Archiv des Autors: red

Medienqualität aus Konsumentensicht

(red)

Mit dem Übersichtsartikel von Prof. Dr. Matthias Künzler starten wir eine Kolumnenserie zur Medienqualität. Dazu werden Autorinnen und Autoren aus allen Gesellschaftsbereichen beitragen.

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Medienvielfalt bedingt nicht unabhängige Journalisten

(red)

Immer wieder geht das Selbstverständnis der Journalisten von der Unabhängigkeit gegenüber dem eigenen Arbeitgeber aus, zuletzt z.B. im Zusammenhang mit der Basler Zeitung, in deren Führung die Chefredaktion und das Eigentum – und damit auch die Verlegertätigkeit – zusammengeführt wurden. Der Hintergrund ist ein beanspruchter „öffentlicher Auftrag“ der publizistischen Medien, wie er z.B. im Journalistenkodex zum Ausdruck kommt (und sich auch rechtlich einordnen lässt). Stefan Vannoni zieht im folgenden Beitrag das erwähnte journalistische Selbstverständnis in Zweifel.


von Stefan Vannoni

Haben Journalisten – wie das manchmal behauptet wird – tatsächlich zwei Dienstherren? Müssen sie, neben der Erfüllung der Aufgaben des privaten Arbeitgebers (des Verlags), auch einen öffentlichen Auftrag erfüllen und somit unabhängig sein? Die Antwort lautet klar nein. Machen wir die Journalisten nicht zu besseren Menschen, als sie sind. Wie andere Arbeitnehmer stehen auch Journalisten in erster Linie ihrem Arbeitgeber gegenüber in der Pflicht.

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Was ist Journalismus und nicht PR? Journalismus als ergebnisoffene Abklärung und nachvollziehbare Aufklärung

(red – Zusammenfassung des von Medienkritik Schweiz veranstalteten Podiumsgesprächs zu Thema Journalismus und PR)

Zwei kleine Ereignisse, kreisend um die gleiche Person, haben kürzlich eine Diskussion zum Thema „Journalismus und PR“ in Erinnerung gerufen:

  • Der Mediensprecher der „Erklärung von Bern“ besucht einen Weiterbildungskurs für Recherche, der Journalisten angeboten wird.
  • Der gleiche Mediensprecher dieser entwicklungspolitischen Organisation, Oliver Classen, erhält einen Förderpreis für Journalismus.

Auch im Podiumsgespräch am Swiss Media Forum vom 8. Mai 2014, veranstaltet von Medienkritik Schweiz, kam die Frage zur Sprache, was ein Journalist nun ist und wie die Begriffe PR und Journalismus zu verwenden sind. Die Gesprächspartner Daniel Binswanger (Journalist „Das Magazin“) und Andreas Hugi (Präsident des Branchenverbandes der PR-Agenturen) schienen gegensätzlicher Meinung zu sein. Weiterlesen

Journalismus & PR – einerlei?

Bericht von Doris Gerber zum von Medienkritk Schweiz veranstalteten Podium am Swiss Media Forum

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Die Teilnehmenden

  • Daniel Binswanger, Journalist „Das Magazin“
  • Philip Kübler, Präsident Medienkritik Schweiz, Moderator
  • Stephanie Grubenmann, Universität St. Gallen
  • Andreas Hugi, Furrer.Hugi&Partner

Die Auslegeordnung

Philip Kübler begrüsst die PodiumsteilnehmerInnen und das Publikum. Als Einstieg präsentiert er einen Strauss von Beispielen zur Vermengung von Journalismus und PR. Z.B.

  • Schweiz am Sonntag / 2. September 2013 / Hanspeter Bürgin: „PR-Firma zahlt Journalisten: Im Couvert steckten 500 Franken“
  • Marvin Oppong, Studie „Verdeckte PR in Wikipedia“, 2014
  • Medienwoche / 8. April 2014 / Nick Lüthi: „Journalistenpreis für Ex-Journalist“.

Einordnung und Zuspitzung

Philip Kübler gliedert die Probleme auf drei Ebenen: bei der Struktur, in den Kommunikationsprozessen und bei der Kultur. Er fragt zugespitzt, ob es eine grosse Machtverschiebung vom Journalismus zur PR gibt.

