Kündige Kritikgesellschaft

von Sebastian Schneider

Wenn die öffentliche Selbstkritik(fähigkeit) der Medien zu wünschen übrig lässt, treten Organisationen auf den Plan, die aus kompetenter und unabhängiger Warte tadeln oder loben. Eine davon ist die Gesellschaft für Medienkritik Schweiz (gfmks). Präsidiert wird sie vom ehemaligen Fernsehdirektor Ulrich Kündig. Daher steht vor allem die SRG im Fokus des „total unabhängigen“ Vereins.

Gross ist die „Gesellschaft für Medienkritik Schweiz (gfmks)“ nicht – sie zählt zurzeit zwölf Mitglieder. Aufdringlich ist der Verein auch nicht – einmal pro Monat veröffentlicht er einen Artikel auf www.gfmks.ch. Das Ziel der Gesellschaft um den ehemaligen Fernsehdirektor Ulrich Kündig ist es, einen qualitativ und vor allem unabhängigen Beitrag zum Diskurs der Medienkritik zu leisten.

Die Veröffentlichung eines Diskussionsbeitrags im Monatsrhythmus möchte Kündig in Zukunft beibehalten. Allerdings arbeitet er daran, die Autorenschaft, respektive die Mitgliederzahl der gfmks, zu vergrössern. Seine Suchkriterien sind sehr strikt: „Nur wer absolut unabhängig ist, kann beitreten“, erklärt Kündig. Dies schliesse zwar eine politische Färbung mit ein, doch es dürfe kein Mitglied einer grösseren Institution angehören und nicht in der Medienbranche angestellt sein. Ausserdem müssten die Autoren eine langjährige Medienerfahrung vorweisen können.

Sukzessive steigt auch die Anzahl der Abonnenten des E-Mail-Newsletters: Zurzeit erhalten etwa hundert Redaktionen, Professoren und kulturelle Institutionen eine Benachrichtigung, wenn ein neuer Artikel auf der Webseite veröffentlicht wird. Die Adressaten fungieren als Multiplikatoren. Eine Redaktion zum Beispiel kann den Artikel in ihrer Zeitung zitieren.

Quoten oder Qualität?
Anlass zum ersten Beitrag im Oktober 2009 gab die damalige Fernsehdirektorin Ingird Delterne. „Ich bedauerte den Geschmacksverlust beim Schweizer Fernsehen und fand, dass ich handeln muss“, so Kündig. Er veröffentlichte einen Text „Zur Bilanz der Fernsehdirektorin Ingrid Delterne“ einen Monat nach der Gründung der „gfmks“. Auch nach dem Rücktritt der Fernsehdirektorin blieb die SRG unter scharfer Beobachtung: „Die SRG macht zurzeit wichtige Veränderungen durch und ausserdem ist die SRG das grösste und wichtigste Medienunternehmen der Schweiz“, erklärt Kündig seine Gewichtung.

Die „gfmks“ stört sich vor allem daran, dass sich das öffentliche Fernsehen stark an Quoten orientiert: „Die Kommerzialisierung und die Quotenbolzerei stören.“ Ausserdem fragt sich Kündig wie es Sendungen wie „Deal or no Deal“ durch die Qualitätskontrollen schaffen. Für Unterhaltung fehlten wohl einfach Kriterien, an denen man die tatsächliche Qualität von Unterhaltungssendungen messen könne.
Die „gfmks“ jedenfalls wird im gleichen Stil weitermachen wie bisher, die Medien weiterhin beobachten und monatlich einen Artikel verfassen. Ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Medienkritik.

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Über Matthias Giger

https://infowiss.ch

Öffentlichkeitsarbeit und Statistik Kantonsbibliothek Vadiana, St.Gallen

Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Informations- und Datenmanagement, Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur.

Journalist / Redaktor beim Toggenburger Tagblatt, Wattwil.

Zwei Praktika auf Web-Redaktionen Zukunftsinstitut GmbH und VR LEASING AG, nahe Frankfurt am Main.

Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc.

Ein Gedanke zu „Kündige Kritikgesellschaft

  1. Florence Fischer

    Die gfmks ist ein Verein, der für die Medienlandschaft Schweiz unabdingbar ist. Ein Wehrmutstropfen ist jedoch, dass die Teilnehmer dieses Vereins zu einer Elite gehören, welche auch nur von wenigen gehört werden. Auch wenn die Rezipienten als Multiplikatoren fungieren, so glaube ich, dass die Kritik zu wenig gehört wird. Die Suchkriterien für die Kritiker sind so strikt, dass kein Eiertanz entsteht. Die Unbefangenheit, mit welcher die Autorenschaft sich an Kritik tasten kann, ist unerlässlich für eine wirkliche Qualitätssicherung von aussen. Genau deswegen muss man schauen, dass der Verteiler des E-Mail-Newsletters vergrössert wird. Auch ist es löblich, dass die SRG unter scharfer Beobachtung steht. Aber ist es nicht endlich mal wichtig, dass sich jemand um die Zeitungen kümmert, die Tag für Tag die Geister der Pendler vereinfachen? Und das ohne jeden Preis?!
    Die Gratiszeitungen brauchen eine Instanz, vor welcher sie Respekt haben und weswegen sie keinen Effort scheuen ihre Qualität zumindest ein bisschen zu heben. Kleine aber effektive Schritte bis hin zur Besserung wären wünschenswert. Genau das könnte die gfmks erreichen, wenn sie das Themenradar und die Mailingliste erweitern würde.

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