arena hören. Als Zuschauer der Arena schätzt man Informationen und Einschätzungen und Argumente für beides. Im besten Fall erlebt man sogar einen Austausch, der aus eins und eins drei macht.

Fast hätten die beiden Präsidenten der Schweizer Beschwerdeorganisationen, Markus Spillmann und Vincent Augustin, die Rettung geschafft. Allerdings hat eine auf Rügen gerichtete Gremienaktivität im Presserat und in der UBI wenig mit dem Machtmissbrauch der Exekutive und mit dem Vertrauensverlust gegenüber Medien zu tun. Gibt es einen Presserat in den USA?

Insgesamt blieb es bei Sympathiepunkten für die teilnehmende Dame, Karin Müller, und für einige weitere Teilnehmer und für einen herausgeforderten Moderator, Jonas Projer, und man freut sich auf die nächste Arena mit Podiumsgästen, die das Thema ernst nehmen und auch bereit ist, das eigene Steckenpferd im Stall zu lassen.


Lesen ist oft besser als zuschauen: Interessante Texte, die sich mit Trumps „Medienkrieg“ befassen, finden sich etwa hier:

Jetzt wäre erst recht Präzision gefragt

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Über Matthias Giger

https://infowiss.ch

Öffentlichkeitsarbeit und Statistik Kantonsbibliothek Vadiana, St.Gallen

Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Informations- und Datenmanagement, Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur.

Journalist / Redaktor beim Toggenburger Tagblatt, Wattwil.

Zwei Praktika auf Web-Redaktionen Zukunftsinstitut GmbH und VR LEASING AG, nahe Frankfurt am Main.

Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc.

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