Stephanie Grubenmann nimmt aus Sicht der Wissenschaft Stellung. Sie stellt fest, dass diese Entwicklung nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern auf dem Hintergrund von Gesellschaft und Medienwesen. Journalismus und PR ermöglichen und beeinflussen sich gegenseitig. Im Berufsfeld des Journalismus sinken die finanziellen und personellen Ressourcen. Das Tempo steigt, ebenso die Messbarkeit der Resonanz von journalistischer Arbeit. Im Bereich der PR wurde und wird stark aufgerüstet – finanziell und personell. Die Aktivitäten werden zunehmend ausdifferenziert und standardisiert. Auf der individuellen Ebene ist festzustellen, dass die Kommunikationsberufe sehr beliebt sind, das Interesse am Journalismus aber sinkt. Die jungen Mediennutzerinnen und -nutzer zeigen ein anderes Verhalten. Sie konsumieren fleissig und viel – scheinbar unkritisch. Sie lehnen gemäss einer neuen Studie aber Pop-ups mehrheitlich ab und sind auch nur sehr begrenzt bereit zu zahlen.

Auf der gesellschaftlichen Ebene gibt es einen Information-Overload und es gibt zunehmend einen Transparenzdruck.

Die Sicht der Akteure

Andreas Hugi stellt klar eine Verstärkung des Gegensatzes zwischen PR und Journalismus fest. Wenn diese Verschärfung des Tons eine vermehrte Auseinandersetzung brächte, würde er es begrüssen.

Daniel Binswanger sieht die Position des Journalismus geschwächt durch die finanzielle Situation der Medienhäuser. Er spricht von einer Schwächung der Feuerkraft. Aber er findet es glänzend, dass der für das Buch „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“ mit dem Förderpreis von ProLitteris ausgezeichnete Oliver Classen von Philip Kübler zum Thema gemacht wird. Er lobt seinerseits das weitherum anerkannte Buch.

Mit Andreas Hugi ist auf dem Podium ein Kommunikationsberater vertreten, der ein Mandat von Glencore hat. Er wirft die Frage auf, ob Classen noch ein Journalist sei, verneint sie aber selber. Eigentlich müssten die Journalisten bedauern, dass die offenbar beste Recherche nicht aus einer ihrer Redaktionen stammt.

Dazu bemerkt Binswanger, Medienhäuser müssen heute anerkennen, dass NGOs Inhalt und Recherchen liefern: „und es ist gut so!“ Es gebe den unabhängigen Journalismus noch, bei dem Differenzierung, Niveau und Fakten in Ordnung sind. Druckversuche von PR-Seite kennt er persönlich nicht. Verfasser von Kommentaren seien da weniger gefährdet.

Der Mediennutzer – die Mediennutzerin

Wie ist der Wert einer Information zu erkennen?

Andreas Hugi orientiert sich an der Marke, z.B. der NZZ, wo er sich darauf verlässt, dass die Regeln eingehalten werden. Er kennt auch Blogs, die für ihn qualitativ gut sind und die er regelmässig besucht. Auch das Bulletin der CS kann zusammen mit einem WOZ-Artikel Basis für seine Meinungsbildung sein.

Für Daniel Binswanger hat ein CS-Bulletin nichts mit klassischem Journalismus zu tun, denn es unterliegt einer Themeneinschränkung durch die Anforderung der Corporate Communication. Die Glaubwürdigkeit ist deshalb anders einzuschätzen. Medienhäuser und ihr Brand werden nach seiner Einschätzung weiterhin eine Rolle spielen. Gute Artikel von denen gesprochen wird, werden eher mit dem Medium als mit dem Autor verbunden.

Nach Stephanie Grubenmann muss der durchschnittliche Nutzer bewusster konsumieren und sich selber eine gewisse Kompetenz für die Einschätzung der Qualität aneignen. Die Medienhäuser brauchen gute Geschäftsmodelle, die die Unabhängigkeit der Journalisten gewährleisten und diese wiederum eine gute Ausbildung.

Braucht es mehr Regeln oder eine besser Kontrolle?

Philip Kübler insistiert auf dem Problem, dass es Fälle gibt, in denen die Nutzer die Herkunft und Qualitätsmängel redaktioneller Leistungen beim besten Willen nicht erkennen können. Sollen die Regeln des Presserats und des Code of Conduct zur Werbung (Verband Schweizer Medien, 2007) verbindlicher werden?

Regeln allein bringen keine Qualitätssteigerung, meint Andreas Hugi. Die bestehenden genügen, müssen aber besser koordiniert werden. Eine Marke verliert durch ihre Fehler an Wert und schwächt sich damit selber.

Für Daniel Binswanger sind die Regeln irrelevant – wichtig ist das Berufsethos.

