Prof. Dr. Matthias Künzler an der Tagung von Medienkritik Schweiz zum Thema Standortbestimmung der Medienkritik.

Prof. Dr. Matthias Künzler an der Tagung von Medienkritik Schweiz zum Thema Standortbestimmung der Medienkritik.

Wer übt heute alles Kritik? Akteure und Entwicklung der Medienkritik in der Schweiz

von Matthias Künzler
(Referat am Jahresanlass des Vereins Medienkritik Schweiz in Zürich am 17.11.2016)

Die Frage, wie es um die Medienkritik in der Schweiz steht, beurteilte der Medienwissenschaftler und heutige SRF-Ombudsman Roger Blum (2010) vor sechs Jahren äusserst negativ: „Wie aber steht es um diese «fünfte Gewalt», um die Medienkritik in der Schweiz? Ganz elendiglich. Es herrscht entweder Wüste oder eine heillose Zersplitterung.“

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Referenten zur Standortbestimmung der Medienkritk in der Schweiz

v.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Künzler, Prof. Dr. Vinzenz Wyss und Dr. Philip Kübler

Standortbestimmung der Medienkritik

Thema der diesjährigen Tagung von Medienkritik Schweiz vom Donnerstag, 17. November 2016, war eine Standortbestimmung der Medienkritik in der Schweiz.

  • Prof. Dr. Matthias Künzler von der HTW Chur (links im Bild) eröffnete mit seinem Referat «Wer übt heute alles Kritik?»
  • Prof. Dr. Vinzenz Wyss von der ZHAW Winterthur (Bildmitte) stellte das neue Medienqualitätsrating 2016 unter dem Titel «Wie messen wir Qualität?» vor.
  • Dr. Philip Küber, Mitglied der EMEK und Präsident von Medienkritk Schweiz (rechts im Bild), ging der Frage nach, «Wie wird die Politik gemacht?» (Beitrag auf der Website folgt) (Handout)

Man hätte Blocher widersprechen müssen

von Roger Blum

Die ungeheuerliche Aussage Christoph Blochers im Interview mit Schweizer Regionalzeitungen blieb unwidersprochen. Solch journalistisches Verhalten wäre ein Fall für den Presserat. Wäre das Interview in Radio oder Fernsehen gesendet worden, hätten sich wohl Ombudsstelle und Unabhängige Beschwerdeinstanz damit befasst. Weiterlesen

Die vergiftete Debatte

von Robert Ruoff

«Wer ist Ihr oberster Chef?», fragt der Moderator. Antwortet der Generaldirektor: «Der Verwaltungsratspräsident.» Sagt Jonas Projer: «Ich hätte fast gehofft, Roger de Weck, dass Sie gesagt hätten, das Publikum.» Antwortet de Weck: «Zum Glück nicht, denn man muss in einem Programm (des Service public) auch vieles bringen, was nicht von vornherein Publikumsgeschmack ist». So in der letzten «Arena» des Jahres 2015. Weiterlesen

Wertschöpfung braucht mehr aufmerksames Zuhören als lautes Zurufen

von Peter Bucher

Die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes hängt von Kriterien wie Verkehrserschliessung, Verfügbarkeit von Arbeitsflächen, Arbeitskräften oder steuerlicher Belastung ab. Es zählen aber auch weniger fassbare Dinge wie Image oder Renommee. Dabei stehen insbesondere die Städte in Konkurrenz zueinander. Wofür der Name einer Stadt stehen soll, wird ständig diskutiert: politisch, wirtschaftlich, kulturell und mit unterschiedlichsten Namensträgern, Namensgebern und deren Zielgruppen verhandelt – Wohnstadt, Musikstadt, Tourismusstadt, Energiestadt, Kreativstadt.

