„Medienkritik muss laut sein“

von Lian Voggel

Die Podiumsdiskussion an der Jahrestagung des Vereins Medienkritik Schweiz ging über Medienkritik hinaus. Ein besonderes Augenmerk fiel auf die aktuellen Entwicklungen bei der Basler Zeitung (BaZ). Die Reaktionen darauf fielen kontrovers aus.

Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie es um die Medienkritik in der Schweiz bestellt sei. Die Antworten fielen ernüchternd aus. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli stellte fest, dass die Medienkritik in der Schweiz dürftig sei. Der Soziologieprofessor Kurt Imhof ging einen Schritt weiter: „Die Selbstreflexion der Medien ist tot – zumindest scheintot“ und lieferte die Erklärung gleich mit: Zurückzuführen sei dies auf die Konzentrationsprozesse in der Medienbranche, die keine Binnenkritik innerhalb der Verlage mehr zulasse. Dominique Von Burg, Präsident des Presserats, sagte, die Stellungnahmen des Presserats würden zwar in den Medien veröffentlicht, stosse aber keine Debatten an.

Positiv ist die Tatsache, dass die Akteure der medienkritischen Organisationen bereits konkrete Lösungsansätze für das bestehende Dilemma vorweisen können. Von Burg beispielsweise verlangt: „Medienkritik soll sagen was passiert und weshalb.“ Imhof sieht vor allem die Zivilgesellschaft in der Pflicht. Sie solle von aussen her Kritik üben. Pragmatisch die Forderung von Daniel Römer von der medienkritischen Organisation Arbus: „Wir müssen nur laut genug sein, dann werden wir auch gehört.“ Paul Ehinger von der Stiftung Wahrheit in den Medien hingegen wünscht sich mehr politische Auseinandersetzungen, so wie sie bei der BaZ entstanden seien, seit Markus Somm Chefredaktor ist.

Verpasste Chance in Basel

Die aktuelle Auseinandersetzung um die BaZ zeigt, dass Medienkritik mehr ist als nur Selbstzweck oder l’art pour l’art. Nachdem die NZZ am Sonntag über das Mandat von Christoph Blocher bei der BaZ berichtet hatte, formierte sich innerhalb kurzer Zeit Widerstand. 19000 Bürgerinnen und Bürger unterzeichneten den Aufruf „Rettet Basel“. Der Basler Medienblogger Patrik Tschudin führt den Rücktritt von Tettamanti auf den Erfolg dieser Protestaktion zurück.
Von Burg zeigte sich zufrieden mit der bisherigen Berichterstattung über die Vorgänge bei der BaZ. Er befürchtet jedoch ein Abflauen: „Den Medien mangelt es an Beharrlichkeit, besonders wenn ein Thema komplex ist.“ Imhof seinerseits hält es für ein gutes Zeichen, dass sich so viele Leute für die Medien interessieren. Da es innerhalb von Städten nur noch jeweils eine Zeitung gibt, sei es besonders wichtig, dass der Binnenpluralismus funktioniere, weil ja keine Kämpfe mehr, wie früher zwischen Parteizeitungen, stattfänden. Der Basler Tschudin bedauert, dass eine einmalige Chance ungenutzt verstrichen ist: „Es gab einen kurzen Moment, in dem die Möglichkeit bestanden hätte, in Basel eine Alternative zur BaZ aufzubauen. Hätte Tettamanti nicht so schnell verkauft, hätten vielleicht andere Kreise genügend Geld zusammenbekommen.“

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