Philip Kübler stellt erstaunt fest, dass es bei den Verlagen eine hartnäckige Resistenz gegen Regeln und Massnahmen zu ihrer Befolgung gibt, obwohl solches in anderen Branchen längst üblich ist. Selbstregulierung in Ehren, aber wenn sie nicht vollzogen wird und keine Transparenz herrscht, fehlt der Nutzen.

So what?

Die Statements und Einschätzungen haben gezeigt, dass Spannungen und Vermischungen zwischen Journalismus und PR bestehen und tendenziell zunehmen. Wenn die Medienhäuser sich finanziell nicht auffangen können, wird der unabhängige Journalismus weiter in Bedrängnis kommen und der informelle Einfluss der finanziell stärkeren PR wohl steigen. PR soll da ihren Platz haben, wo sie transparent ist.

Ein anspruchsvoller Medienkonsument kann der heutigen Vernebelung entgegenwirken und Klärung verlangen. Die Bedingungen für einen unabhängigen Journalismus und seine Regeln müssen deshalb bekannt sein und von Mediennutzenden aktiv eingefordert werden. – Medienkritik ist angesagt.

IMG_0354Zur Dokumentation und Präsentationsunterlage der Session geht es hier.

Doris Gerber ist Vorstandsmitglied von Medienkritik Schweiz.

Rassismusverbot: Ein ungewöhnliches Stück Medienrecht

(red)

Unter dem Titel „Komisches Verbot“ beleuchtet Philip Kübler, Präsident von Medienkritik Schweiz, das strafrechtliche Verbot der Rassendiskriminierung in der Schweiz. Sein Text ist im digitalen Medienmagazin „Medienwoche“ erschienen. Weiterlesen

Jahresbericht des Präsidenten

Jahresbericht als PDF

Ablösung im Präsidium von Medienkritik Schweiz

Bild vom neuen Präsidenten von Medienkritik Schweiz, Philip Kübler und vom alten Präsidenten Gottlieb F. Höpli

Philip Kübler (links) löst Gottlieb F. Höpli als Präsident von Medienkritk Schweiz ab. Bild: Lukas Schnellmann

(red)

Die Mitgliederversammlung des Vereins Medienkritik Schweiz hat vier neue Mitglieder in den Vorstand gewählt: Dr. Ruth Halter-Schmid, Präsidentin Zürcher Radio-Stiftung; Pius Knüsel, Direktor der Volkshochschule Zürich; Dr. Matthias Künzler, Universität Zürich und Dr. Stefan Vannoni, economiesuisse. Weiterlesen

Findet Medienkritik statt?

von Philip Kübler

Der Verein Medienkritik Schweiz interessiert sich für die direkte Kritik einzelner Medienthemen und Medienleistungen. Solche themen- und ereignisbezogenen Beiträge schicken wir auch gelegentlich über unsere Website in die Öffentlichkeit (den ehrenamtlichen Autoren sei gedankt). Doch das hauptsächliche Engagement unseres Vereins gilt der Kritikfähigkeit der Medien und der institutionalisierten Medienkritik von aussen. Weiterlesen

Medienkritik vor Gericht

von Philip Kübler

Die NZZ musste vor Obergericht einen Bericht von Rainer Stadler gegen die Klage der Weltwoche verteidigen. Klar war der Fall nicht. Die Meinungs- und Medienfreiheit sollte auch dann zum Zug kommen, wenn Journalisten die Medien kritisieren, zum Beispiel indem sie unklare Finanzierungsverhältnisse an einer Zeitschrift thematisieren und die redaktionelle Unabhängigkeit anzweifeln. Weiterlesen

Jahrestagung über die Eidgenössische Medienkommission

Zum vierten Mal findet am 27. November (Mittwoch, 18 Uhr, Pädagogische Hochschule Zürich) die Jahrestagung von Medienkritik Schweiz statt. An der diesjährigen Tagung wird es um die Eidgenössische Medienkommission gehen.

Viel ist über dieses noch junge Gremium geschrieben worden, einiges ist kritisiert und spekuliert worden. Medienkritik-Schweiz-Präsident Gottlieb F. Höpli blickt zurück auf die letzte Kommission für Medien (1978-82). Prof. Dr. Otfried Jarren nennt die Ziele und Absichten der aktuelle Eidgenössische Medienkommission, die er präsidiert. Dr. Philip Kübler geht auf den medienpolitischen Kontext ein, in den die Medienkommission eingebettet ist.

Interessante Gespräche am Apéro ab 19.30 Uhr sind vorprogrammiert.