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Medien als Brückenbauer zwischen Politik und Gesellschaft

von Fabienne Bünzli

Artikel über Willy den Wachhund, Wahlkampfsongs oder Fotos von unvorteilhaft gekleideten Politikerinnen und Politikern – nach einer anspruchsvollen Aufgabe, die meine volle Konzentration verlangte, oder in einem Moment der Langweile sind solche Artikel eine willkommene Ablenkung. Zugegeben, diese Inhalte mögen zwar äusserst unterhaltsam sein. Ob sie aber zu einem fundierten politischen Diskurs beitragen, sei dahingestellt. Gerade vor dem Hintergrund, dass unsere direkte Demokratie ein hohes Interesse sowie eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Politik voraussetzt, stellt sich die Frage nach den Qualitätskriterien der Medien.

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Ich brauche keine Tageszeitung mehr, um mein Weltbild zu bestätigen

von Silvio Blatter

Früher habe ich die Zeitung gelesen, heute konsumiere ich Medien. Mein Nutzungsverhalten hat sich schleichend verändert. Wobei ich mich früher nie als User und Konsument sah, sondern als Abonnent. Meine Zeitung sah ich nicht als ein kommerzielles Produkt, sondern als Kulturgut. Im Morgengrauen hörte ich manchmal den Zeitungsausträger, das Klappern des Briefkastens. Es war vergleichbar dem Zeitzeichen von Radio Beromünster, nach dem die Schweizer ihre Uhren richteten. Weiterlesen

Journalistische Qualität ausserhalb klassischer Medienhäuser

von Viviane Egli

Durch mein Berufsleben zieht sich der Journalismus. In klassischen Medienhäusern habe ich angefangen und gelernt. Im Custom Publishing – auch Corporate Publishing und in Erweiterung heute Content Marketing genannt – habe ich fortgesetzt und weiter gelernt. Begegnet bin ich dem Qualitätsjournalismus. Der unabhängige Journalismus blieb weitgehend ein Phantom. Und es wuchs die Überzeugung, dass die Werte Transparenz und Respekt gross geschrieben sein müssen und zwar für alle Parteien, für Herausgeber, Journalisten und User / Leser. Weiterlesen

Konstruktiver Journalismus – eine Initiative mit Potenzial

von Rena Zulauf

„NEWS: NOBODY LIKES YOU.“ So bringt der Glasgower Künstler David Shrigley das Mediengeschäft in einer überspitzen, künstlerischen Weise auf den Punkt. Er spricht damit die Kontroll- und Kritikfunktion der Medien an (das Tun und Lassen von Funktionsträgern und anderen soll überprüft werden), er bringt aber auch trefflich den Empörungsjournalismus und – für mich als Medienrechtlerin insbesondere mit dem „You“ – den Persönlichkeitsschutz auf den Punkt. Weiterlesen

Medienqualität fusst auf fundiertem Wissen und eigenem Urteilsvermögen

Christoph Vollenweider

Das Lilienberg Unternehmerforum fördert das unternehmerische Denken und befasst sich mit den gesellschaftlichen Herausforderung der näheren Zukunft. Wir versuchen vor allem, die Unternehmerschaft in den gesellschaftlichen Diskurs einzubinden und zwar in den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Unternehmenskultur, Aussenpolitik oder Sicherheit. In diesen Diskussionen stellen wir fest, dass sehr viele Unternehmer ein zwiespältiges Verhältnis zu den Medien haben: Weiterlesen

Die Rolle der Medien in der Demokratie

(red)

In der von Medienkritik Schweiz organisierten Session am SwissMediaForum 2015 diskutierten Veit Dengler, CEO der NZZ-Mediengruppe und Roger de Weck, SRG-Generaldirektor über die RTVG Revision, vor allem aber über die Rolle von Medien in der Demokratie.  Moderation: Philip Kübler, Präsident Medienkritik Schweiz und Direktor ProLitteris.

Die Macht der Medien muss durch Konkurrenz beschränkt werden

von Dietrich Pestalozzi

Meine Erfahrungen als Unternehmer mit Medien sind mehrheitlich positiv. Als wir im Jahr 2013 das 250-jährige Firmenjubiläum feierten, durften wir uns über eine ausgedehnte Berichterstattung freuen. Offenbar interessierte das Thema, dass ein KMU achtmal den Generationenwechsel vollziehen, damit über so lange Zeit in Familienbesitz bleiben und erfolgreich weitergeführt werden konnte. Auch unsere jährliche Medienmitteilung wird von den lokalen Medien und von den Fachmedien bearbeitet und publiziert. Weiterlesen

Patentiert Taylor Swift Urheberrechte?

von Philip Kübler

Stern Taylor Swift 2015-01-30

Natürlich nicht, diese Story dreht sich weder um Urheberrecht noch um Patente, obwohl das in fast allen Medienberichten steht. Orientiert man sich an den Schlagzeilen, so scheint die umtriebige US-Popsängerin gleich zweimal Copyright-Geschichte zu schreiben. Zuerst zieht sie ihre Songs aus dem Streaming-Dienst Spotify zurück. Und nun soll das US-Copyright Sprüche aus ihren Songtexten schützen? Weiterlesen

Demokratie ohne Medien

von Andreas Jäggi

Unter dem provokativen Titel «Wie funktioniert Demokratie ohne klassische Medien» fand am 5. Dezember im Lilienberg Unternehmerforum die Tagung des Vereins Medienkritik Schweiz statt. Keiner der Vortragenden konnte sich zwar für das Jahr 2030 eine Schweiz ohne journalistische Medien vorstellen, aber die Veranstaltung beleuchtete doch einige Argumente, welche die Gleichung Medien = Demokratie in Frage stellten.

Unter Journalisten, in der Medienwissenschaft und auch in der allgemeinen Öffentlichkeit gilt es fast als Glaubenssatz: Die Medien sind die Basis unserer Demokratie. Nur sie sind in der Lage, den Diskurs der verschiedenen Teilöffentlichkeiten wie etwa der Politik, der Wissenschaft, der Kirche und der Wirtschaft  in der Arena der elektronischen und gedruckten Medien zusammenzuführen und damit den Lesern ein breites Meinungsspektrum zu präsentieren, es zu sortieren und zu bewerten, damit sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihre eigene Meinung bilden können. Weiterlesen

Keine Kleinigkeit

von Philip Kübler

Der Medienkonsum und das Kommunikationsleben entfernen sich vom Grossen und bewegen sich zum Kleinen:

  • SMS statt Brief.
  • Rasche Telefonate.
  • Kurzfutter in den Zeitungen.
  • Dünne Bücher.
  • Song statt Oper, Hits statt Symphonien.

Es ist ein Trend seit vielen Jahren. Weiterlesen

Das Internet liebt die Grösse

von Philip Kübler

Die Grösse ihrer Bäckerei ist den Kunden nicht so wichtig, solange sie mit dem Brot zufrieden sind. Im neuen Mediengeschäft des Internets aber zieht Grösse immer noch mehr Kunden an. Ist das ein Problem? Ist dagegen ein rechtliches oder politisches Kraut gewachsen? – Eigentlich ist das Wettbewerbsrecht zuständig, doch entstehen immer wieder neue Ideen.

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BR oder PR: Grosser runder Tisch der Freien BerufsjournalistInnen FBZ

von Philip Kübler

Spricht man mit Journalistinnen und Journalisten, dann versteht man unter dem Wort „Druck“ in den Medien schon längst nicht mehr das, was mit guten Texten und Bildern geschieht, sondern das, was die Schöpfer am eigenen Leib erleben. Statt gedruckter Zeitungen ökonomischer Druck der Werbekunden, der PR-Profis und der Medienmanager.

Was ist Journalismus im Angesicht übermächtiger PR? Die „Freien BerufsjournalistInnen FBZ“ laden zum grossen Runden Tisch ein, an dem eine profilierte Runde prominenter (Ex-)Journalistinnen, Medienkritiker und Wissenschaftlerinnen teilnehmen: Mittwoch, 3. September 2014, Türöffnung & Bar 18.30 Uhr, Beginn der Debatte 19 Uhr, Art Dock Zürich, Hohlstrasse 258, 8004 Zürich.