Die Teilnahme ist kostenlos. Hier das genaue Programm: Tagung 2013 Programm

Anmeldungen unter
info@medienkritik-schweiz.ch
Einlesen? Kann man sich hier

„Da hilft vielleicht eine Aussensicht“

INTERVIEW MIT PROF. DR. OTFRIED JARREN (verdankenswerterweise vom Medienmagazin Edito+Klartext zur Verfügung gestellt)
von Helen Brügger und Bettina Büsser, erschienen in EDITO+KLARTEXT NR. 4/2013

Otfried Jarren ist Präsident der neugeschaffenen Eidgenössischen Medienkommission. Im Interview spricht er über die Grüde der Medienkrise, die neuen Aufgaben der Verleger und Medienschaffenden, die Probleme der Publikumsforschung, die Auswirkungen der Werbung auf den Journalismus – und darüber, was die Kommission in diesen Fragen unternehmen kann und will. Weiterlesen

Die Inflation der Stars

von Gottlieb F. Höpli

«Schriftsteller hat abgeschrieben», «Fotomodell schwanger» – das sind doch keine Schlagzeilen! «Starmodel schwanger»; «Starökonom beschuldigt Bestsellerautor» – das sind doch ganz andere Kaliber! Weiterlesen

Journalismus – unverzichtbar: Warum wir alle über journalistische Qualität streiten müssen

von Vinzenz Wyss

Wir behaupten ja, dass wir alle über journalistische Qualität streiten müssen. Wir alle, die wir in dieser Gesellschaft unterwegs sind, miteinander interagieren, in bestimmten Rollen in Organisationen eingebunden sind, wir alle sind als Bürger, Konsumentinnen, Kunstliebhaber, Gläubige, vom Recht Betroffene, an Wissen und Bildung Interessierte, oder als Eltern darauf angewiesen, dass das was wir Journalismus nennen, auch tatsächlich funktioniert. Weiterlesen

Der erste Medienclub von SRF mit mässiger Resonanz

von Philip Kübler

Am 28. Mai 2013 hat das Schweizer Fernsehen SRF seinen ersten Medienclub ausgestrahlt. Thema war die Darstellung von Terrorakte durch die Medien. Die Moderatorin Karin Frei begrüsste um 22:20 Uhr Patrick Müller, Chefredaktor der „Schweiz am Sonntag“ und Alexandra Stark, Studienleiterin des MAZ als ständige Gäste. Hinzu kamen Diego Yanez, Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, Rainer Stadler von der NZZ, Rolf Cavalli vom Blick und Vinzent Wyss, Professor an der ZHAW. Neben dem eigentlichen Thema kamen zur Sprache: Qualität in den Medien, die Arbeitsbedingungen der Journalisten, der Medienwandel, die Berufsaussichten junger Journalisten, die Attraktivität des Journalistenberufes und – kaum erläutert – die Persönlichkeitsverletzung eines St. Galler-Taxifahrers durch den „Blick“. Weiterlesen

Selbstgerechte Medien

Von Philip Kübler

Medienkritik Schweiz hat sich am Swiss Media Forum in Luzern der Frage zugewendet, ob die Medien in der Einhaltung der rechtlichen Vorgaben genügend Selbstkontrolle üben. Anhand der Affäre Kachelmann – einer Strafuntersuchung gegen den Meteorologen mit gerichtlichem Freispruch – haben die Medienrechtler Rena Zulauf (Rechtsanwältin), Simon Canonica (Tamedia) und Philip Kübler (Medienkritik Schweiz) unter anderem die Spielregeln für die Unschuldsvermutung diskutiert. Jörg Kachelmann hat an der Diskussion engagiert mitgewirkt.

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Medienkritik und Rechtsbehelfe am Beispiel „Strehle Weltwoche“

>>PDF-Version hier.   >>Zum Dossier „Weltwoche Strehle“   >>Zur Dokumentation (Liste der Dokumente)   >>Zur Übersicht

von Philip Kübler, Vorstandsmitglied „Medienkritik Schweiz“, Dozent für Medienrecht an der Universität Zürich. Philip Kübler war von 2000 bis 2012 Mitglied des Presserates.


Als Organisation, die sich der nüchternen und nützlichen Auseinandersetzung mit den Medien und dem Mediensystem verschrieben hat, beobachtet Medienkritik Schweiz die Diskussion um Res Strehle mit Interesse. Es folgt eine medienrechtliche Einordnung zur Zulässigkeit solcher Publikationen und zu den Reaktionsmöglichkeiten des Betroffenen. Medienkritik zieht zur Causa Strehle ein medienkritisches Fazit, denn es scheint, dass die Debatte – nun in den Händen des Presserates – ihr vorläufiges Ende gefunden hat.
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