Für die Veranstalter geht es um eine Kernfrage ihres Berufs, und man spürt, dass die Organisatoren nicht ganz überzeugt sind von der Losung „I know it when I see it“ (= ich sehe dem Produkt an, wenn es journalistisch ist). Weiterlesen

Abstossend, was die anderen an Terror-Bildern zeigen …!

von Philip Kübler

Die Publikation von Schockbildern, die Opfer von Terroristen zeigen, ist immer wieder erregend. Dieses medienkritische Thema ist übersichtlich und der fundamentalen ästhetischen und moralischen Kritik zugänglich. Kein Vergleich mit den gewichtigeren Themen der Medienpraxis und Medienethik, den systembedingten kulturell-politisch-ökonomischen Medienfragen. Weiterlesen

Medienvielfalt bedingt nicht unabhängige Journalisten

(red)

Immer wieder geht das Selbstverständnis der Journalisten von der Unabhängigkeit gegenüber dem eigenen Arbeitgeber aus, zuletzt z.B. im Zusammenhang mit der Basler Zeitung, in deren Führung die Chefredaktion und das Eigentum – und damit auch die Verlegertätigkeit – zusammengeführt wurden. Der Hintergrund ist ein beanspruchter „öffentlicher Auftrag“ der publizistischen Medien, wie er z.B. im Journalistenkodex zum Ausdruck kommt (und sich auch rechtlich einordnen lässt). Stefan Vannoni zieht im folgenden Beitrag das erwähnte journalistische Selbstverständnis in Zweifel.


von Stefan Vannoni

Haben Journalisten – wie das manchmal behauptet wird – tatsächlich zwei Dienstherren? Müssen sie, neben der Erfüllung der Aufgaben des privaten Arbeitgebers (des Verlags), auch einen öffentlichen Auftrag erfüllen und somit unabhängig sein? Die Antwort lautet klar nein. Machen wir die Journalisten nicht zu besseren Menschen, als sie sind. Wie andere Arbeitnehmer stehen auch Journalisten in erster Linie ihrem Arbeitgeber gegenüber in der Pflicht.

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Gripen-Beitrag der „Rundschau“: Bericht der Ombudsstelle SRF

von Philip Kübler

Die Ombudsstelle des deutschsprachigen Schweizer Fernsehens hält die Rundschau-Sendung vom 16. April 2014 für programmrechtlich korrekt. Im online verfügbaren Schlussbericht beurteilt Achille Casanova die Sendung als Ganzes, also „ablehnender“ Filmbeitrag und „zustimmendes“ Bundesratsinterview zusammen. Weiterlesen

Was ist Journalismus und nicht PR? Journalismus als ergebnisoffene Abklärung und nachvollziehbare Aufklärung

(red – Zusammenfassung des von Medienkritik Schweiz veranstalteten Podiumsgesprächs zu Thema Journalismus und PR)

Zwei kleine Ereignisse, kreisend um die gleiche Person, haben kürzlich eine Diskussion zum Thema „Journalismus und PR“ in Erinnerung gerufen:

  • Der Mediensprecher der „Erklärung von Bern“ besucht einen Weiterbildungskurs für Recherche, der Journalisten angeboten wird.
  • Der gleiche Mediensprecher dieser entwicklungspolitischen Organisation, Oliver Classen, erhält einen Förderpreis für Journalismus.

Auch im Podiumsgespräch am Swiss Media Forum vom 8. Mai 2014, veranstaltet von Medienkritik Schweiz, kam die Frage zur Sprache, was ein Journalist nun ist und wie die Begriffe PR und Journalismus zu verwenden sind. Die Gesprächspartner Daniel Binswanger (Journalist „Das Magazin“) und Andreas Hugi (Präsident des Branchenverbandes der PR-Agenturen) schienen gegensätzlicher Meinung zu sein. Weiterlesen

Journalismus & PR – einerlei?

Bericht von Doris Gerber zum von Medienkritk Schweiz veranstalteten Podium am Swiss Media Forum

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Die Teilnehmenden

  • Daniel Binswanger, Journalist „Das Magazin“
  • Philip Kübler, Präsident Medienkritik Schweiz, Moderator
  • Stephanie Grubenmann, Universität St. Gallen
  • Andreas Hugi, Furrer.Hugi&Partner

Die Auslegeordnung

Philip Kübler begrüsst die PodiumsteilnehmerInnen und das Publikum. Als Einstieg präsentiert er einen Strauss von Beispielen zur Vermengung von Journalismus und PR. Z.B.

  • Schweiz am Sonntag / 2. September 2013 / Hanspeter Bürgin: „PR-Firma zahlt Journalisten: Im Couvert steckten 500 Franken“
  • Marvin Oppong, Studie „Verdeckte PR in Wikipedia“, 2014
  • Medienwoche / 8. April 2014 / Nick Lüthi: „Journalistenpreis für Ex-Journalist“.

Einordnung und Zuspitzung

Philip Kübler gliedert die Probleme auf drei Ebenen: bei der Struktur, in den Kommunikationsprozessen und bei der Kultur. Er fragt zugespitzt, ob es eine grosse Machtverschiebung vom Journalismus zur PR gibt.

Stephanie Grubenmann nimmt aus Sicht der Wissenschaft Stellung. Sie stellt fest, dass diese Entwicklung nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern auf dem Hintergrund von Gesellschaft und Medienwesen. Journalismus und PR ermöglichen und beeinflussen sich gegenseitig. Im Berufsfeld des Journalismus sinken die finanziellen und personellen Ressourcen. Das Tempo steigt, ebenso die Messbarkeit der Resonanz von journalistischer Arbeit. Im Bereich der PR wurde und wird stark aufgerüstet – finanziell und personell. Die Aktivitäten werden zunehmend ausdifferenziert und standardisiert. Auf der individuellen Ebene ist festzustellen, dass die Kommunikationsberufe sehr beliebt sind, das Interesse am Journalismus aber sinkt. Die jungen Mediennutzerinnen und -nutzer zeigen ein anderes Verhalten. Sie konsumieren fleissig und viel – scheinbar unkritisch. Sie lehnen gemäss einer neuen Studie aber Pop-ups mehrheitlich ab und sind auch nur sehr begrenzt bereit zu zahlen.

Auf der gesellschaftlichen Ebene gibt es einen Information-Overload und es gibt zunehmend einen Transparenzdruck.

Die Sicht der Akteure

Andreas Hugi stellt klar eine Verstärkung des Gegensatzes zwischen PR und Journalismus fest. Wenn diese Verschärfung des Tons eine vermehrte Auseinandersetzung brächte, würde er es begrüssen.

Daniel Binswanger sieht die Position des Journalismus geschwächt durch die finanzielle Situation der Medienhäuser. Er spricht von einer Schwächung der Feuerkraft. Aber er findet es glänzend, dass der für das Buch „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“ mit dem Förderpreis von ProLitteris ausgezeichnete Oliver Classen von Philip Kübler zum Thema gemacht wird. Er lobt seinerseits das weitherum anerkannte Buch.

Mit Andreas Hugi ist auf dem Podium ein Kommunikationsberater vertreten, der ein Mandat von Glencore hat. Er wirft die Frage auf, ob Classen noch ein Journalist sei, verneint sie aber selber. Eigentlich müssten die Journalisten bedauern, dass die offenbar beste Recherche nicht aus einer ihrer Redaktionen stammt.

Dazu bemerkt Binswanger, Medienhäuser müssen heute anerkennen, dass NGOs Inhalt und Recherchen liefern: „und es ist gut so!“ Es gebe den unabhängigen Journalismus noch, bei dem Differenzierung, Niveau und Fakten in Ordnung sind. Druckversuche von PR-Seite kennt er persönlich nicht. Verfasser von Kommentaren seien da weniger gefährdet.

Der Mediennutzer – die Mediennutzerin

Wie ist der Wert einer Information zu erkennen?

Andreas Hugi orientiert sich an der Marke, z.B. der NZZ, wo er sich darauf verlässt, dass die Regeln eingehalten werden. Er kennt auch Blogs, die für ihn qualitativ gut sind und die er regelmässig besucht. Auch das Bulletin der CS kann zusammen mit einem WOZ-Artikel Basis für seine Meinungsbildung sein.

Für Daniel Binswanger hat ein CS-Bulletin nichts mit klassischem Journalismus zu tun, denn es unterliegt einer Themeneinschränkung durch die Anforderung der Corporate Communication. Die Glaubwürdigkeit ist deshalb anders einzuschätzen. Medienhäuser und ihr Brand werden nach seiner Einschätzung weiterhin eine Rolle spielen. Gute Artikel von denen gesprochen wird, werden eher mit dem Medium als mit dem Autor verbunden.

Nach Stephanie Grubenmann muss der durchschnittliche Nutzer bewusster konsumieren und sich selber eine gewisse Kompetenz für die Einschätzung der Qualität aneignen. Die Medienhäuser brauchen gute Geschäftsmodelle, die die Unabhängigkeit der Journalisten gewährleisten und diese wiederum eine gute Ausbildung.

Braucht es mehr Regeln oder eine besser Kontrolle?

Philip Kübler insistiert auf dem Problem, dass es Fälle gibt, in denen die Nutzer die Herkunft und Qualitätsmängel redaktioneller Leistungen beim besten Willen nicht erkennen können. Sollen die Regeln des Presserats und des Code of Conduct zur Werbung (Verband Schweizer Medien, 2007) verbindlicher werden?

Regeln allein bringen keine Qualitätssteigerung, meint Andreas Hugi. Die bestehenden genügen, müssen aber besser koordiniert werden. Eine Marke verliert durch ihre Fehler an Wert und schwächt sich damit selber.

Für Daniel Binswanger sind die Regeln irrelevant – wichtig ist das Berufsethos.

Philip Kübler stellt erstaunt fest, dass es bei den Verlagen eine hartnäckige Resistenz gegen Regeln und Massnahmen zu ihrer Befolgung gibt, obwohl solches in anderen Branchen längst üblich ist. Selbstregulierung in Ehren, aber wenn sie nicht vollzogen wird und keine Transparenz herrscht, fehlt der Nutzen.

So what?

Die Statements und Einschätzungen haben gezeigt, dass Spannungen und Vermischungen zwischen Journalismus und PR bestehen und tendenziell zunehmen. Wenn die Medienhäuser sich finanziell nicht auffangen können, wird der unabhängige Journalismus weiter in Bedrängnis kommen und der informelle Einfluss der finanziell stärkeren PR wohl steigen. PR soll da ihren Platz haben, wo sie transparent ist.

Ein anspruchsvoller Medienkonsument kann der heutigen Vernebelung entgegenwirken und Klärung verlangen. Die Bedingungen für einen unabhängigen Journalismus und seine Regeln müssen deshalb bekannt sein und von Mediennutzenden aktiv eingefordert werden. – Medienkritik ist angesagt.

IMG_0354Zur Dokumentation und Präsentationsunterlage der Session geht es hier.

Doris Gerber ist Vorstandsmitglied von Medienkritik Schweiz.

Peter Hartmeiers Presseschau für die MedienVielfalt Holding

von Philip Kübler

Am 10. April 2014 führte die MedienVielfalt Holding AG in Zürich eine Veranstaltung durch mit dem Titel „Medienvielfalt – Ideenvielfalt – Titelvielfalt“. Eingeladen waren augewählte Persönlichkeiten, die der Veranstalterin nahe stehen, einige Politiker und Journalisten sowie eine Handvoll Medienbeobachter – so auch der Präsident des unabhängigen Vereins Medienkritik Schweiz, Philip Kübler. Weiterlesen